Gestern noch gewünscht und gehofft – heute: tadaa!

Allgemein, Garten | Garden, Maxima | the dog, Zuhause | Home

Gestern schrieb ich noch vom bisher unerfüllten Wunsch, dass Maxima auch im Garten nicht nur stöbern, sonder auch unsere Nähe suchen käme – heute: tadaa!

2021-07-29 LüchowSss Garten MAXI bei uns am Gartentisch liegend

Als wir heute Nachmittag am Tisch auf dem Rasen sassen und uns unterhielten, kam Maxi langsam näher, setzte sich erst ein Stück entfernt hin und liess sich dann, unterstützt durch bereitgehaltene Pansenhäppchen, davon überzeugen, dass es dort bei uns doch ganz gemütlich sein kann.
Sie blieb längere Zeit liegen und toppte später das Ganze, indem sie nach einem Spaziergang mit meinem Mann gleich nach der Rückkehr in den Garten zu mir gerannt kam. Das hatten wir bis dahin nur im Haus. Aber das war noch nicht alles.
Bald darauf kam eine Nachbarin, die wir zuvor erst einmal auf der Strasse getroffen hatten, auf einen kurzen Besuch in den Garten. Maxi bellte nur kurz, seit 2 Wochen das erste Mal, dann setzte sie sich in gewissem Abstand zum Tisch ins Gras und beobachtete unsere kleine Gruppe, statt irgendwohin in den Tiefen des Gartengestrüpps zu verschwinden, wie eigentlich erwartet. Was für ein Riesen-Fortschritt! ❤

Foto vom Nachmittag des 29. Juli 2021 im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen. Etwas vergrössern kann man das Bild noch, wenn man es anklickt.

Maxi – nach zwei Wochen

Allgemein, Garten | Garden, Maxima | the dog, Zuhause | Home

Das ungestörte Wohlleben der Wühlmäuse im Garten hat ein Ende! Seit ein paar Tagen gibt ein rotbraunes, schlappohriges Buddelmonster, das wie stichprobenartig ins Gebüsch hineinstösst, um die faule Bande in Schwung zu bringen: Maxi. Sie untersucht das Gelände, als hätte sie bereits alles in Planquadrate eingeteilt, die aufgesucht und abgearbeitet werden. Man sieht sie nicht immer, aber hört bei ihrer Arbeit Zweige knacken und das Geräusch klatschender Schlappohren, den sie schüttelt gelegentlich alles von sich, was hängengeblieben ist, wie auf dem Foto.

2021-07-25 LüchowSss Garten Buddelmonster MAXI

„Buddelmonster“ Maxi

Dass Maxi ein Hund mit Leidenschaft für Stöbern und Graben ist, hatte ich erwartet. Wer sich einen dackelähnlichen Hund holt, muss darauf gefasst sein. In einem Garten wie unserem ist das kein Drama, da gibt es nur wenige Stellen, wo ich einschreiten würde.
Auch auf Spaziergängen schüttelt sie sich instinktiv, wenn sie nach dem Schnüffeln aus höherer Vegetation wieder herauskommt, und so ist sie geradezu „selbstreinigend“, habe ich beim Bürsten mit der Gummibürste und dem Reinigen der Schlappohren mit einem lauwarm-feuchten Waschlappen festgestellt. Viel bleibt nicht hängen in ihrem eng anliegenden, kurzen Fell.
Maxi geniesst Bürsten und sanftes Auswischen der Ohren-Innenseiten mit deutlicher Wohligkeit. Dass ihr dies offenbar schon beigebracht wurde, erleichtert die Tätigkeiten sehr.

