Sonntagmorgens, mit Maxima nach Lüchow

Mittlerweile lebt Maxima ein Jahr bei uns, am 14. Juli jährte sich der Tag. Im Vergleich zum vorigen Jahr um diese Zeit haben wir schon viel gewonnen, nicht zuletzt wegen der vielen gelaufenen Kilometer mit mehr positiven als negativen Erfahrungen. Dies ist der 14. Bildbericht von Maximas und meinen morgendlichen Übungs-Spaziergängen nach Lüchow, über bekannte und für Maxima noch unbekannte Wege. Morgens um 6 Uhr 40 war selbst auf der Bundesstrasse noch nicht viel Verkehr, das hat Maxima ganz gut gepasst.

Wir gehen dieselbe Strecke aber auch oft an Wochentagen bzw. zu späteren Tageszeiten, um sie an mehr Strassenverkehr und dessen typische Geräusche zu gewöhnen. Sie tut sich damit schwer, je nach Tagesform unterschiedlich, ist aber tapfer. Ihre Körpersprache auf dem zweiten Foto ist eine der eher positiveren Varianten, weil auf der Strecke eben nur wenige Fahrzeuge auftauchten und, weil Sonntag, keine LKWs.

Am Wegrand gibt es immer wieder Stellen mit interessantem Bewuchs wie rosa blühende Grasnelken, leider ohne Foto, oder Königskerzen (Bild 3), und natürlich lassen sich auch Tiere blicken, die entlang der Bundesstrasse leben, wie auf dem dritten und vierten Foto mit einer Honigbiene und einer von zahlreichen Kartäuserschnecke zu sehen. Um die frühe Zeit waren ausserdem recht viele Feldhasen unterwegs, denen unser Auftauchen natürlich gar nicht recht war.

Auch in Lüchow war es um kurz nach 7 Uhr noch still. Bild 5 zeigt einen Blick durch die Bergstrasse, bis sie an der Einmündung der Tarmitzer Strasse in die Lange Strasse übergeht. Rechts im Bild 6 ist besagte Ecke zu sehen und die Lange Strasse, in der Maxima und ich aber diesmal nicht weitergingen: wir bogen an der Ecke nach rechts ab, in die Tarmitzer Strasse, in der gleich zwei Häuser stehen, in denen ich in meiner ziemlich frühen Kindheit mit meiner Familie wohnte, zu sehen auf Bild 7; einmal im heutzutage hässlichbraunen Haus rechts, später im weissen, weiter hinten.

Vom braunen Haus erinnere ich mich an eine grässlich steile Holztreppe zum gnadenlosen Herunterpurzeln und an eine nette Omi, bei der ich Kirschkaltschale mit Inselchen aus süssem Eischnee essen durfte. Im weissen Haus war ich schon alt genug, um allein mit den Nachbarskindern zu spielen und wegen Strassenüberquerungen unerlaubte Ausflüge zu machen. Die Kastanie auf Bild 8 gab es schon in den 60er Jahren; damals befand sich dort der Schulhof der Landwirtschaftsschule, die erst kürzlich abgerissen und durch eine Seniorenresidenz ersetzt wurde.

Schliesslich erreichten Maxi und ich den Jeetzeldeich (Bild 9), wo es Maxima besser gefiel als zwischen den Häusern. Die Jeetzel ist ein sehr träger, trotz Kanalisierung kaum fliessender Fluss, auf dem sich zwischen Schilfgras und Teichrosenblättern gerade eine grosse Menge Wasserlinsen angesammelt hat. Dem braun und grau gefiederten Teichhuhn- bzw. Teichrallen-Küken im noch recht daunigen Jugendkleid hat es dort gut gefallen (Bild 10).
Zu Übungszwecken haben wir auch das Haus mit der Tierarztpraxis besucht, einfach nur so (Bilder 11 + 12):

