Meine 1. Zimmerreise 07/2021 mit dem Buchstaben N wie Nähkasten

2021-06-26 Einladung f. Zimmerreisen 07-2021 N+O Zur > 7. Zimmerreiserunde mit N + O  beginne ich mit dem  Buchstaben N:
N wie Nähkasten
Zwar bin ich keine begeisterte und gute Handarbeiterin, aber dennoch weiss ich einen gut bestückten Nähkasten im Haushalt sehr zu schätzen.
Falls doch einmal etwas gebraucht wird, steht meine „textile Hausapotheke“ allzeit bereit.

Auf den vier Fotos der Bildtafel ist das handarbeitliche Schatzkästlein meiner Mutter zu sehen, das ich von ihr geerbt und seitdem kaum verändert habe, obwohl es benutzt wird und auch emotional beim Darin-Herumkramen immer wieder zu Ehren kommt.
Das nussbaumfurnierte Raumwunder auf Rädern steckt auf seinen zwei Etagen im Innenraum nicht nur voller praktischer Dinge, sondern auch voller Erinnerungen, die an den über viele Jahrzehnte darin gesammelten Gegenständen hängen.

2021-07-01 LüchowSss zuhause 60er Jahre Nähkasten 1x4

Das hölzerne, krapprot lackierte Stopfei kenne ich schon mein ganzes Leben, damit durfte ich schon als Kleinkind spielen, während meine Mutter sich mit Näharbeiten beschäftigte.
Auch das alte, inzwischen brüchige gelbe Massband, aus gummibeschichtetem Leinen aus den 50er Jahren gibt es noch.
In der Knopfsammlung sind Exemplare zu finden, die noch Jahrzehnte älter sind, denn meine Mutter hat ständig Sachen umgearbeitet und wiederverwendet und wenn das nicht mehr ging, wenigstens die Knöpfe, Schnallen und Reissverschlüsse abgetrennt und für andere Gelegenheiten aufbewahrt.

Die grosse Sammlung an verschiedenen Pappröhrchen mit Nähseiden aus echter Seide und später Polyester, dicken Holzspulen mit Baumwoll-Nähgarnen, alte Zwirnsterne aus Pappe und neuere aus Plastik, Stopfgarne in allen Farben, die vielen Nadeln in jeder Stärke und für jeden Zweck, Fingerhüte und Scheren in verschiedenen Grössen, all die Naht-, Schräg-, Gummi- und Wäschebänder sowie die ganze Vielfalt der Knöpfe, vom Hemdknöpfchen bis zum grossen Mantelknopf können unserer Familie noch über weitere Jahrzehnte für alle textilen Notfälle dienen, es gibt ja fast nichts, das es nicht gibt.

Für den Fall, dass es mich reizt, Laufmaschen an Strumpfhosen einzufangen und wieder hochzuholen, gäbe es Repassiernadeln, eine sogar noch mit Anleitung im Schächtelchen.
Für Anfälle von Häkel- oder Stricklust wären verschiedene Nadelstärken vorhanden und die angefangenen Arbeiten samt Wollknäulen finden Platz in dem Stoffbeutel unterhalb des eigentlichen Holzkastens, der an einem Holzrahmen herausgezogen und wieder daruntergeschoben werden kann.

Das in Rot, Blau und Gelb mit verschiedenen Stickstichen verzierte Nadelbuch ist ein Machwerk aus meinem Grundschul-Handarbeitsunterricht in den späten Sechzigerjahren: aussen Stramin, innen weisser Molton, in den die Näh-, Steck- und Sicherheitsnadeln schön ordentlich in Reihen hineingestochen werden sollen. Die Lehrerin war furchterregend, die Note für das Nadelbuch schlecht, ich habe meine Arbeit immer wieder auftrennen müssen. Vielleicht benutze ich es auch deshalb.

Im Internet fand ich tatsächlich ein gleiches auf einer Webseite für den Verleih von Filmrequisiten – wie passend! Die im Nähkasten komprimierten Einzelstücke lösen bei mir so manchen gedanklichen Erinnerungsfilm aus, weil ich ein stark visuell arbeitendendes Gedächtnis habe. Sicherlich könnte ich ein Jahr lang Zimmerreisen von A bis Z schreiben, immer nur ausgehend vom Inhalt dieses einen Nähkastens!

In früheren Jahren stand dieser Nähkasten auf seinen Beinen mit den Rollenfüssen linker Hand vom Sofaplatz meiner Mutter, gleich unter der Leselampe im Wohnzimmer.
Da ich Rechtshänderin bin, steht er bei mir rechts, aber auch günstig zum Licht, obwohl ich mit seinem Inhalt viel weniger Zeit verbringe, als meine Mutter seinerzeit.
Vielmehr schätze ich seine sentimentale Gesellschaft und dass er bei geschlossenem Deckel ein ideales, kleines Beistellmöbel abgibt, auf dem ich meine Getränke abstellen und Lektüren ablegen kann.
Und wenn tatsächlich fallweise irgendein Textil repariert werden muss und ich das kann, dann steht es geduldig mit seinem unerschöpflichen Inhalt bereit.