Überhaupt schmust sie immer mehr, nicht nur mit meinem Mann und mir, sondern zuletzt auch mit unserem zweiten Sohn, den sie vorgestern kennengelernt und sehr schnell als „Guten“ adaptiert hat.
Vermutlich gibt es etwas wie einen Familiengeruch im Haus, weshalb die Neuankömmlinge ihr trotzdem nicht allzu fremd vorkommen.
Wenn ich daran denke, wie sie uns am 12. Juni verbellt und gemieden hat, als wir sie auf der Pflegestelle kennenlernten, und dass sie erst sei 14 Tagen bei uns im Haus lebt, ist der Unterschied gigantisch.
Hier hat sie noch niemanden angebellt und sich bei unseren Söhnen bereits gleich nach deren Ankunft eher vorsichtig-neugierig in deren bzw. unserer gemeinsamen Nähe aufgehalten, statt in ihr Körbchen im anderen Raum zu verschwinden.

Natürlich gibt es auch noch alle möglichen „Baustellen“.

Draussen im Garten klappt es mit dem Kommen im statistischen Mittel „geht so“, denn ruft und winkt man mit der Leine zum Spaziergang, kommt sie vorbildlich und unverzüglich zum Gartentor geeilt.
Ruft man, weil sie „bloss so“ kommen soll, lockt sie dies lediglich aus dem Gebüsch heraus, um mal zu gucken, was es gibt.
Je näher man sie heranlocken möchte, desto zögerlicher wird die Annäherung, und bis zum Tisch auf der Terrasse möchte sie nicht kommen, aber auch nicht, wenn wir am Tisch auf dem Rasen sitzen – also hat es wohl weniger mit dem gepflasterten Bereich zu tun als mit der Idee, dass wir sie sonst schnappen und sie von ihren wichtigen Gartenaufgaben abziehen könnten.

Im Ranking der Vergnügungen stehen wir im Garten noch hintenan. Weil Maxima auf Spielzeug oder Futterbeutel bisher mit Schrecken reagiert, kann man damit noch keine positive Wirkung erreichen.

Andererseits hat sie nichts gegen Leckereien. Üben müssen wir nämlich, dass Maxi ihre Aufmerksamkeit für unser Essen zurückhaltender zeigt. Nicht, dass sie während der Mahlzeit bei Tisch oder am Sofa aufdringlich bettelt, aber anfangs, wenn der Tisch gedeckt und das Essen aufgetragen wird, tut sie, als erwarte sie, das etwas „vom Tisch fällt“, und wenn ich etwas auf dem Beistelltisch neben dem Sofa abstelle, ist sie für ihr sonst so vorsichtiges Wesen erstaunlich forsch. Sie dreht allerdings sofort ab, wenn ich etwas sage, und legt sich ruhig hin.

Dafür ist sie, abgesehen von wenigen sturen Momenten, in denen sie lieber woanders hingehen will, ein Traum an Leinenführigkeit, und reagiert auf kleine Veränderungen der Leinenhaltung mit einer Wendung in die richtige Richtung, z.B um die nächste Wegbiegung herum, zieht nicht, wenn sie merkt, dass man nicht nachgeben wird, und geht fast immer auf Kniehöhe. Fasziniert hat mich vor ein paar Tagen, dass sie bei einer Begegnung mit zwei mir bekannten grossen Hunden, die von ihrer Besitzerin an der Leine geführt wurden, mit ihnen ein Stück Weg gemeinsam ging und dabei so entspannt war, als gäbe es ihr ein gutes Gefühl, statt ängstlich zu sein.

Die Ängstlichkeit ist auch noch ein Thema, denn eigentlich ist Maxi eher schreckhaft bei unerwarteten Geräuschen, als tatsächlich vor allem möglichen richtig Angst zu haben.
Für von vorn oder hinten kommende Autos, Radfahrer oderJogger können wir ganz normal an die Seite gehen – was sie auch schon versteht – und stehenbleiben, ohne dass es sie enerviert.
Trete ich beim Gehen auf Stöckchen oder trockene Blätter, wirkt das nur noch selten so erschreckend wie anfangs, wo sie anscheinend eine Bedrohung erwartete.
Auch beim Taubenflügelklatschen oder unerwarteten Rumpelgeräuschen macht sie nur noch eine mässige Ausweichbewegung, aber vollführt weder einen gewaltigen Satz in die Leine, noch ein erschrockenes und verwirrtes „Einfrieren“. Die Zeit, dann stehenzubleiben, zu schnuppern und zu lauschen, soll sie gerne haben.

