Eine Wipfel-Stachelwanze

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Wipfel-Stachelwanzen Acanthosoma haemorrhoidale findet man in Laubwäldern, an Waldrändern oder in früchtetragenden Feldhecken. Sie sollen zu den am häufigsten vorkommenden Wanzen Europas gehören, wenn auch im Norden seltener. Vielleicht sah ich „meine“ deshalb vor einigen Tagen zum ersten Mal hier im Garten in der mit Stauden und Sträuchern bewachsenen „Birkenecke“ auf Blüten vom Feinstrahl Erigeron annuus, einem eher zufälligen Landeplatz.

2021-08-01 LüchowSss Garten Wipfel-Stachelwanze (Acanthosoma haemorrhoidale) auf Feinstrahl (Erigeron annuus)

Sie fliegen mit einer Generation vom späten Frühling bis in den Herbst, bevor sie am Boden unter altem Laub überwintern, um im Frühling die befruchteten Eier auf Weißdorn abzulegen, wo sie im Hochsommer schlüpfen. Die Larven häuten sich insgesamt fünf Mal. Das von mir beobachtete Tier war anscheinend noch jung, denn sie werden als Adulte noch farbenprächtiger.

2021-08-01 LüchowSss Garten Wipfel-Stachelwanze (Acanthosoma haemorrhoidale) auf Feinstrahl (Erigeron annuus) (3)

Während die adulten Wipfel-Stachelwanzen den Säften der Blätter passender Pflanzen eher Früchte vorziehen, saugen die Larven ausschliesslich an den Blättern. Wie Grüne Stinkwanzen können sie zu ihrem Schutz aus Wehrdrüsenneben dem Beinansatz ein unangenehm riechendes Sekret absondern, aber „meine“ fühlte sich nicht durch mich gestört.
Die Fotos sind vom 1. August 2021, aufgenommen auf der Feldseite im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

Schillerwanze oder Dunkler Dickwanst

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Ebenfalls auf der Knotigen Braunwurz Scrophularia nodosa fand ich mehrere Exemplare einer metallisch schimmernden, kleinen Baumanzenart: Schillerwanze, auch Dunkler Dickwanst auf Deutsch genannt. Jüngste wissenschaftliche Bezeichnungen ist Stagonomus venustissimus – die Art wurde 2019 der Gattung Stagonomus neu zugeordnet und dies ist noch nicht überall angekommen. Meistens findet man sie noch als Eysarcoris venustissimus = „Schönste Wanze“ bzw. Eysarcoris fabricii bezeichnet.

2021-07-02 LüchowSss Garten Schillerwanze (Eysarcoris venustissimus) auf Knoten-Braunwurz (Scrophularia nodosa) (1)

Zwischen 5 und 7mm misst die Schillerwanze nur und ist mit ihrem glänzenden rot-bronzefarbigen Schildchen nicht mit anderen Arten zu verwechseln. Die Art lebt in Europa, Asien, und Nordafrika verbreitet und hält sich gern gesellig auf Lippenblütlern Lamiaceae auf, wie man in allen Beschreibungen lesen kann, wobei die Braunwurz mit ihren Rachenblüten allerdings zu den Lippenblütlerartigen Lamiales zählt. Aber entscheidend ist schliesslich, was der Schillerwanze als Nahrung dient, nicht was Menschen kategorisieren.
Erwachsene Tiere der Art überwintern und legen zwischen Frühjahr und Frühsommer Eier; Larven findet man bis in den Spätsommer, erste neue Imagos ab Anfang August. Besiedelt werden relativ feuchte Wiesen bzw. Staudenflure an Waldrändern, Wegrainen und in Parks.
Foto vom 2. Juli 2021 im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

Quer durch den wieder schneefreien Garten

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Das Tauwetter hat in kürzester Zeit den Garten vom Schnee befreit. Der Schnee hat zum Glück Gras und Kräuter grün zurückgelassen, anders als auf den Feldern ausserhalb des Gartens. Es ist faszinierend, wie schnell alles ganz anders aussehen kann, darum habe ich schnell einen Gartenrundgang unternommen und einige Fotos gemacht.

Auf dem ersten blickt man quer über Wieseninseln zur abgestorbenen Eiche hin. Es ist ganz erstaunlich, wie schnell aus dem Holz bzw. unter der Rinde junge Austern-Seitlinge Pleurotus ostreatus hervorkommen, kaum dass der Frost geschwunden ist und die Sonne diese Seite des Baumes erwärmt und auch die Umgebung:

Unweit des Eichenstamms muss sich die vom Schnee niedergedrückte Rosette einer Kandelaber-Königskerze Verbascum olympicum erst noch von seiner Last erholen, während die Purpurrote Taubnessel Lamium purpureum daneben schon wieder blüht, oder womöglich immernoch Blüten trägt, frisch aussehend, als wäre nichts gewesen.

Den Moment der ersten Knospenöffnung der roten Blüten an meiner „doppelte Zaubernuss“ habe ich zwar verpasst, ihre rote Seite blüht schon seit Anfang Februar: eine rot blühende Kultursorte Hamamelis x intermedia. Aber ohne Frost entspannen und entfalten sich die Blüten sichtlich, wirken grösser und „blumiger“.

