Zu den Zimmerreisen 06/2021 mit L + M : Musik-Geräte und -Vorräte

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Dies ist meine 2. Zimmerreise zur > Einladung zu den Zimmerreisen 06/2021 mit L und M.

2021-05-28 Einladung f. Zimmerreisen 06-2021 L+M

Musikgeräte und -Vorräte

– so habe ich sie überschrieben, denn ich habe in Sachen Musik früher tatsächlich intensive Vorratshaltung betrieben und wegen breit gefächerten Interessen vieles Verschiedene zusammengetragen. Dass zähle ich nicht alles auf, aber es sind doch einige Jahrzehnte mit verschiedenen Abspielgeräten und Tonträgern zusammengekommen.

Schallplatten und Radios

Schallplatten sind das erste Musik-Medium, an das ich mich aus der frühen Kindheit erinnere. Meine Eltern hatten im Wohnzimmer ein kleines Radio und einen Plattenspieler, der zehn 7″-Platten wechseln konnte. Daneben stand ein Plattenalbum mit Tanzmusik, zu der meine Eltern abends tanzten, wenn wir Kinder im Bett waren; für uns gab es darin einige Märchenplatten und welche mit Kinderliedern. Anders als auf den Fotos aus dem Familienalbum sass ich meist allein dort, denn mein grosser Bruder durfte schon mit den Nachbarskindern im Hof spielen, während ich mit eineinviertel Jahren auf dem Sessel deponiert wurde, wenn meine Mutter im Haushalt beschäftigt war.

1960-06-15 Böddenstedt Märchenplatten-Hören (1x2)

Als ich fünf oder sechs Jahre alt war, gab es im Wohnzimmer ein neues, grosses Radio, das nur mein Vater anfassen durfte, aber das alte Radio in der Essdiele durfte ich nun selbst bedienen und ausser den Märchenplatten und Kinderliedern auch die alten Platten der Eltern auflegen.
Mit zwölf Jahren bekam ich von einem Patenonkel ein kleines Transistorradio und hörte damit heimlich unter der Bettdecke Radio Luxemburg, wenn das Licht aus zu sein hatte.
Das erste alte Radio mit einem noch älteren Plattenspieler dabei bekam ich mit 13 Jahren von einer Tante im Tausch für ein neues Bügeleisen, das ich für ein von der Oma spendiertes Los der Fernsehlotterie gewonnen hatte. Die erste Langspielplatte dazu kaufte ich 1972 vom Taschengeld in einem kleinen Radio- und Fernsehgeschäft, sie war von Esther Ofarim.

2021-06-21 LüchowSss zuhause Langspielplatten Veröffentlicht 2021/06/21 in 'Zum Projekt ABC mit L: Langspielplatten'

Meine Schallplatten sind nicht mehr im besten Zustand und stehen nicht mehr so gut geordnet wie früher da, als ich noch darauf achtete, dass Stevie Wonder und Genesis nicht neben der Ersten Allgemeine Verunsicherung standen und Hermann van Veen woanders als eine Sammlung alter Ufa- Filmschlager, oder die Klassik-LPs nicht neben Neil Young. Die letzte gekaufte LP war Liam O’Flynn’s „The Brendan Voyage“ in den 80er Jahren, als Worldmusic ein grosses Thema war. Ein Umzugskarton voll LPs steht noch in der Garage.
Es gibt schon lange keine Anlage mehr im Wohnzimmer, die Zeit der Riesen-Boxen und Einzelgeräte ist vorbei, aber vor rund 15 Jahren habe ich einen Plattenspieler gekauft, der auch alte 78er Schellackplatten abspielen kann, weil mir Verwandte ein altes Plattenalbum meiner Grosseltern mitbrachten. Die „Filetstücke“, an die meine Mutter sich erinnerte, fehlen zwar, aber manchmal habe ich Lust, eines der altes Knister-Schätzchen aufzulegen.

Kassetten und CDs

Als Teenager reichte mir noch ein 12er-Kassettenkoffer für meine selbstaufgenommenen 60- und 90-Minuten-Kassetten, zum Schluss füllten sie mehrere Schubladen und eine Unterbettkiste. Im Jugendzimmer sass ich mit dem Finger an der Aufnahmetaste vor dem Radio und versuchte, Musikstücke mitzuschneiden, ohne dass der Sprecher hineinquatschte, oder übertrug von Schulfreunden geliehene LPs vom Plattenspieler über das Radio auf den Kassettenrecorder.
In späteren Jahren, als es noch keine Doppel-Kassettendecks gab, machte ich Tondbandmitschnitte von ausgesuchten Radiosendungen und davon fertigte ich dann endgültige und sortierte Reinschnitte, mit selbstgestalteten Titelblättern … damals hatte ich eine langjährig fernsehfreie Phase.
Ich hatte sogar mal einen „Walkman“ für Kassetten, bin aber einfach kein Kopfhörer-Typ.
Mit meinem Mann gab es wieder einen TV im Haushalt und für die Kinder habe ich Mix-Kassetten aufgenommen mit Ausgedachtem, Vorgelesenem, nur-Ton-Versionen von aufgenommenen Kindersendungen und Liedern, die sie beim Spielen hörten und die Glotze vergassen. – Um das Foto von einer der Kassettenkisten zu zeigen, war ich in der Garage, wo sie lagern – wofür auch immer. Momentan habe ich kein Abspielgerät dafür.