Stimmen von noch recht kleinen Kindern lösen bei ihr auch nicht die angekündigten Ängste und Erinnerungen an weniger gute Zeiten aus, wenn sie nur am Gartenzaun oder auf dem Weg an uns vorbeigehen oder auf Kinderfahrrädern fahren – diese Erfahrung haben wir inzwischen auch schon gemacht, genau wie mit Personen unterwegs stehenzubleiben und eine Unterhaltung anzufangen, ohne dass Maxi etwas anderes versucht, als hinter meinen Beinen zu stehen oder zu sitzen, bis sie sich von der Harmlosigkeit überzeugt hat.
Alles in allem ist das unterm Strich nicht schlecht für die ersten 2 Wochen, und es gab bislang noch keine Situation, die ich als echtes Problem empfunden hätte.

Das Foto ist vom 25. Juli 2021 im Garten, Lüchow  im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen. Es zu vergrössern lohnt sich allerdings nicht, denn in Wirklichkeit war es dort wesentlich schattiger und mein einfaches Handy gehört nicht zu den Modellen, die auch noch bei Dunkelheit gute Bilder liefern.


p.s. – 2 Stunden später
Zu den kleinen Kindern ein Nachtrag: den Anblick einer stehenden Sportkarre und dem Kind neben der Mutter, obwohl bestimmt 8-10 Meter entfernt und mit Pferden beschäftigt, fand sie beim Spaziergang eben aber doch erschreckend. So hätte ich es nach ihrer Gleichmut bei den 4-5jährigen auf den hin- und herwackelnden Kinderrädern nicht erwartet.
Immerhin: es ist jemand, die man immer wieder mal von weitem sehen wird, und sicher bekommen wir Gelegenheit, über einige Meter Distanz das mal zu kommunizieren und den Sicherheitsabstand zu üben. Jemand besseren als eine Mutter und Reiterin, die ihrem Kleinkind frühzeitig die Ruhe bei den Pferden vermittelt, kann ich mir gar nicht denken.

2021-02-10 Niveacremedose

Zimmerreisen 01/2021: C wie Creme

Allgemein, Blogosphäre | blogosphere, Zimmerreisen, Zuhause | Home


Zu meiner inzwischen > 7. Zimmerreise 01/2021 inspirierte mich eine Bemerkung von Stachelbeermond als > Kommentar: «52 Zimmerreisen… wir lieben unsere Dinge schon, was? :)» Daher schreibe ich heute über meine schwierige Liebe mit dem Buchstaben C, C wie Creme.
Im Badezimmer befindet sich der Ausgangspunkt meiner Zimmerreise. Es ist ein sehr gemütliches Bad mit einem hellen, morgensonnigen Fenster, so dass sich auch eine Zimmerpflanze mit grünen, hell marmorierten Blättern aka Efeutute auf einem Sims neben verschiedenen, buntglasierten Deckeldosen und Schalen aus Keramik wohlfühlt.

An praktischer Stelle rechts neben dem Waschbecken fällt neben Zahnbürste, Haarbürste und grobzinkigem Kamm eine grossen Cremedose aus blauem Blech mit weissem Schriftzug ins Auge. Mit ihrem leicht vanillig duftenden, weissem Inhalt haben mich schon zahllose ähnliche Dosen durch die Kindheit und bis in meinen heutigen Alltag begleitet. Dabei haben sie nicht nur ihrem originalen Zweck des Eincremens gute Dienste geleistet, sondern anschliessend auch als Behältnisse für Haargummis und -klemmen im Badezimmer oder für Knöpfe im Nähkasten, für Schrauben und andere Kleinteile beim Werkzeug, mit einem Aufkleber über dem Schriftzug oder ohne.

2021-02-10 Niveacremedose

Jahrzehntelang war diese Creme mein Wohlfühlbegleiter nach dem Händewaschen, als Makeup-Entferner, als Winterwind-und Wetterschutz und als zarter Duft des Vertrauten, die meine Mutter verwendete und sogar die Grossmutter, die acht Jahre alt war, als die Creme 1911 in einer so blauen Dose auf den Markt kam.

