F wie Fliegenpilze (Zimmerreisen 03/2021)

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2021-03-11 Zimmerreise 03-2021 F+GZu den aktuellen > Zimmerreisen 03/2021 mit den Buchstaben F + G entdeckte ich mein heutiges, erstes „F“-Wort in einem Regal im Flur, wo es zwischen der Küche und dem Wohn- und Esszimmer von allen, die sich im Haus bewegen, besonders häufig passiert wird, was sinnvoller Weise Einfluss auf den Inhalt hat.
So befindet sich in den Schubladen alles, was jemand zum Verpacken, Basteln, Zeichnen oder Schreiben benötigen könnte.
Hinter den Holztüren darunter verbergen sich verschiedene Sachbücher, auf den Borden obendrüber steht, hinter Glas, der grösste Teil der Kochbuch-Sammlung. Auf dem freien Platz davor steht verschiedener Schnickschnack.

Wo sich Salzstreuerfiguren, alte Holzdöschen und anderes Kleingedöns mit sentimentalen Erinnerungen tummeln, habe ich auch mein F gefunden: F wie Fliegenpilze.

2021-03-13 LüchowSss zuhause Keramik-Fliegenpilze + Kochbücher

Die als giftig geltenden Fliegenpilze ausgerechnet vor Kochbüchern zu positionieren, mag seltsam wirken, aber bis ins 19. Jh. hinein war in vielen Gegenden bekannt, dass Fliegenpilze Amanita muscaria durch Entfernen der Huthaut und das Auskochen und Verwerfen des Kochwassers vor der eigentlichen Zubereitung entgiftet werden können. Beispiele für den unter solchen akribisch beachteten Vorsichtsmassnahmen vorgenommenen kulinarischen Verzehr sind aus der Umgebung von Hamburg, aus den Alpen und aus Japan überliefert, nur sind die Menschen seitdem nicht schlauer geworden, und Vergiftungen von diesbezüglich Unkundigen häufiger. Weil Fliegenpilze auch als alte medizinische Heilmittel überliefert sind, gelten sie vermutlich auch als Glückssymbole, z.B. auf Grusskarten zu Geburtstagen, Silvester, Neujahr und sogar als Christbaumschmuck. Pappmachée-Fliegenpilze auf Drähten gehörten in meiner Kindheit zu Adventskränzen und Weihnachtsbäumen dazu.

2008-08-11 LüchowSss Weihnachtskugeln + Zapfen + Glocke + FliegenpilzAuf dem zweiten, kleinen Foto ist eine Schachtel mit Überbleibseln vom alten Christbaumschmuck meiner Eltern zu sehen, wie ich ihn 2008 vom Dachboden geholt habe. Diese wenigen Dinge und einige, die nicht mit abgebildet sind, stammen aus den 50er und ganz frühen 60er Jahren. Die pastellfarbenen Kugeln waren fünfzig Jahre später alle zerkratzt, und die wenigen, übriggebliebenen Pappmachée-Fliegenpilze waren grösstenteils zerwutzelt und die rote, weissgepunktete Lackoberfläche von den Hüten abgeplatzt, so dass nur zwei oder drei der alten Pilze noch gut genug erhalten waren, um sie aufzubewahren. Solange meine Eltern lebten, hatten sie die kleinen Pilze stets dem Weihnachtsbaum aufgesteckt.

2010-12-24 LüchowSss Weihnachtsschachteln FliegenpilzeAuch ich hätte an meinen eigenen Baum für meinen Mann und die Kinder auch gern solche gehabt, aber meine Suche in der Vorinternet-Ära blieb immer ergebnislos. Aber als wir Ende der 90er Jahre ins österreichische Burgenland zogen, wurden die heissgeliebten und vermissten Kindheitserinnerungen endlich wieder Gegenwart. Ganz selbstverständlich gab es diese Fliegenpilze auf Draht als weihnachtlichen Baumschmuck überall zu kaufen (Bild 3), wie überhaupt auch das Behängen mit Süssigkeiten dort noch nicht so verpönt und in Vergessenheit geraten war wie in Deutschland. Mit Kindern fand ich dazu zurück, statt bunter Teller kleine Schirmchen, bestreute Kringel und Windgebäck in den Baum zu hängen.

Ich weiss, es geht zur Zeit eher auf Ostern zu, und das Weihnachtsthema scheint gerade fehl am Platze, aber da ich nun mal über meine fünf kleinen Keramik-Fliegenpilze im Regal (Bild 1) schreiben will und somit auch ihre „Kollegen“ im Weihnachtsdeko-Karton erwähnen muss und meine sentimentale Liebe zu diesen kleinen Dingen, fahre ich damit auch noch fort, denn ich habe noch gar nichts über die Herkunft der kleinen, handgearbeiteten Keramik-Fliegenpilze erzählt!

2021-03-13 LüchowSss Keramik-Fliegenpilze + Kochbücher (4)

Die stammen vom kunsthandwerklichen Markt im Rahmen des Halbturner Schlossadvents, einem der hübschesten kleinen Weihnachtsmärkte, die ich kenne, alljährlich veranstaltet im > Schloss Halbturn am Neusiedler See im Burgenland, Österreich, nur wenige Kilometer entfernt von der Grenze zu Ungarn. Um nicht wieder weihnachtliche Bilder zu bemühen, zeige ich zwei Bilder von der barocken Schlossanlage, die ich im Januar 2007 am hellen Tage aufgenommen habe: zuerst eine Ansicht der nordöstlichen Fassade des Hauptgebäudes (Bild 5), dann ein Blick in die Gegenrichtung, durch ein kleines Tor im Hof auf ein Nebengebäude mit einem Scheunentor im Giebel (Bild 6):

 

Hinter besagtem Scheunentor waren damals immer die Ausstellungen der Kunsthandwerker und Künstler untergebracht. Ob das heute noch so ist, vermag ich allerdings nicht zu sagen, und ebensowenig erinnere ich mich an den Namen der Werkstatt, in der meine Fliegenpilze gestaltet wurden – das wäre jetzt irgendwie nett gewesen. Jedenfalls habe ich mich geradezu absurd gefreut, sie zu entdecken und nun auch endlich den adventlichen Tischschmuck mit Fliegenpilzen dekorieren zu können, wie es mich als Kind immer so entzückt hat. Seltsam, dass man sich etwas extra-deutlich merkt, obwohl daneben ganz andere Dinge ebenso hübsch gewesen sein müssen – zumindest ist das bei mir so. Als gäbe es eine Art Aufmerksamkeits-Zoom mit Gedächtnisfotos, die bei den Zimmerreisen aufgewirbelt werden wie Assoziations-Flitter in einer Art Erinnerungs-Schneekugel …

Jetzt wird es aber wirklich Zeit, von dem Thema Weihnachtsdeko und Schnee wieder loszukommen. Die Sonne scheint, und ich hoffe, ich kann gleich draussen ein bisschen Frühling fotogtafieren! Die kleinen Bilder im Beitrag kann man anklicken, um zum ursprünglichen Beitrag zu gelangen, oder um sie sofort grösser anzusehen, wie beim Schloss.