Autofahren ohne eine Auswahl an Musik ist mir immernoch undenkbar. Früher waren es Kassetten, dann CDs und jetzt werden über das Handy Spotify-Playlists abgespielt, weil mir willkürliches Radiogedudel mit Sprecherunterbrechungen, Werbung und Verkehrsnachrichten auf die Nerven gehen.
Allerdings ist es mir ansonsten längst nicht mehr so wichtig ist wie früher, ab dem Aufstehen möglichts all mein Tun und Lassen mit einem zur Stimmung ausgewählten Soundtrack zu begleiten. Zuhause mache ich mir Stimmung mit CDs und digitalen Playlists bei Aktivitäten auf dem Heimtrainer oder bei anfallsweise intensiverem Aufräumen und grösseren Putzaktionen inklusive Fensterputzen. Dabei kommen auch noch häufig die CDs zum Einsatz. Zur Illustration habe ich die Teilansicht einer Schublade voller gekaufter und selbstgebrannter CDs geknippst, die sind von all diesen inzwischen als altmodisch geltenden Tonträgern noch am häufigsten in Verwendung.
Wie bei den LPs ist es nicht mehr ganz so super-duper-geordnet wie früher, sondern nur noch in den Teilbereichen; die vorne einsortierte Torfrock-CD wird tatsächlich häufiger abgespielt als die NewAge-Klänge aus den 90ern, die ganz nach hinten gewandert sind. So, jetzt bin ich ganz fix und foxi vom Schreiben. Vor dem Fenster krakeelen die Spatzen, das reicht mir jetzt.

Gelbe und BraunroteTaglilien

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Die Gelben Taglilien sind zum Junibeginn aufgeblüht, wie seit 50 Jahren in diesem Garten. Sie kamen per Schubkarre 1970 aus einem Bauerngarten in der Nachbarschaft in den  Garten meiner Eltern. Ich habe sie noch einmal in einem Mörteleimer über die Baustellenzeit 2009 gerettet, sie später geteilt und an verschiedene Stellen im neuangelegten Garten ausgepflanzt.

Sie sind kein starker Insektenmagnet, haben aber immer wieder Gäste: 1. eine Gebänderte Furchenbiene Halictus tumulorum, 2. eine männliche Veränderliche Krabbenspinne Misumena vatia, 3. war, glaube ich, eine Sandbiene, ihr Pelz ist aber schon sehr abgeschubbert.
Die Hitze bekommt den Gelben Taglilien schlecht: ihre früher mehr als den halben Sommer dauernden Blütezeit haben sie in weniger als zwei Wochen beendet, sind schnell verwelkt und vertrocknet.

Ausgerupfte Jungpflanzen der Gelbroten bzw. Braunroten od. Bahnwärter-Taglilien Hemerocallis fulva fand ich im Frühjahr 2015 in der Feldmark und pflanzte sie in den Garten; Mitte Juni 2015 haben sie erstmals geblüht und seitdem immer, wenn die Gelben fast fertig sind. Gestern öffnete sich die erste Blüte ’21, nachdem die Grundblätter der Pflanzen schon seit Beginn der Sommerhitze gelblich werden. Nach dem heissen und trockenen Sommer 2019 versetzte ich sie nach der Blüte von der heissen Südseite des Hauses in eine Wieseninsel, so dass der Boden vor dem Austrocknen geschützt ist. Das tut ihnen wohler und ausserdem stehen ihnen die hohen Gräser gut.

Die Fotos sind der Gelben Taglilien sind zwischen dem 8. und 13. Juni 2021, die von den Braunroten Taglilien am 20. und 21. Juni 2021 aufgenommen, alle im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen. Bitte die kleinen Bilder zum Vergrössern anklicken.

2021-05-25 LüchowSss Katzen f. Zimmerreise

3. Zimmerreise 05/2021: K wie Katzen

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2021-04-10 Einladung f. Zimmerreise 05-2021 J+KZur > 5. Runde der Zimmerreisen mit den Buchstaben-Vorgaben J und K habe ich noch ein weiteres Mal den Buchstaben K für meine  3. Zimmerreise ausgesucht, und zwar heisst es diesmal „K wie Katzen“.

Auch wenn Bongo in Haus und Garten als einziges tierisches Familienmitglied lebt und wir uns als Hunde-Haushalt definieren würden, bedeutet das noch lange nicht, dass es bei uns keine Katzen im Haus gibt!
Auch als unbelebte Gegenstände beherrschen Katzen die ganz besondere, kätzische Fähigkeit, sich ihre Plätze auszusuchen und Räume zu erobern, und wie im richtigen Leben werden es womöglich immer mehr. Sie sind sogar zu fünft!

Auch wenn diese gegenständlichen Katzen sonst in verschiedenen Räumen residieren, sind sie auf den folgenden Bildern gemeinsam zu sehen, und in der Aufzählung darunter werden sie beschrieben:

Zunächst die vier Katzen von Bild 1, dann das einzelne von Bild 2:

  1. Bei Katze Nr. 1 handelt es sich um eine aus dem Stein geschnittene Figur am Rande einer Seifen- oder Ablageschale für kleine Dinge aus rosa marmoriertem und gesprenkeltem Stein: sie ist die älteste der fünf Katzen. In den 80er Jahren habe ich sie in München gekauft, bin nicht mehr sicher, wo genau, meine aber, es sei im Hilfe-durch-Handel-Laden in der Damenstiftstrasse gewesen.
  2.  
  3. Die mit Gelb, Blau, Türkis und Rot bemalte Holz-Katze Nr. 2 mit dem steil aufgerichteten Schwanz kam vor etwa zwanzig Jahren in Neusiedl am See zu mir. Über den Schwanz kann man seine von den Fingern gestreifte Ringe stecken, z.B. damit sie Händewaschen nicht versehentlich vom Abfluss verschluckt werden. Dafür darf sie auch immer einige tragen, die ich gerade nicht angesteckt habe.
  4.  
  5. Rechts davon sitzen die steinernen Katzengeschwister, beide etwa sieben Zentimeter hoch: Nr. 3 (links) besteht aus dem gelbbraun schimmernden Halbedelstein, den man als „Tigerauge“ kennt und Nr. 4 (rechts)wurde aus grün- und rotem Unakit gearbeitet, auch Epidot genannt. Sie gehören meinen bereits ausgezogenen Söhnen und sitzen sonst jeweils in deren Zimmern.
  6.  
  7. Katze Nr. 5 ist klein und grau, auf dem etwa achzig bis hundert Jahre alte Ölbild mit einer Küchenszene sitzt das Kätzchen, mit dem Rücken zum Betrachter gewandt, im Vordergrund der Szene in genau der niedlichen Haltung, in der ich, falls ich einmal Katzen zeichne, es selbst besonders gern so habe.

2021-05-24 Zimmerreise Küchenszene J. Förstl - kleine Katze AusschnittAuf dem Bild sieht man ein plauderndes Pärchen: einen Mann mit federgeschmücktem Hut, in Janker, Lederhosen, grüngemusterten Stutzen und mit einem leichten Rucksack auf den Rücken, der wie ein Besucher auf dem gemauerten, kalten Herd sitzt und während der Unterhaltung Pfeife raucht, während die junge Frau in einer Art Dirndlgewand dort offenbar daheim ist. Sie hat sich beim Heimkommen ihres flachen Hütchens, des blaugrünen Umschlagtuchs und der Pantoffeln entledigt und sie auf bzw. neben einem Schemel abgelegt. Dann und hat sie sich zur Beschäftigung eine Schale Gemüse oder Obst und ein kleines Messer zur Hand genommen, mit denen sie sich an die Wand gelehnt zum Gespräch mit dem Besucher niedergesetzt.
Das kleine graue Kätzchen leistet auf dem Bild dem sehr sittsam anbandelnden Pärchen Gesellschaft, als an deren Tun und Lassen nicht sehr interessiert wirkender Anstandswauwaumiau.

Im norddeutschen Wendland wirkt das alpenländische Thema ein bisschen fremd, mit den beiden Tracht tragenden Figuren in einer bäuerlichen Küche und einem Fenster, hinter dem Berge und ein blauer Gebirgssee angedeutet scheinen, aber bei dem in roter Schrift mit „Förstl J.“ signierten Bild handelt es sich wieder einmal um einen meiner Flohmarkfunde aus Österreich, die ich beim Umzug mitgebracht habe.
Mir hat die idyllische kleine Szene mit dem Heimatmuseums-Charme gefallen, auch wenn es eher eine Laienmalerei sein dürfte. Förstl J., oder wie man es hier herum umgekehrt mit dem Vornamenskürzel zurerst als „J. Förstl“ schreiben würde, lässt sich nicht als Künstler finden – macht aber nichts: das 40 x 50 cm kleine Bild hat seinen Platz im Flur, und jedes Mal, wenn ich aus meiner Zimmertür trete, stehe ich direkt davor.

Oft liegt Bongo auf dem Läufer unterhalb davon – er hat keine Probleme mit diesen Katzen, aber dass die anderen nicht durch die Haustür kommen, ist ihm auf alle Fälle lieber, die Erfahrung hat er schon gemacht, als wir einige Tage eine > Besuchskatze hatten. Selbst deren nur dezent neugieriges Verhalten im selben Raum hat ihn so genervt und nach Rückzugsmöglichkeiten suchen lassen, dass wir ihm die Gesellschaft einer richtigen Katze auf seine alten Tage nicht zumuten werden. Und „seinen“ Garten teilt Bongo sowieso mit keiner.

2021-05-14 LüchowSss Garten Keramikvogel -1x6

2. Zimmerreise 05/2021: K wie Keramikvögel

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2021-04-10 Einladung f. Zimmerreise 05-2021 J+KZur > 5. Runde der Zimmerreisen mit den Buchstaben-Vorgaben J und K habe ich diesmal den Buchstaben K für meine  2. Zimmerreise ausgesucht, und zwar K wie Keramikvögel.
Zwar ich schon einmal bei den Zimmerreisen 02/2021 beim E über meine kleine Entensammlung im Wohnzimmerschrank geschrieben habe > hier, aber dabei handelte es sich nur um die kleine, bevorzugte Sammlung von Enten aus Glas, Porzellan und Keramik, die einen Platz im Haus beanspruchen können.
Es gibt aber im Garten noch weitere Vögel aus Porzellan, glasierter und unglasierter Keramik, die dort draussen eine Aufgabe als „Stangensitzer“ erfüllen.
Als Stangensitzer eignen sie sich, weil sie ein kleines Loch auf der Unterseite haben, in das ein Ende von den üblichen Bambuspflanzstäben oder anderen Stäben hineinpassen, die ich im Garten zum Festbinden von Pflanzen verwende. Manchmal verkriechen sich auch Ohrwürmer, Spinnen oder Marienkäfer darin. Die meisten dieser Keramikvögel habe ich gezielt für den Garten auf Flohmärkten der Umgebung zusammengekauft, meistens aus einer Ramschkiste.