Dabei war es gar nicht meine Absicht, so anhänglich zu sein. Über die vergangenen Jahrzehnte habe ich immer wieder verschiedene Alternativen versucht, aber alle als zu stark parfümiert, zu klebrig, schmierig oder sonstwie unbefriedigend verworfen. In jüngerer Zeit plagt mich allerdings das Wissen um problematische Inhaltsstoffe auf Mineralölbasis sowie Aluminiumstearate und Acryl-Polymere, letzteres ist Mikroplastik, mit dem Produkte lediglich in die Konsistenz gebracht werden, die dem Kunden ein angenehmes Gefühl gibt.

Im Januar 2020 versuchte ich meine persönliche Revolution und fing an, meine Badezimmerschränke von allem Bedenklichen zu befreien > hier. Nachdem ich die Inhaltsstofflisten meiner Shampoos und anderen Haarpflegemittel, Duschgels, Körpermilchen und Gesichtscremes, des ganzen Krasselhaufens angesammelter, dekorativer Kosmetik, Zahnpasten, Wasch- und Reinigungsmittel etc. mit der Informationsquelle Internet bei der Hand durchgesehen hatte, fand ich vieles ersetzbar oder vollkommen überflüssig. In den folgenden Monaten staunte ich, wie leicht es war, den Toilettenpapierverbrauch drastisch einzuschränken und problematische Produkte bzw. Verpackungsmüll zu vermeiden.

Feste Seifenstücke verwende ich für Haut und Haar, kaufe nur unbedenkliche Deo- und Zahncremes oder -pulver, mache meinen Gesichtspuder selbst und kaufe überhaupt meine Kosmetikartikel bewusster als früher. Feine, natürliche Pflanzenöle in Lebensmittelbioqualität sind für Gesicht und Körper sehr angenehm, mir fehlt eigentlich nichts, nur diese gewisse blaue Dose ist die letzte Bastion, an der ich immer noch scheitere, wenn es darum geht, die Hände zu pflegen, gerade weil man sie zur Zeit aus Hygienegründen ja noch häufiger wäscht als sonst.

Die derzeitig amtierende blaue Cremedose ist noch nicht leer, aber ich bin bereit, mich von einer lieben Gewohnheit verabschieden, die mir bisher schwerer gefallen ist, als das Schokoladessen bleiben zu lassen: beides habe ich bislang immer nur einige Monate durchgehalten. Vielleicht versteht das jemand, der ebenfalls als Konsistenz- und Duft-Junkie daran hängengeblieben ist, aber inzwischen doch Rat weiss?

2021-02-02 LüchowSss handgem. Keramikbild v. Xavier Caba (1928-1996 Castellar de Vallès)

Zimmerreisen 01/2021: als Andenken ein Bild von Caba

Allgemein, Blogosphäre | blogosphere, Zimmerreisen, Zuhause | Home

Für meine 5. Zimmerreise 01/2021 habe ich die Buchstaben A, B und sogar ein C beieinander, denn das Andenken, in Gestalt eines Bildes, das mich an meine zurückliegenden Spanienreisen und meine Mutter erinnnert, stammt von einem Künstler, dessen Familienname Caba lautet, Xavier Caba.

Immer, wenn ich aus meiner Zimmertür trete, kann ich das Bild ansehen. Es besteht aus hellbrauner, handbemalter, glasierter Keramik. Weil es nur 14,5 x 12,5 cm gross ist, wurde es auf einen grösseren Hintergrund aus grobem, ungebleichtem Leinen in einem dunkelbraunen, quadratischen Holzrahmen gesetzt. Für’s Foto habe ich mich auf die „Fliese“ beschränkt. Das Keramikbild war ein Geburtstagsgeschenk für meine nur wenig über Deutschland hinausgereiste Mutter, die gern an eine Spanienreise mit ihrer Schwester zurückdachte, ihren einzigen kleinen Urlaub ohne meinen Vater. Sie mochte die kleinen abgelegenen Dörfer im hügeligen Hinterland mehr als die trubeligen Küstenorte, deshalb brachte ich ihr diese idealisierte Darstellung eines solchen Dörfchens mit, nachdem ich das Bild im Frühsommer 1983 in der Kunst- und Keramikabteilung eines Geschäfts in Valencia sah:

