Der Wilde Dost und die Schmetterlinge

Der Wilde Dost bzw. Oregano Origanum vulgare fing mit Beginn des Juli an zu blühe, wie jedes Jahr in etwa, und mit einem Mal flogen Schmetterlinge im Garten herum, als hätten sie nur darauf gewartet, um nach einem schmetterlingsarmen Frühsommer endlich doch noch zu erscheinen.

Auf einmal waren da Tagpfauenaugen Aglais io (Bilder 1 + 2), die ich seit dem Frühling nicht mehr sah, und es waren gar nicht so wenige. Nachdem diesen Sommer die Brennnesseln in der Umgebung weder verdorrt noch so exzessiv gemäht worden waren wie im Vorjahr, haben Schmetterlingsarten, deren Raupen auf Brennnesseln fressen, gleich bessere Chancen.

Dem Komma-Dickkopffalter Hesperia comma (Bilder 3 + 4) hatte ich zwei Wochen früher bereits > hier einen Einzelbeitrag gegeben, aber um der gefühlten Vollständigkeit meiner Falterfotos vom Wilden Dost gehört er noch einmal dazu. – Von den Farbfaltern am Wilden Dost waren die häufigsten, wie ich meine, die Grosse Ochsenaugen Maniola jurtina (Bilder 5 bis 8) :

Die männliche Exemplare sehen bei dieser Art ausnahmsweise mal schlichter aus (Bilder 5 + 6 oben) als die farbigeren weiblichen (Bilder 7 + 8 unten), und während die Flügel-Unterseiten der zusammengeklappt sitzenden Männchen nur zwei dezente Pünktchen aufweisen (s.o.), weisen die der Weibchen eine Art braun-in-braunes Wellenmuster auf (s.u.).

Die Raupen ernähren sich nach ihrem Erscheinen im September von verschiedenen Süssggräsern, fressen auch im Winter an frostfreien Tagen und verpuppen sich erst am Ende des Winters.
Damit die über den Winter aktiven Raupen verschiedener Schmetterlingsarten bessere Chancen bekommen, lasse ich auch dieses Jahr wieder einen Teil meiner Wieseninseln stehen.

Braune Waldvögel Aphantopus hyperantus bzw. Schornsteinfeger (Bilder 9 + 10) flogen auch umher, nicht ganz so viele wie Grosse Ochsenaugen vielleicht, aber in nahezu ähnlicher Zahl, denke ich. Sie lassen sich allerdings schwer fotografieren, weil sie oft im tiefen Flug zwischen den Gräsern und Kräutern verschwinden. Auch die Raupen des Braunen Waldvogels gehören zu denen, die sich von Gräsern ernähren und sich zwischen ihnen verpuppen.

Dieses Bildpaar zeigt zwei verschiedene Eulenfalter-Arten: eine Gamma-Eule Autographa gamma (Bild 11) und eine Silberkommaeule, auch Schafgarben- oder Feldstaudenrasen-Silbereule genannt, Macdunnoughia confusa (Bild 12), eine wärmeliebende Art, die sich anscheinend langsam nach Norden als bodenständig ausbreitet, wo sie vorher oft nur Sommergast war. Die Raupen beider haben ein breites Nahrungsspektrum, die Silberkommaeule bevorzugt Krautigeres.

Immer wieder im Garten an verschiedenen, bevorzugt purpurfarben blühenden Pflanze wie Wildem Dost, Wasserdost und Schmetterlingsflieder gesehen habe ich auch die kleinen Faulbaum-Bläulinge Celastrina argiolus (Bilder 13 + 14, unten). Ich glaube, sie waren weder häufiger noch weniger im Garten, als in den Jahren zuvor, nur aufgeklappt traf ich sie leider nie.

Es sind hier zwei verschiedene Weisslinge zu sehen, von denen nur einer auch „Kohlweissling“ heisst: der Grünader- bzw. Rapsweissling Pieris napi (Bild 15, links) und der Kleine Kohlweissling Pieris rapae (Bild 16 rechts) sind wegen ihrer gelblichen Flügelunterseiten der Hinterflügel auf den ersten Blick nicht so leicht zu unterscheiden, Doch hat der Kleine Kohlweissling keine schwärzlich-bestäubt nachgezeichneten Adern, sondern nur einen allgemeinen Hauch Staub.

Ende Juli kamen auch Distelfalter Vanessa cardui (Bilder 17 + 18), um den Wilden Dost zu besuchen, wenn sie nicht gerade lieber am Schmetterlingsflieder herumhingen. Im Vergleich zum Distelfalter-Sommer 2019 ist die Anzahl der Distelfalter nur gering, aber bei Sonnenschein sah ich täglich ein paar im Garten an Wildem Dost und Schmetterlingsflieder.

Nicht von allen Faltern, die ich am Wilden Dost beobachten konnte, habe ich auch ein Foto erwischt, z.B. keines von einem der Zitronenfalter. Die fanden allerdings auch Heidenelken, Gelb-Skabiosen und Schmetterlingsflieder attraktiver. Mittlerweile ist der grösste Teil vom Oregano verblüht, und weil es gerade sogar ein bisschen regnet, verstecken sich die Insekten.

Die Fotos im Beitrag sind im Zeitraum zwischen dem 7. Juli und 19. August 2021 im Garten aufgenommen, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen. Bitte die kleinen Bilder zum Vergrössern anklicken – wenigstens per Maus-Rechtsklick funktioniert es auf der Webseite selbst, dann kann man auch die Bildbeschriftungen lesen oder kommentieren.

17 Gedanken zu “Der Wilde Dost und die Schmetterlinge

    • Hoffnungsvoll ist ein passendes Wort! Ich sah gestern Brennnesseln voller Tagpfaueaugenraupen, leider direkt an einem Feldweg – die müssen die Erntezeit überstehen und dann … aber sie machen auf jeden Fall auch Hoffnung darauf, dass es andere an günstigeren Plätzen gibt, die sicher durchkommen.

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