2021-05-14 LüchowSss Garten Keramikvogel -1x6

Erste Reihe der Bildtafel:
  • Die hellgelbglasierte kleine Ente mit orangefarbenem Schnabel, als erstes in der oberen Reihe der Bildtafel, ist als einziges schon seit mehreren Jahrzehnten mir, sie begleitete Anfang der 80er Jahre zu Ostern eine Pralinenschachtel, die ich geschenkt bekam, dann sass sie jahrelang in einem Setzkasten, und nun sitzt sie draussen an der frischen Luft und sorgt dafür, dass ich oder sonstwer den Stab nicht übersieht, doch dazu weiter unten.
  • Bei dem weissen Porzellan-Hühnchen handelt es sich um einen verwaisten Salzstreuer, dem nicht nur das schwarze Pfefferhuhn abhanden gekommen, sondern auch der Stöpselverschluss unter dem Bauch.
  • Den seltsamen graugrünen Vogel, der mich an einen Marabu oder einen Schuhschnabel erinnert, hat sich mal eines der Kinder ausgesucht, weil er so schön in der Hand lag. Ich habe nie herausgefunden, für welchen Zweck er gedacht war, denn weil die Füsse seltsam geformt sind, kann er nicht von selbst stehen, sondern fällt um, aber zum Aufstecken ist es ideal, und ich mag die geschwungenen Formen und die gesprenkelte Glasur.
  • Zweite Reihe der Bildtafel:
  • Das fast lebensgrosse Huhn, als erstes Bild von links in der zweiten Reihe der Bildtafel zu sehen, ist der einzige der Vögel, der am Boden sitzt. Aus rotem Ton gebrannt wie ein Blumentopf fiel es mir vor ein paar Jahren auf einem Flohmarkttisch ins Auge. Es wechselt häufig seinen Platz, um es den Gartenameisen nicht zu gemütlich zu machen, die sich im Schutz seines Standfusses ansiedeln. Gemein, ich weiss.
  • Der blasse Vogel rechts daneben sass früher einmal am Rande einer Vogeltränke, bis sein Haltefüsschen abbrach, weil jemand rückwärts gehend in die Tränke hineingetreten ist – Schwund. Aber der Vogel ist noch brauchbar.
  • Der letzte Vogel ist etwa so gross wie eine Amsel. Wegen seines blauen Kopfes habe ihn heute schon in einem anderen Beitrag > hier gezeigt und kam dadurch überhaupt erst auf die Idee zu diesem Thema. Auch er kam auf Kinderwunsch vom Flohmarkt mit nachhause, damals noch das alte „Oma-und-Opa-Haus“, in dem wir einige Jahre die Sommerferien verbrachten, bevor wir vollständig nach Lüchow zogen und es durch das neue Haus ersetzten. Dort stand er neben anderen Tierchen der Kinder auf der Fensterbank in der Küche und ist deshalb von all den Vögeln trotz seiner zweifelhaften Schönheit der mit den meisten anhängenden Emotionen.
  • Und wozu?

    Wie oben angedeutet, gibt es praktische Gründe für meine Keramikvogel-Stangensitzer, die auch von einigen kleinen Blumenvasen ergänzt werden, die ich umgekehrt auf den Stäben platziert habe:
    1. bekamen wir vor einigen Jahren Besuch von jemandem mit einem einseitig blinden, aber temperamentvollen Hund, bei dem die Gefahr bestand, im Eifer des Spiels irgendwo hineinzurennen, und so markierte ich zuerst die beonders gefährlichen, niedrigen Stäbe.
    2. Nach der Abreise fand ich die Massnahme aber insgesamt sinnvoll, denn damals rannte Bongo noch eifrig zum Zaun, wenn jemand Interessantes vorbeikam, und preschte dabei gnadenlos über alles hinweg. Das hat so manchen jungen Baum oder Strauch entscheidende Zweige gekostet. Mit der farbigen oder hellen Keramik markiert, nahm er sie jedoch wahr und machte einen Bogen.
    3. entdeckte ich, wie praktisch es ist, sich auf diese Weise für neugepflanzte Stauden und Gehölze eine Gedächtnisstütze zu schaffen, denn die brauchen in den heissen und trockenen Monaten Extra-Wasser, während die eingewachsenen Pflanzen weniger reichlich versorgt werden müssen. Mit so eine Keramik auf dem Stützstab „winkt“ so ein magerer Neuling beim Gartenrundgang und wird nicht übersehen.

    2021-04-03 LüchowSss portug. Fliesen-Tablett v. Lüchower Flohmarkt im Garten (1)

    Zimmerreise 03/2021: F wie Fliesen

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    Auch bei meiner 5. > Zimmerreise 03/2021 klebe ich noch am F wie eine Fliege am Honigtopf: es gibt so viele schöne Fs, aber nicht alle sind praktisch: bei F wie Flohmarkt würde es total ausufern, weil die Mehrheit der in meinen Zimmerreisen bisher beschriebenen Gegenstände von Flohmärkten kommt
    Aber als ich vorgestern für das Fotoprojekt ABC vom Wortman einen Beitrag schrieb > Projekt ABC: F wie Fliesen, auf dem PUZZLE❀-Blog zu lesen, mit vielen Fotos von „Azulejos“, die ich an Hausfassaden in den Altstädten von Lissabon (2016) und Madrid (2017) fotografierte, da dachte ich: das passt auch als Stichwort für eine Zimmerreise: F wie Fliesen.