2021-02-02 LüchowSss handgem. Keramikbild v. Xavier Caba (1928-1996 Castellar de Vallès)

Es zeigt eng beieinander stehende, weisse Häuser, denen man ansieht, dass sie alt sein müssen und unter der weissen Farbe mit Naturstein gebaut, unten breiter verstärkt, wie es an Hanglagen in bergigen Regionen oft der Fall ist. Die Farblinien der rotbraunen Dächer deuten den Verlauf von Reihen halbschalenförmiger Dachziegel an. Es gibt nur wenige, kleine Fenster in den südlich-weissen Mauern. Im Vordergrund führt ein Weg zwischen strauchigem, graugrünem Bewuchs zu den Häusern hinauf, denen einen Mann in blauem Hend und dunkler Hose zustrebt; sein Schatten fällt etwa gleich gross wie er selbst rechts neben ihm auf den hellbraunen Weg, ähnlich der Farbe des Himmels über den Häusern. Die Signatur in der Ecke unten links ist eingeprägt: „X. Caba“.

Caba ist nur der halbe Nachname des Künstlers, denn in Spanien setzt sich der Nachname eines Kindes oder Mannes immer aus dem Vater- und Mutternamen zusammen, und so heisst der Künstler mit vollem Namen Xavier Caba i Company. Mit i und nicht y für „und“, weil er aus Catalunya stammt, zu deutsch: aus Katalonien im spanischen Nordosten, mit der inzwischen anerkannten eigenen Sprache, dem Català.
Caba wurde am 27. Juli 1928 in Castellar del Vallès geboren, einer Stadt in der Provinz Barcelona, nahe bei Sabadell. Er malte schon als Kind gern, ergriff aber zunächst einen kaufmännischen Beruf, den er einige Jahre ausübte und nur nebenbei malte, bevor er sich gänzlich der Kunst zuwandte. Die 60er Jahre verbrachte er beruflich als Illustrator in Paris und fing an, sich mit Fotografie zu befassen. Als er nach 8 Jahren in sein katalonische Heimat zurückkehrte, widmete er sich zunächst der Malerei, aber entdeckte Anfang der 70er Jahre seine Liebe zur Keramik und beschäftigte sich nur noch mit ihr und der Malerei. Xavier Caba starb am 16. Juli 1996 in Castellar del Vallès.

1983 Spanien Prov. Jaén, Umgebung v. Úbeda bzw. Torreperogil in den CerrosWeil ich weiss, dass auch meine Mutter damals durch dieselbe Hügellandschaft der Cerros nahe der Stadt Úbeda in der andalusischen Provinz Jaén gefahren ist, wo sich auf hellbrauner Erde endlose Olivenhaine über den Hügeln ausbreiten, habe ich ein altes Foto von 1983 hervorgekramt, das zum Thema des Keramikbildes und seinen hellbraunen und bei der Vegetation ins Graublau spielenden Farbtönen gut passt, ganz gleich, wo der Künstler sein eigenes Motiv gefunden hat. Sogar ein Fussgänger lässt sich darauf entdecken, so dass es vorstellbar ist, wie er um die Windungen des Weges weitergeht, sich den Häusern nähert, und sogar ein blaues Hemd trägt. Nur der Sonnenstand stimmte nicht.

Meine Mutter hängte ihr Geburtstaggeschenk in der Küche auf, nicht etwa aus Geringschätzung, sondern um es von ihrem Platz am Esstisch und beim Verlassen des Raumes oft anzusehen. War ich zu Besuch, hatte ich ebenfalls meinen alten Platz neben ihr inne und das Bild im Blick. Nach ihrem Tod ist das strukturreiche Keramikbild zu mir zurückgekommen, erinnert mich auf vervielfachte Weise an Reisen und Menschen, und Erinnerungen sind wohl die intensivsten „Zimmerreisen“ über die Grenzen von Räumen und der Gegenwart hinweg, die es gibt.

