Sonnabendmorgen mit Maxima

Der 13. Bildbericht von Maximas und meinen morgendlichen Übungs-Spaziergängen nach Lüchow ist vom vorigen Sonnabend. Seit es früher hell wird, wachen wir zeitiger auf und so waren wir um zwanzig vor sieben schon unterwegs. Es war kühl und windig und weder war Schwarzstorch da, noch anderen Vögel, die sonst morgens am Königshorster Kanal (1) anzutreffen sind. Vielleicht waren Maxi und ich an diesem Morgen nicht die ersten, die dort vorbeikamen.

Bereits am Ortsrand von Lüchow fand ich blühenden Echten Beinwell Symphytum officinale (2), und einige Meter weiter schnupperte Maxima mutig an einer Mauerecke mit Klatschmohn Papaver rhoeas (3), an die sie sich bisher noch nicht so recht herangewagt hatte, doch bald gab es wieder einen Grund zu erschrecken, weil sich ein Stück Papier im Wind bewegte (4). Bei näherer Betrachtung stellte es sich als ausgemaltes Kinderbild heraus (5):

Dafür zeigte sie später wider Erwarten am bereits geöffneten Supermarkt keine Furcht bei den Geräuschen, die das Herausziehen oder Hineinschieben von Einkaufswägen verursachen (6) – dabei hatte sie an einem anderen Samstagmorgen einige Wochen zuvor wegen denen schon einmal zitternd am Gehsteig gesessen. Weil es diesmal so wenig aufregend war, nahmen wir den Weg über den Busbahnhof Richtung Stadtmitte.

Das Zerrspiegel-Ding an der Ecke Amtsweg / Lange Strasse (7) beargwöhnte sie stärker, weil kurz vorher nahe vor uns unerwartet ein Mann aus einem Auto stieg. Da war ihr Stresspegel wieder oben. Nach einer kurzen Wartezeit gingen wir auf der ihr bereits bekannten Jeetzelbrücke in der Langen Strasse weiter (8 + 9), für Maximas Verhältnisse eigentlich wieder ziemlich entspannt. Es war auch nicht sonderlich viel Strassenverkehr.

Um so überraschter war ich, als wir den Marktplatz erreichten: dass am Sonnabendmorgen bis mittags um 12 Uhr dort der Markt abgehalten wurde (10), hatte ich völlig vergessen. Der Aufbau war noch im Gang und Maxima wurde von dem Hin und Her rangierender Fahrzeuge und für ihre Verhältnisse vieler Menschen immer konfuser. Um ihr Gelegenheit zur Beruhigung zu geben, setzte ich mich mit ihr auf eine Bank auf der gegenüberliegenden Strassenseite.

2022-05-21 7h26 Lüchow, Lange Strasse, Am Markt (2)

Es war eine ernüchternde Gelegenheit festzustellen, wie unzulänglich ihre Bindung noch ist, denn sich im Schutz meiner Beine zu verstecken genügte nicht, sie wollte nur weg, ob mit mir oder ohne mich. Ohne Leine wäre sie in Panik davongelaufen. Weil das nicht möglich war, setzte sie sich zitternd und mit eingezogenem Schwanz einige Schritte von mir entfernt, so weit ich ihr mit der Leine Raum gab, statt wieder zu mir zu kommen (11 + 12).

Aber es ist eben so, und da hilft nichts als Üben und sich wiederholende Erfahrungen ermöglichen, dass nichts so schlimm kommt, wie sie befürchtet. In diesem Fall war das nicht einfach, denn eine Frau mit einem Kleinwagen meinte, direkt vor der Bank sei der für sie geeignetste Parkplatz, trotz meiner Füsse und Maxima. Als sie ausstieg, fiel mir schwer, meine eigenen brodelnden Impulse zu beherrschen, um Maxima nicht noch mehr aufzuregen.

Einen Moment zwang ich mich noch zur Ruhe auf der Bank, um Maxi nicht den Eindruck zu vermitteln, dass auch ich weglaufe, aber dann verliessen wir die ungemütliche Bank und den unruhigen Marktplatz über die Burgstrasse Richtung Amtsturm (13) und durch die Kalandstrasse am Glockenturm (14) vorbei, zum Deich und, vorbei an den ersten blühenden Heckenrosen bzw. Hundsrosen Rosa canina (15), auf den Heimweg.

Sobald Maxima sich wieder auf vertrauterem Weg befand, erholte sich ihre Stimmung schnell und ihr Stimmungsbarometer Schwanz stieg wieder in die Höhe (16). Nach ein paar Mäusesprüngen ins hohe Gras am Wegrand war sie wie ausgewechselt. – Diese Fotos sind vom Morgen des 22. Mai 2022, aufgenommen in und bei Lüchow, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen. Bitte die kleinen Bilder zum Vergrössern anklicken.

8 Gedanken zu “Sonnabendmorgen mit Maxima

  1. Ich mag diese Spaziergänge mit Maxi und deine eingehenden Beschreibungen ihres Verhaltens sehr. Innerlich vergleiche ich mit meinen Hunde-Erfahrungen, aber auch mit meiner jetzigen Katzengesellschaft. Es ist mir noch nicht gelungen, Prinkipessa so viel Vertrauen einzuflößen, dass sie in Berührungsnähe kommt. Aber statt 10 m hält sie es nun 1 m von mir entfernt aus, ohne zu fliehen. Ihre Kleinen – von den fünf sind drei übrig – sind auch sehr scheu, ihre Toleranz ist unterschiedlich. Der gelbe Theo ist ein ziemlicher Draufgänger, aber zugleich der schnellste Wegläufer, wenn ich in die Nähe komme. Fritzi ist mutig, wenn die Mama dabei ist, mit der sie gern schmust. Frieda ist die Kleinste und Scheuste und braucht sogar Abstand von den Geschwistern. Der hübsche graue Ferdinand ist leider verschwunden, und die noch namenlose Fünfte fanden wir überfahren auf der Straße.

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    • Danke, Gerda. Die 9 m Vertrauensgewinn sind unter diesen Umständen schon ein grosser Schritt. Ich hoffe für Prinkipessa und ihre verbliebenen Jungen, dass der letzte Meter auch noch überwunden wird, und so das Vorbild der Mutter auch den Kleinen helfen kann, sich anzunähern.

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