    Im Reisebeitrag „nebenan“ spielte das Fliesentablett eine Nebenrolle, aber gefunden habe ich es auf einem sommerlichen Flohmarkt im Lüchower Schützenpark. Dort handeln fast nur private und Hobby-Verkäufer mit unspektakulärem Hausrat, Trödel voller Erinnerungen an frühere Generationen, aber ohne „Nennwert“, wie Brakelmann und Adsche aus Büttenwarder gesagt hätten. Das Tablett lag in einem Karton mit defekten Dingen, die verramscht oder am Ende des Flohmarkts weggeworfen werden sollten. Der Holzrahmen und Untergrund des Tabletts waren nämlich lose, wackelig und verzogen, der Mörtel bröckelte unter den die vier mit Blumenbuketts bemalten Fliesen heraus, mit dem sie auf den Holzuntergrund geklebt wurden.

    2021-04-03 LüchowSss portug. Fliesen-Tablett v. Lüchower Flohmarkt im Garten (1)

    Blumen-Fliese, zuerst mit Bunstiften auf Papier gezeichnet, anschliessend fotografiert und mit PhotoScape ‚aquarellisiert‘, Übung Nr. 21In der Altstadt von Lissabon kam ich an so vielen gefliesten Hauswänden mit Fehlstellen und Beschädigungen vorbei, dass ich spontan darin ein dubioses Portugal-Souvenirs vermutete, wie sie u.a. auch auf dem berühmtesten Flohmarkt Lissabons, der Feira da Ladra (= Diebesmarkt) arglosen Touristen angeboten werden. Mehr über das Problem „Fliesenschwund“ findet man auf der Webseite > www.sosazulejo.com
    Das Fliesentablett hat seinen alltäglichen Platz im Bad, und 2019 ich habe eine der Fliesen sogar einmal als Zeichenübung abgezeichnet > Blumen auf Fliesen – Übung Nr. 21. Dabei wurde mir so richtig bewusst, wie schwer es bei solchen handbemalten Fliesen sein muss, das Dekor hundertfach oder gar tausendfach immer wieder so ähnlich wie möglich hinzubekommen, dabei sieht es kaum nach Schablonen-Arbeit aus.

    2021-04-03 LüchowSss Garten frz. Fliesenbild m. Kirschen (1)

    Die Herkunft meines zweiten Fliesenbildes ist über jeden Zweifel erhaben, dem hängt nichts Zwielichtes an, es war nagelneu, als ich es kaufte. Die auf zwei Fliesen in Holzrahmen gefasste Darstellung von Aprikosen und Kirschen neben einer typischen französischen, henkellosen „Bol“ genannten Schale, aus der man in Frankreich gerne den morgendlichen Café au Lait, den Milchkaffee trinkt, besitze ich schon viel länger als das oben beschriebene Fliesen-Tablett. Mitte der 80er Jahre habe ich es auf einer Urlaubsreise in Frankreich gekauft, ganz unromantisch in einem sogenannten Hypermarché, einem grossen Supermarkt. Damals bestanden über eine ganze Reihe von Jahren alle meine Frühsommer-Urlaubsreisen aus gemächlichen Rundtouren durch Frankreich und Spanien.
    Urlaub 1983-06 Dachzelt b. Torreperogil / Jaén (Spanien)Die Kontraste zwischen einsamem Camping im Dachzelt (kleines Foto) und Einkaufen in kleinen Dorflädchen im Hinterland und den so ganz anderen Supermärkten in grossen Zentren gefiel mir.
    Die andersartigen Sortimenten zu erkunden, Einheimisches auszuprobieren und nützliche Kleinigkeiten mit nachhause zu nehmen, gehört auch heute noch zu jeder noch so kurzen Reise dazu.
    Mitte Juni, auf der jeweiligen Rückreise, waren immer die ersten französischen Süsskirschen reif.
    Aber das Fliesenbild erinnert mich mit seinen Früchten nicht nur an einen bestimmten Ort, sondern an wiederholte Stimmungen auf diesen Reisen.
    Zum Schlafen auf das Autodach kraxeln würde ich jetzt nicht mehr wollen, aber das Bild findet seit damals immer wieder einen Platz in der jeweiligen Küche und hat seine Wirkung auf mich nicht eingebüsst. Damals hatte ich auch zwei „Bols“ gekauft, die der abgebildeten mit ihrer Blumenbordüre in zarten Farben sogar etwas ähnelten, aber die haben die seither vergangene Zeit und die dazwischenliegenden Umzüge nicht überstanden.

    F wie Frösche (Zimmerreise 03/2021)

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    Für meine vierte > Zimmerreise 03/2021 habe ich mir vorgenommen, von meinen Fröschen zu erzählen, zumal ich schon nach dem Artikel > Zimmerreise 02/2021: D wie Daumenklavier in den Kommentaren darunter versprochen hatte, mehr über den hölzernen Klangfrosch zu schreiben, der neben dem Daumenklavier auf dem Foto zu sehen war.