2021-01-23 LüchowSss Gruppenbild mit Bunzlauer Kannen + Kännchen (7)

B wie Bunzlauer – meine 4. Zimmerreise 01/2021

Allgemein, Blogosphäre | blogosphere, Zimmerreisen, Zuhause | Home

Die Idee für meine 4. Zimmerreise kam mir schon, als ich das Art déco-Schnapsglas als Gegenstand für Zimmerreise Nr. 3 wählte:  zugleich winkte mir nämlich das kleine braun auf hellem Grund „geschwämmelte“ Milchkännchen mit den blau-weiss gewürfelten Bordüren:  B wie Bunzlauer!

Den Milchgiesser und ein kinderspielzeugkleines Deckelkännchen, beide aus der Vitrine vom Wohnzimmerschrank, habe ich mit zwei weiteren Stücken im typischen Braun zum Gruppenfoto zusammengestellt, denn die braun- und cremefarben gemusterten Kaffee- und Teekannen haben ihren Platz in der Küche.

2021-01-23 LüchowSss Gruppenbild mit Bunzlauer Kannen + Kännchen (7)

Bunzlauer Keramik nennt man keramische Erzeugnisse aus der niederschlesischen Stadt Bunzlau, heute polnisch Bolesławiec, und ihrer Umgebung. Früher standen Bunzlauer Kaffeekannen und ihnen ähnliche, wie man weiter unten noch sehen wird, auf den Herden der Grosseltern- und Urgrosselterngenerationen. 
Auch meine Oma besass eine Alltags-„Bunzelkanne“, konisch geformt mit Spritzdekor für 2-3 Tassen. Über die Küche kam die kleine Kanne nicht heraus, im Wohnzimmer kam nur Porzellan auf den Tisch. Später ging mir die kleine, innen von der Hitze craquelierte Kaffeekanne mit der heimeligen Ausstrahlung bei einem Umzug verloren.
Inzwischen habe ich auf Flohmärkten gleich mehrfach Ersatz gefunden, z.B. auch das oben erwähnte, vom Alter unscheinbar gewordene, über hundert Jahre alte Milchkännchen vom nächsten Bilderpaar:

2021-01-23 LüchowSss Bunzlauer Milchkännchen, geschwämmelt + geriffelter Boden (1x2)

„Geschwämmelt“ nennt sich die Technik, mit der Muster durch speziell zurechtgeschnittene Schwämme aufgetupft werden, wie bei meinem kleinen Kännchen im typischen, rötlichen Braun auf den cremefarbenen Grund. Unterbrochen wird das braune Muster von zwei umlaufenden Bändern aus abwechselnd weissen und blauen Vierecken, offensichtlich von Hand aufgebracht. Der leicht schiefe, alte Sahnegiesser besteht aus hell-ockergelblichem Steingut, wie am Boden sichtbar und an den Rändern, wo der Zahn der Zeit die Glasur abgeknabbert hat. Im Ringel-Relief unter dem Boden wurde die arabische Ziffer 2 eingeprägt, eine Grössenbezeichnung, wahrscheinlich.
Das nächste Foto-Doppel zeigt das kleine Deckelkännchen, das ebenfalls einen Platz in der Wohnzimmer-Vitrine innehat, denn es ist nicht nur ungewöhnlich klein, sondern auch auf besondere Weise zu mir gekommen:

2021-01-23 LüchowSss kl. Bunzlauer Kännchen m. Spritzdekor + Wabenboden (1x2)