Ich liess Maxima viel Zeit zum Schnüffeln, wir müssen dort schliesslich bald mal wieder hin und hinein. Bis dahin will ich das noch durch einige „harmlose“ Besuche vorbereiten. Nach wie vor fürchtet sie sich unverhältnismässig vor nicht vertrauten Menschen und Umgebungen. Es gibt noch viel zu üben.
Unweit davon steht Deutschlands erstes und bisher einziges Stones Fan Museum (Bilder 13 + 15), das 2011 von einem glühenden Fan der Rolling Stones in der Dr. Lindemann-Strasse eröffnet wurde, dem Lüchower „Ulli“ Schröder:

Link zur Museums-Webseite > hier. Das Art Rock Café von Bild 14 ist ebenfalls Stones-dekoriert. – Auf Bild 15 sieht man eine Bronzeplastik: Brian Jones von der griechischen Künstlerin Sissy Piana steht seit Anfang Juli ’22 neben dem Museumseingang. Maxima war die Figur nicht geheuer, aber sie misstraut auch nach wie vor noch den bronzenen Leinenweberinnen neben dem Brunnen auf dem Lüchower Marktplatz, siehe Bild 17. Vorher ist ein Stück Weg dorthin zu sehen, die Lange Strasse kurz vor Erreichen des Marktes (Bild 16).

Das war dann aber auch genug Stress für Maxi, die nicht recht wusste, ob sie die Figuren oder den laut rauschenden Brunnen auf dem Marktplatz blöder fand, darum bogen wir in die Burgstrasse ein, durch die man zum Amtsturm gelangt; weil er unverändert aussieht, habe ich als Bild 18 das vom Mai noch einmal verwendet. Der weissrotgestreift gerahmte Verkehrspiegel von Bild 19, der Maxima und mich so schön verzerrt in grossen Wellen wiedergegeben hat, steht ganz gegenüber einer uneinsehbaren Kurve unmittelbar in der Nähe davon.

Von dort war es nicht weit zum Jeetzeldeich, nur ein Stückchen noch, dann hatte Maxi das Gröbste überstanden und wir liessen die Häuser und nach wie vor kaum befahrenen und begangenen Strassen hinter uns. Zwar sahen wir aus einiger Entfernung erste Hundebesitzer, aber entlang der Jeetzel waren wir immernoch allein, und Maxima entspannte sich sehr schnell, wie man an ihrem schon lang und fast gerade gestreckten Schwanz erkennen kann. (Bilder 20 + 21).

Das heisst, ganz allein waren wir auch wieder nicht, denn auf einer Weide mit viel trocken-vergilbtem Gras ruhte eine kleine Herde weisser und schwarzer Schafe. Der Anblick wirkte durch die bleiche Farbe der Gräser sehr südeuropäisch und „urlaubig“ auf mich (Bild 22). Maxima interessiert sich nicht sonderlich für Schafe oder überhaupt grosse Haustiere, auch Kühe und Pferde betrachtet sie weder furchtsam noch aufgeregt.

Am Schluss fotografierte ich noch die Früchte des Apfelbaums (Bild 23), den ich zuletzt Anfang Mai > mit rosaroten Blüten und rötlichen Blättern zeigte. Insgesamt sind wir 7,5 km gegangen. Etwa um 8 Uhr 30 waren wir wieder zuhause. Diese Fotos sind vom Morgen des 17. Juli 2022, aufgenommen in und bei Lüchow, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen. Bitte die kleinen Bilder zum Vergrössern anklicken.

21 Gedanken zu “Sonntagmorgens, mit Maxima nach Lüchow

  1. Sie sieht aber schon gut entspannt aus. Schön das sie so einen verständnisvollen Menschen an ihrer Seite hat.

    Amy ist jetzt auch fast ein Jahr bei uns. Sie ist sehr selbstbewusst und war ja schon 5 Jahre bei meiner Mutter. Manchmal, wenn man eine „falsche“ Bewegung macht, ist sie sehr ängstlich und man fragt sich, was sie alles schlimmes erlebt hat.