    Das holzgeschnitzte, einfache Musikinstrument in der Form eines sitzenden Frosches (Bild 2) ist thailändischen, bzw. ostasiatischen Ursprungs, und wenn man mit einem Holzstab über den gezahnten Rückenkamm schrapt, erinnert der Klang an das Quaken eines Frosches. Durch den innenliegenden Hohlraum klingt er recht laut und kann auch als Schlaginstrument dienen. Beliebt ist der Klangfrosch als Kinderspielzeug, und als solches habe ich es auch mal vor etwa zwanzig Jahren für meine Kinder gekauft. Wobei ich mit meinem Hingezogensein zu haptisch angenehmen Holzgegenständen dabei nicht ausschliesslich an das Vergnügen meiner Kinder dachte: In früheren Jahren hatte ich solche Frösche schon in geselliger, spontan musizierender Erwachsenenrunde kennengelernt.

    Manchmal erinnere ich mich nicht mehr genau daran, wann und wie die Frösche zu mir kamen. Bei dem Klangfrosch ist es einfach, denn den kaufte ich in einem kleinen Kunstgewerbe- und Geschenkeartikelladen in Bad Bevensen, als ich mit den Kindern einige Sommertage dort in einem Hotel verbrachte, um meine Mutter im Herz- und Gefäßzentrum besuchen zu können, und, wie sich später herausstellte, das letzte Mal zu sehen. Den Balance-Akt, es den Kindern zwischen den Besuchen in der Klinik trotzdem ferienähnlich schön zu machen, mit ihnen im Kurpark und im Laubwald spazieren zu gehen und zu spielen, wo immer es ging, vergesse ich wohl kaum.

    Weniger schwermütig verhält es sich mit den nächsten beiden Frosch-Kandidaten: Den Frosch-Anhänger (Bild 3) an einer dünnen, schwarzen Lederschnur, aus irgendeinem dunkelroten, schimmernden Halbedelstein geschnitten, rotem Hämatit vielleicht, habe ich von einem Stand, der mit Mineralien und Schmuckgegenständen gehandelt hat. Das mag vor vielen Jahren auf dem Tollwood-Festival in München gewesen sein, oder etwas später auf einer Mineralienmesse in Neusiedl am See, oder vielleicht auch auf dem Kouter, einem Markt in Gent: ich habe es schlicht vergessen, und das ist kein Wunder, denn solche Frösche sind Massenware. Meiner Sympathie tut das keinen Abbruch, denn ich liebe seine Farbe und er ist ein absoluter Hand- bzw. Daumenschmeichler.

    Der dritte Frosch (Bild 4) aus brauner, grüngesprenkelter Keramik ist um ein Vielfaches grösser, ein Gartendeko-Stück. Er bewohnt schon den zweiten Garten, denn ihn habe ich beim Umzug aus Neusiedl am See mitgebracht, wo ich ihn Anfang der 2000er Jahre in einem kleinen Haushaltswarenladen an der Unteren Hauptstrasse in der Nähe vom Hauptplatz entdeckte. Das Geschäft gibt es schon lange nicht mehr, doch bleiben mir solche kleinen Läden viel mehr im Gedächtnis als grosse Supermärkte und Kaufhäuser.
    Ausnahmen davon sind die grossen Geschäfte und Märkte auf Urlaubsreisen, in denen ich gern Stunden damit verbringe, mir in den Reihen und Gefriertruhen die Sortimente anzugucken und Dinge in den Einkaufswagen zu legen, die ich nicht von zuhause kenne. Dabei bin ich nach heutigen Kriterien keine grosse Reisende, höchstens eine gründliche. Auf meine Weise bin ich über Europa nie hinausgekommen.

    Darum ist auch meine „Pachamama“ (Bild 5), eine etwa 13 cm hohe, schwarze Keramik-Figur im präkolumbianische Stil, mit herausgeschnittenen und eingeritzen und eingedrückten Motiven, kein selbst mitgebrachtes Souvenir, sondern kommt ganz unspektakulär vom Stadtfest-Flohmarkt in Lüchow. Mich hatte das Thema Lateinamerika mit seiner Musik und Kultur zwar früher, vor allem in den 70er Jahren, sehr interessiert, aber hingekommen bin ich nie.
    Die Darstellung einer Mutter mit Kind auf dem Rücken hat drei Symboltiere an sich: ein Frosch oder vielleicht auch eine Kröte, eine Schildkröte und eine Schlange, und geht auf die Vorstellungen der indigenen Andenvölkern als Prinzip für das universale kosmische Gefüge zurück, eine „Mutter Erde“-Figur, bei > Wikipedia kann man mehr darüber erfahren.
    Die Völker dieser Welt haben seit der Frühzeit mythologisch keinen grossen Unterschied zwischen Fröschen und Kröten gemacht, sie gelten traditionell beide als Symbole für Glück, Geduld, Fruchtbarkeit, Warten und Wandel, Fortbestand des Lebens, Wiedergeburt und Auferstehung.

    Deshalb erwähne ich nun doch noch meine dänische Kröte aus Granit (Bild 6), die im Garten sitzt und Flechten ansetzt. Die habe ich im Sommer 2008 von einer Dänemark-Reise aus Skive am Limfjord mitgebracht. Der Steinmetz hatte sein Atelier und und die Werkstatt gleich neben dem Friedhof in der Søndergade, und einige sehr schöne kleine und richtig grosse Tierskulpturen zum Verkauf, im Schaufenster mit weissen Pappkärtchen versehen: hier stand neben dem Preis nicht Kröte tudse, sondern frø (=Frosch) – dass ich darin eine Kröte sehe ist demnach nur mein persönliches Besserwisser-Ding. Die Arbeiten des Steinmetz entdeckten wir auf dem Weg zum Einkaufen in einem nahen Supermarkt, wo auch die dänischen Süssigkeiten im Zeichen der Frösche standen, und die mussten probiert werden.