Bei dem kleinen, aufrecht-ovalen Kännchen weisen die Spitzen wie ein zweifaches V nach unten. Nur selten nehme ich es heraus, weil ca. 1/3 l Kräutertee unter dem Deckel schön ziehen kann, bevor ich ihn trinke. Die Buchstaben auf der Unterseite lassen sich kaum entziffern. Es mag sich oben um BU handeln, rechts daneben bleibt es ungewiss. Der Boden sieht aus, als könnte man es wie die Grossen als „feuerfest“ auch auf dem Herd warmhalten, aber bei der geringen Grösse wird es wahrscheinlicher zu einem Kinder- / Spielzeugservice gehört haben. 
Vor fast sechs Jahren habe ich das Kännchen bei einem Waldspaziergang neben einem Sammelsurium von Müll und weiterem Hausrat > im Wald gefunden, das war ein ganz spezielles Gefühl und macht es mir wertvoll.

2021-01-27 LüchowSss gr. Bunzlauer Kaffeekanne (mit Spritz-u. Blumendekor Rose) +gestempelter Unterseite (1x2)

Die verspielter geformte, bauchige Kaffeekanne (oben) hat mit ca. 2,5 l ein Fassungsvermögen für eine Grossfamilie und kommt deshalb nur selten zum Einsatz. Das Spritzdekor mit durch Wegritzen der Farbschichten nachbearbeitem Rosenmuster sprach mich an, die musste ich haben. Auf dem glasierten Boden gibt es eine aufgestempelte Marke der Feinsteinzeugfabrik Julius Paul & Sohn in Bunzlau. Die Firma existierte zwischen 1893-1945, die Bodenmarke entspricht den Jahren zwischen 1920 und ’45, das Dekor den 30er und 40er Jahren, als man bei den Spritzdekoren in Deutschland von den rein geometrischen Formen des Art déco abrückte. Neben der Stempelmarke gibt es die eingeprägte Nummer 200/5; im Web sah ich eine kleinere Kanne im selben Dekor mit 200/4.
Aus gutem Grund kommt die Teekanne zuletzt an die Reihe, die ich als erste meiner jetzigen „Bunzlauer“ auf dem Flohmarkt in Neusiedl am See kaufte. Das Spritzdekor ähnelt der verlorenen Kaffeekanne meiner Oma.

2021-01-27 LüchowSss WAKU Teekanne m- Spritzdekor 'Bunzlauer' -Stil + Unterseite (1x2)

Anders als bei dem „Kinderkännchen“ weisen hier braun schattierten Spitzen wie beim grossen A nach oben. Mit etwa 1,5 l Fassungsvermögen verwende ich die Kanne oft für Tee. Laut der im Wabenboden eingeprägten Buchstaben und Zahlen heisst der Hersteller WAKU, und ist die Kanne „feuerfest“. Das grosse P in der Mitte bleibt mir rätselhaft, die Ziffer 102 meint womöglich schon die Filtergrösse. Das aufgeteilte Wort „FOR EIGN“ (englisch foreign = fremd) weist auf Export hin, und fremd ist die doch so bunzlauer-ähnliche Kanne in dieser Reihe ohnehin, denn sie kommt aus dem „Kannenbäckerland“ im Westerwald! Dort entwickelte sich um 1930 die Firma WAKU aus der alteingesessenen Kannen- bzw. Krugbäckerei der Familie Fohr, die in dem Handwerk schon seit dem 18. Jh. tätig war und um 1900 grosse Mengen von vielfältigen Produkten für den Export herstellte. Na, sowas!

Bunzlauer Keramik war wegen der guten Hitzeeigenschaften und der sogar preisgekrönten, bleifreien Glasur, die es als „Gesundheitsgeschirr“ bekannt machten, sowie die markante Spritzdekor-Gestaltung so erfolgreich, dass sie von vielen heute noch bekannten Firmen nachgemacht wurden. Die echten Bunzlauer Betriebe hatten damals grosse Mühe mit der plagiierenden Konkurrenz, die sich nicht scheuten, ihre Produkte auch als „Bunzlauer“ zu verkaufen. So ist es gleich weniger erstaunlich, weshalb es so viele ähnliche braun- und cremefarben dekorierte Kaffee-, Tee- und Milchkannen gab und immer noch gibt, die als „Bunzlauer“ angesehen und angeboten werden. Es ist vergleichbar mit der grossen Beliebtheit vom „Indischblau“, dem „Zwiebelmuster“ und all den vielen kobaltblau- auf weiss bemalten Variationen beim Porzellan, ich hätte da zum Beispiel die „Strohblume“ aus Thüringen … aber das wäre schon wieder Stoff für eine spätere Zimmerreise in die persönliche Familengeschichte ebenso wie in die des entsprechenden Porzellans.