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    • Ich hatte vor vielen Jahren schon einmal einen schreckhafte Hündin aus einem deutschen Tierheim, mit schätzungsweise eineinhalb Jahren bekommen. Bis sie vierzehn war, hat sie viel Positives mit uns erlebt, war auch „stadtfest“. Geräusche oder sich nähernde Personen waren nicht das Problem, wie bei Maxi, aber plötzliche Ereignisse seitens fremder Menschen in ihre Richtung haben sie immer wieder mal zusammenfahren und beiseite wuseln lassen. Manches wird man wohl nicht los.
      Die Schreckhaftigkeit nur zu mildern, aber nicht völlig wegtrainieren zu können ist auch bei Maxima meine realistische Erwartung.

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      • Amy hatte eigentlich Angst vor Motorrädern. Sie hat sich dann immer richtig weggebellt. Das geht mittlerweile. Der Mann fährt auch Motorrad. Da regt sie sich mittlerweile gar nicht mehr auf. Aber eben bestimmte Bewegungen. Wenn sie Futter bekommt über den Kopf streichen z.B. da wird sie ganz klein und ängstlich.

        Die Hündin die wir mit dem Hof zusammen gekauft hatten (der Vorbesitzer wollte sie einschläfern lassen) konnte keine schwarzen Gummistiefel ab. Der Landwirt hat sie immer damit getreten.

        Man kann halt nur erahnen was sie durchgemacht haben…

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        • Ja, manches kann man erahnen und bestimmte gutgemeinte Handlungen haben für sie manchmal ungeahntes Schreckenspotential. Anfangs fürchtete sie sich vor meinem Mann und konnte nicht fressen, wenn er im selben Raum war. Das hat sich grundlegend geändert, und mittlerweile hat sie ihn vom bedrohlichen grossen Typen zum Fan und Futterspender umetikettiert.
          Lange Zeit fürchtete Maxi sich über die Massen vor Kinderwägen, das habe wir schon weitgehend wegbekommen. Kinder sind aber noch ein Thema, vor allem, wenn sie laut sind. Maxi muss wohl als „Spielzeug“ gedient haben. Gut, dass bei uns das Enkelthema moch in weiter Ferne ist. Wir haben also Zeit.

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  2. Ich hatte heute morgen schon gelesen. Maxima hat sich doch gut gemacht und wie Mathilda schon schrieb, nicht jeder wird zum Stadtmensch, öh, Stadthund :-) Wenn die Schreckhaftigkeit nachläßt, wäre es natürlich super. Aber ich finde, sie hat schon viel geschafft. Ihre entspannte Haltung auf dem Rückweg ist niedlich. Schön auch dein Ortsrundgang mit Geschichte! Bei den Temperaturen fällt mir gerade auf: viele Bäume gibts im Ort wohl nicht oder sind die Straßen die Ausnahmen?

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    • Danke, Almuth. Ja, Maxi hat schon ganz gute Fortschritte gemacht.
      Das stimmt auch: im alten Stadtkern gibt es kaum Bäume, die Fachwerkhäuser sind in der Regel aneinandergebaut, und 1811 plus waren Bäume in einer sogenannten Ackerbürgerstadt, in deren Strassen nicht flanniert wurde, sondern mit Fuhrwerken gearbeitet, eher im Weg.

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      • Sowas fällt mir immer gleich auf. Klar, die Straßen sind auch eng, aber bei dem Wetter freue ich mich immer über jeden schattenspendenden Baum. Gibt ja viele Orte, wo nix wächst. Nix für mich (auf Dauer) 😉

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        • Das kann ich jetzt so nicht auf Lüchow sitzen lassen, das man kaum bezüglich Grünbedarf an der einzigen ehemaligen Hauptstrasse, die durch den Altstadtbereich führt, mit grossstädtischen Massstäben messen kann. Vielleicht schaust du mal die GoogleMaps-Karte an:

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          • Ich meinte nicht speziell Lüchow, sondern allgemein Orte mit enger, manchmal mittelalterlicher Bebauung, wo nicht viel Grün rumsteht. Ich habe mir nicht angemaßt, mit den paar Straßen über ganz Lüchow zu urteilen 🙂 Aber danke für den Hinweis. Sieht ja tatsächlich recht grün aus. Auch hier gibt es übrigens viele Ecken in der Innenstadt, wo ich mir mehr Grün vorstellen könnte.

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