    Auf der Suche nach der genauen Lage der Steinmetz-Werkstatt im Fotoarchiv auf dem PC fand ich auch diese beiden Fotos von minzkremgefüllten Schokoladenfröschen (Bild 7) und türkisblauen Bonbonfröschen (Bild 8), und die jetzt wegzulassen, nur weil ich sie nun nicht mehr habe, bringe ich nicht fertig! Die Mehrzahl der süssen Frösche haben wir selbstverständlich schon direkt im Ferienhaus bei Hostrup am Limfjord aufgegessen, d.h. ich die Schokominzefrösche zum Kaffee, die blauen Bonbos waren für die Kinder, aber Anisgeschmack war nicht so beliebt bei ihnen.
    Von den Dropsfröschen kam vergangenen Herbst beim Auszug des jüngsten, aber inzwischen erwachsenen Sohnes beim Aussortieren und Ausräumen sogar noch einer zum Vorschein! Zwischen Glasmurmeln und Flummis hatte er in einem grossen Sammelglas verschiedene Umzüge überdauert, und wäre ich nicht auf den Gedanken gekommen, Murmeln und Flummis einmal gründlich durchzuspülen und auseinanderzusortieren, wäre er nie aufgeflogen. So aber wurde er nass, klebrig und endete im hohen Alter von 12 Jahren im Mülleimer.

    2021-03-20 'schräges' Interieur-Bild v. J.W. f. Zimmerreise 'Gardinen'

    F wie Fenster oder G wie Gardinen (Zimmerreise 03/2021)

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    2021-03-11 Zimmerreise 03-2021 F+G | Veröffentlicht 2021/02/12 in 'Einladung zu den Zimmerreisen 03/2021'Für meine dritte > Zimmerreise 03/2021 fiel es mir angangs schwer, mich zwischen F wie Fenster und G wie Gardinen zu entscheiden. Beides hängt zwar normalerweise auch zusammen – Super-Wortspiel ✨🎉🤡 – andererseits auch nicht immer, denn an keinem einzigen Fenster unseres Hauses hängt eine Gardine, weder als halbdurchsichtige Stores mit Übergardinen, noch als dekorativ gerafftes Mittel zum Kaschieren der Fensterrahmen oder als textile Umrahmung des Ausblicks.
    In schleichendem Prozess wurden es über die Jahre immer weniger Vorhänge in den von mir bewohnten Wohnungen und Häusern, vor einem Jahrzehnt kam er zum Abschluss.

    2021-03-20 'schräges' Interieur-Bild v. J.W. f. Zimmerreise 'Gardinen'Seitdem findet sich nur noch eine einzige Gardine im Haus, und zwar plüschig-rot und goldbestickt, unter einer fransenbesetzten Schabracke und von goldfarbenen Raffhaltern rechts und links einer Topfpalme seitlich gehalten, als Detail auf einem eigenwilligen Ölbild; der betreffende Ausschnitt davon ist hierneben zu sehen.

    Das Bild entdeckte und kaufte ich auf einem Flohmarkt in Bad Bodenteich, im Nachbarlandkreis Uelzen.
    Es steckt, konsequet zum Motiv passend, in einem geradezu bombastischen Goldrahmen und stellt das Interieur eines theatralisch vollgestellten Salons vergangener Zeiten dar, oder, wie ich es empfinde, eine Theaterkulisse davon.
    Dabei stehen die Perspektiven der abgebildeten Gegenstände so unharmonisch gegeneinander, dass es optional bleibt, ob „J.W.“ es nicht besser konnte oder so beabsichtigt hatte.
    Wegen der Heiterkeit, die mir die scheinbar herumtanzenden Möbel bescheren, musste ich das Ölgemälde unbedingt haben.
    Es ist tatsächlich noch zweimal so breit, aber so voll mit Gegenständen, dass mein Hauptmotiv, das Fenster mit Gardine, davon wieder in den Hintergrund gedrängt worden wäre, und dabei soll es doch hier mein Ausgangsgegenstand sein!

    Das Bild stellt auch dar, was ich mit Gardinen, Vorhängen und Portieren verbinde: etwas Schweres, Spiessiges und fast immer auch Staubiges, und dabei mit einer gewissen Verehrung behandelt, die ich nicht einsehen mochte.
    Der Kult um die weissen Tüllgardinen, wie sie Mutter, Grossmutter und überhaupt alle Frauen zelebrierten, die ich kannte, das Faltenstecken und das nutzlos Akkurate waren mir schon als Teenager zuwider, den schon vom Ansehen empfundenen Muff der schweren, dunklen Übergardinen fand ich erdrückend.
    Dabei beinhalten meine Kindheitserinnerungen an Gardinen auch fröhliche Muster und leichte Baumwollstoffe mit Kringeln, Streifen oder Blumen, die ich wirklich mochte. Das Bedrückende und die sorgsam behütete Üppigkeit kam erst später, vermutlich als Wohlstandsphänomen.