Dass Mücken umherfliegen hat mich weniger erstaunt als das Erscheinen von Spinnen und Insekten auf den warmen Feldsteinen in der Gabionen-Mauer. Das erste Tierchen ist eine Listspinne Pisaura mirabilis, die wahrscheinlich sehr zufrieden war damit, gleich undweit von sich Fliegen und auch diese mir unbekannte Wanzenlarve vor sich zu haben.

Die Fotos sind sämtlich am 19. Februar 2021 bei einem Mittagsrundgang durch den Garten aufgenommen, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen. Zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder in den Galerien anklicken.

Nebulose Muster

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Die abgestorbene Eiche stellt sich immer mehr als wunderbar lebendiger Ort heraus, vor allem in Bodennähe ist einiges los, wenn der Bereich von der Sonne erwärmt wurde. Gestern war ein sonniger und nahezu windstiller Tag, so dass ich wieder hervorgelockte kleine Lebewesen fotografieren konnte. Die Schönheit der Muster in Erd- und Rindenfarben ist mir beim Fotografieren gestern noch gar nicht aufgefallen, denn durch die Bewegungen des Insekts verwischten alle Konturen tarnfarbig mit dem Untergrund. Ich folgte nur knipsend den Bewegungen eines Wesens, das ich später hoffte, in Ruhe bestimmen zu können, was vor mir über die Flechten auf der Eichenrinde krabbelte:

2019-12-21 LüchowSss Garten 1x10 Sphragisticus nebulosus an der Eiche (1x3)

Einen lateinischen Namen kann ich nach einigem Herumsuchen nennen: die Wanze heisst Sphragisticus nebulosus, einen deutschen Namen gibt es anscheinend nicht, aber immerhin einen Wikipedia-Artikel zur Art > hier und einen noch besseren, auch wegen der Fotos, auf einer Seite, die sich eigentlich den Wanzen im Ruhrgebiet widmet > hier, aber der passt, weil die Art viel weiter verbreitet ist. Sie kommt sowohl in Nord-als auch in Mitteleuropa vor, Innerasien und Sibirien, aber auch in Nordamerika. In West- und Südeuropa fehlt sie zum Teil. Auch innerhalb Deutschlands ist Sphragisticus nebulosus nicht gleichmässig vertreten, sondern hauptsächlich im Norden und Osten, nach Südwesten hin weniger häufig. Nachdem Lüchow-Dannenberg in vielerlei Hinsicht beim Vorkommen von Arten sowohl zum Norden als auch zum Osten zählt, ist das kein sensationeller Fund, aber seit ich mit der 1×10-Vorsatzlinse auf dem Objektiv durch den Garten streife, entdecke ich einiges, was mir vorher entgangen ist.
Fotos vom 21. Dezember 2019 im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

Kleine Welt

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Seit die tote Eiche in den vergangenen, feuchten aber nicht allzu kalten Wochen zunehmend von verschiedenen Pilz- und Flechtenarten in immer noch mehr Farbschattierungen vereinnahmt wird, entdecke ich vor allem an Tagen mit etwas Sonnenwärme, dass sich dort in den letzten Wochen des Jahres mehr und mehr auch eine spezielle, kleine Tierwelt ansiedelt, die ich bisher noch viel zu wenig beachtet habe.

Zwischen den Pilzen sind auch jetzt noch Spinnen aktiv, das verraten die zarten Fäden an erst in den letzten Tagen herangewachsenen Schirmen. Bisher hatte ich noch kein Glück, sie genauer zu erkennen oder gar zu fotografieren, ich sah sie nur eilig verschwinden. Mit den Mücken geht es mir kaum besser, aber sie sehen nicht alle gleich aus, und wenn nicht alle, dann gehören zumindest die meisten von ihnen zur Familie der Pilzmücken Mycetophilidae.

Auf einem Austern-Seitling Pleurotus ostreatus sitzend konnte ich eine dieser Pilzmücken mit der 1×10-Vorsatzlinse erwischen, nicht so gut wie erhofft, aber immerhin erkennbar. Von den weltweit 3000 Arten kommen gemäss > Wikipedia-Artikel in Europa knapp 1000 Arten und Unterarten vor, und in Bernstein eingeschlossen haben die meisten wohl schon fossile Pilzmücken gesehen. Da sich die durchaus zahlreichen Mücken an der Eiche ständig ganz nah an der Baumoberfläche aufhalten, erklärt mir anschaulich, weshalb sie so leicht in Baumharz geraten sind.

Auf den immer mehr verfallenden Resten bereits vor Wochen für die Küche abgeschnittener Austern-Seitlinge entdeckte ich ebenfalls Bewegungen. Besonderes Glück hatte ich mit einem etwa blattlaus-kleinen, bunten Insektenwesen, das darauf herumkrabbelte. Das hübsche Muster lässt mich an ein frühes Entwicklungsstadium von Wanzen-Nymphen denken, aber das ist reine Spekulation. Wenn die Sonne scheint, und es wieder etwas wärmer ist auf der Südseite der Eiche, werde ich wieder mein Glück mit der Kamera versuchen.
Diese Fotos sind alle vier von gestern Mittag, 19. Dezember 2019, an der abgestorbenen Eiche im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen. Bitte zum Vergrössern die kleinen Bilder anklicken.