Mehr über Bunzlauer Keramik kann man als Appetizer bei > Bunzlauer Keramik | Wikipedia lesen, hat man es aber erstmal im Bewusstsein, wie oft es einem schon begegnet ist, lässt sich einiges mehr an Zeit damit verbringen.

Ein Bild vom Baum

Allgemein, Blogosphäre | blogosphere, Zuhause | Home

Auch wenn ich in der Vorweihnachtszeit nicht in die Stimmung einsteige, und bei uns der Christbaumschmuck erst am Vormittag von Heiligabend aufgehängt wird, gehört am 1. Weihnachtsfeiertag auch hier das obligatorische Weihnachtsbild vom Baum dazu, mit Grüssen an alle, die heute ins Blogiversum sehen:

2020-12-24 LüchowSss Weihnachten (1e)

Frohe Weihnachten!

Es war ein schöner Tag und Abend gestern, dank Vernunft, Homeoffice und Masterarbeit mit unseren erwachsenen Kindern möglich. Statt eines grossen gemeinsamen „bunten Tellers“ hing der Süsskram in verschiedenfarbigen, kleinen Papiertüten am stilisierten Metallbaum, den wir schon seit mehreren Jahren einer Tanne vorziehen.

Vom Bücherherum- und Wegräumen

Allgemein, Zitate | Quotations, Zuhause | Home

„Ein sicheres Zeichen von einem guten Buch ist, wenn es einem immer besser gefällt, je älter man wird.“ – dieses Zitat von Georg Christoph Lichtenberg (1742-’99) passt perfekt auf meine Tätigkeit der letzten beiden Tage.

Bücher Veröffentlicht am 2013/11/25 von puzzleblume

Ein grosses, nach dem Auszug des jüngeren Sohnes weitgehend leeres Zimmer lockte in den vergangenen Tagen mit ebenso leeren Regalen zur Umgestaltung. Das war mir gestern und heute ein willkommener Anlass zum Umräumen und Sichten der Mehrfachreihen von Büchern.

Es gibt nichts Besseres als Distanz, um festzustellen, ob man noch zueinander passt, ganz wie im Lichtenberg-Zitat oben beschrieben. Inzwischen kann ich mich aus tiefster Überzeugung von vielen Büchern trennen, z.B. von Serien historischer Romane, die in den 90er Jahren zwischen meiner Mutter und mir hin- und hergingen. Der grösste Teil davon reizt mich überhaupt nicht mehr, die werden mir nie mehr gefallen.

Andere Bücher sind ins nun Sohnbesuchs-(o.a.)-Zimmer hinübergewandert, damit dort wieder Lektüre zur Verfügung steht. Die Schrankfächer im Wohnzimmer wurden von alten Nachschlagewerken und Wörterbüchern befreit, ein paar nichtssagende Zeitvertreibs-Bildbände mit erstaunlich schlechten Fotos obendrauf und die Kisten in die Garage. Von dort kommen sie nach und nach zum öffentlichen Bücherschrank. Endlich ist meine Fensterbank bücherfrei!

Notiz: Nest leer.

Allgemein, Bildphantasien | imaginations, Zuhause | Home

Der Anhänger mit den letzten Kisten und Kasten ist heute vom Hof gerollt, das zweite Kinderzimmer hat nun auch seinen flügge gewordenen, jungerwachsenen Bewohner verloren, das Nest ist gewöhnungsbedürftig leer.

Nein, das ist keine Zeichnung, nur ein mit ‚Topaz Studio 2‘ bearbeitetes Foto