    Auch die besondere Beachtung, die ältere Frauen immer auf die Gardinen verwendeten, um andere Frauen und deren Haushalt zu taxieren, ist mir unvergesslich, und die unverschämten Fragen, mit denen ich einst ins Verhör genommen wurde, weshalb wir noch Monate nach dem Einzug keine Gardinen aufgehängt hätten. Die Antwort, dass sonst die üppigen Zimmerpflanzen keinen Platz hätten, wegen denen ja auch keiner hineinsehen könnte, stiess auf wenig Verständnis, dafür wurde mir einmal mehr die Information mitgegeben, dass es immer „in 3facher Breite“ des Fensters sein müsse, falls wir uns das denn noch überlegen wollten.
    In späteren Jahren wurde ich von gelegentlichen, sogar gleichaltrigen Besucherinnen gefragt, ob jemand bei uns Allergiker sei, weil wir so gar keine Vorhänge hätten, und Topfpflanzen aber auch nicht. Ich verweise dann immer darauf, dass wir unsere Fenstertüren tatsächlich gerne öffnen und dass es im Garten grün genug sei. Aber was so richtige Gardinensteckerinnen sind, die glauben das nicht. Die denken, man mache es sich bloss leicht. Aber ja!

    Fische von Friebe (Zimmerreise 03/2021)

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    2021-03-11 Zimmerreise 03-2021 F+G | Veröffentlicht 2021/02/12 in 'Einladung zu den Zimmerreisen 03/2021'„Fische“ lautet das nächste Wort mit dem Anfangsbuchstaben F für meine zweite > Zimmerreise 03/2021. Es steht für zwei Bilder mit Fischmotiven, die mich seit vier Jahrzehnten von Bad zu Bad meiner jeweiligen Wohnung begleiten, und dort an der Wand hängen. Mit diesen Fischen ist noch ein weiteres F-Wort untrennbar verbunden: „Friebe“.
    Häh? – ja, Friebe: Während unter der linken Ecke der Druckgrafik die mit Bleistift geschriebene Abkürzung „Orig. Rad.“ sie als Original-Radierung ausweist, steht dies als Namenssignatur unter der rechten Ecke des schmalen Hochformats in den hellen Holzrahmen im Stil der 50er oder 60er Jahre.

    Die beiden colorierten Radierungen von tropischen Fischen, die aussehen wie in einer Art Aquariums-Atmosphäre betrachtet, kaufte ich Anfang Mai 1980 an einem der vielen Stände des Antiquitätenmarktes mit alten Büchern und Druckgrafiken in der sogenannten Raritätengasse auf der Auer Dult in München.
    Die Auer Dult ist ein traditioneller Markt, der mehrmals im Jahr auf dem Mariahilfplatz stattfindet, im Münchner Stadtviertel Au, östlich bzw. rechts der Isar. Über eineinhalb Wochen hinweg werden dort Geschirr und Kochutensilien, aber auch Naturheilmittel, Antiquitäten und Trödel verkauft; angeschlossen ist dem ein Jahrmarkts- bzw. Volksfestvergnügen mit Karussells, Bierzelten und Fress-Standln.

     

    Weil Rahmen und Papier der Bilder schon starke Spuren von langen, unbeachteten Jahren im Keller aufwiesen, sprach nichts dagegen, die für kleines Geld erstandenen Bilder im Bad aufzuhängen, und so schenkte ich sie meinem damaligen, tauchbegeisterten Partner zum Geburtstag. Als wir uns trennten, bekam ich sie zurück, und seitdem begleiteten mich die Fische bei jedem Umzug ins nächste und wieder nächste Badezimmer, auch in das gegenwärtige. Nur zum Fotografieren für diese Zimmerreise habe ich sie an einen anderen Platz gebracht, weil sie sonst gegenlichtig hängen, rechts und links vom Fenster, und so sehen sie besser aus.

    Lange Zeit war mir gleichgültig, über den Künstler namens Friebe nichts zu wissen. Doch seit man im Web vieles bequem und einfach recherchieren kann, suchte ich mit den Stichworten „Original-Radierung + Friebe“ und fand zahlreiche Bilder in ähnlichem Stil, Format und Rahmen auf ebay und anderen Webseiten zum Verkauf angeboten, die genau wie meine mit demselben Kürzel und Namen signiert waren: Hunderte Bilder von Blumen und blühenden Zweigen, von Wildpflanzen mit und ohne Schmetterlingen oder Vögeln, die ich auf Verkaufsplattformen ansah: „Friebe“ war fleissig, aber als Künstlerpersönlichkeit nirgends erwähnt.

    Dagegen war es leicht, die abgebildeten Fische zu bestimmen: auf dem erste Bild sieht man zwei Kaiserfische, auf dem zweiten einen Picasso-Drückerfisch und einen Blauen bzw. Rotzahn-Drückerfisch. Fotos von weiteren Friebe-Fischbildern fand ich nicht, lediglich eine Notiz auf der Webseite eines Berliner Auktionshauses: „FRIEBE (20. Jh.): Tropische Fische. Farbradierung. Bleistift sign. 25Χ8 cm. R.“, zusammen mit zwei weiteren Artikeln als eine Position aufgeführt – und das war auch schon alles.

    Vermutlich wird sich nicht aufklären, wer diese Person namens Friebe war, die in den 60er Jahren viele deutsche Wohnzimmer mit Radierungen von Pflanzen und Tieren versorgt hat, aber dennoch damit nicht als Künstler*in bekannt wurde, sonder anonym blieb wie diejenigen, die Illustrationen für Schulbücher und naturkundliche Nachschlagewerke anfertigten. Nur dass hier jemand zusätzlich zu Können und Geduld beim handwerklichen Anfertigen der Platten für das Tiefdruckverfahren ausserdem noch bewundernswerte Ausdauer an den Tag legte, seine vielen Druckgrafiken zu signieren, immer mit „Orig. Rad.“ links und „Friebe“ rechts.