20 Gedanken zu “Meine 1. Zimmerreise 07/2021 mit dem Buchstaben N wie Nähkasten

  1. Oh wie schön! Meine Oma war Schneiderin und als Kind habe ich es geliebt, in ihrer immens großen Sammlung von Knöpfen, Garnen, Nähseiden und Stoffresten zu wühlen, bei ihr gab es eine ganze Mansarde voll davon, nicht nur einen Nähkasten. Aber der Nähkasten meiner Mutter war genauso toll, und mit meinem Haus habe ich 2018 den Nähkasten der früheren Bewohnerin geerbt, der leider etwas versifft, aber mit jede Menge sinnvollen Dingen gefüllt war und ist. Mehr als Nähte flicken, kleine Beutel nähen und Knöpfe annähen kann ich zwar nicht, aber dafür alle Utensilien parat zu haben, ist Gold wert. Und das Zusatzfeature als Beistellmöbel macht Deinen Nähkasten nochmal großartiger. Meiner ist nur eine kleine Kiste mit schrägen Klappdeckelflügeln, so ein ganz klassischer Nähkasten halt.

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    • So einen Kasten mit Klappdeckeln habe ich auch noch, den habe ich in Österreich vom Trödel gekauft, als wir noch dort lebten, weil ich es schöner finde, solche Dinge in einem speziellen Holzmöbelchen aufzubewahren, statt in einer Pappschachtel oder Plastikbox. Damals lebten meine Eltern noch.
      Wo du gerade das „Versiffte“ erwähnst … dagegen ist man ja immer empfindlicher, wenn es nicht aus der Familie kommt, aber als ich heute meine Fotos machte, dachte ich auch, dass ich vielleicht einmal alles ausräumen müsste, um all die Flusen und Fadenreste, zerbröselte Gummiringe und Papierfitzelchen loszuwerden, die der Zahn der Zeit überall abgenagt hat.

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  2. Oh, das kommt mir alles sehr bekannt vor, vom meiner Mutter. Was habe ich da alles geerbt und für alle Fällr aufbewahrt! Das meiste der Schätze gibt es jetzt kaum noch. Welche Erinnerungen verbinden sich doch mit den Näharbeiten unserer Mütter. Sie halfen ja auch zum Überleben damals. Gut, wer damit der Familie, den Kindern vor allem, helfen konnte! Wieviel habe ich diesem fleißigen Einsatz zu verdanken! Gut, auch die Erinnerungen daran zu bewahren.

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  3. Eine schöne Geschichte und Nähkästen lösen offenbar bei vielen Menschen Erinnerungen aus. Das selbstgemachte Nadelsteckset gab es in den späten 70ern immer noch und genauso, wie du es beschreibst. Das habe ich als erstes wiedererkannt und mußte gleich lächeln. Ich glaube, ich habe es von meiner Großmutter wiedergeerbt. Das Auftrennen und Aufbewahren von alten Reißverschlüssen und Knöpfen war bei uns auch lange üblich. Aus den mageren Zetien war man es gewohnt, diese Dinge weiterzuverwenden. Was für eine Wertschätzung, im Gegensatz zu heute. Und was hat man alles geflickt. Geleimte Maßbänder sind auch ein Stichwort. Ich sah lange keins mehr, aber plötzlich tauchte wieder ein Bild dazu auf! Witzig. Ich finde, man bekommt heute kaum noch gutes Stopfgarn, was ja auch in jede Nähkiste gehört und was ich bei dir zu sehen glaube. Ich verwende hier noch die letzten Reste aus alten Zeiten.
    Zu allem anderen hast du ein sehr sehr schönes Nähkästchen bzw. Tischchen. Schön, daß die Erinnerung an deine Mutter so direkt neben dir weilt :-)

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    • Diese Stickmusterübungen inklusive Kanten vor dem Ausfransen zu sichern, waren so gleich sinnvoll verwendet. Das hat man wahrscheinlich schon „ewig“ so gemacht.
      Ja, du hast es mit deinen Adleraugen richtig erkannt, da ist ein Fach mit lauter wirklich altem, mattglänzendem, mehrfädigem Stopfgarn in verschiedenen Farben (runde Knäule) für Strümpfe etc., die nicht aus Wolle sind, und auf daneben steckenden Pappkärtchen ist relativ feines Woll-Stopfgarn zu sehen.
      Manchmal findet man auf dem Flohmarkt Nähkörbchen und -kästen komplett mit Inhalt – nur falls …

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  4. Wie schön, du hast noch einen Nähkasten! Einen ganz ähnlichen gab es im Haushalt meiner Oma. Er überlebte es nicht, als ihre Wohnung aufgelöst wurde. Aber als wir ihn blutenden Herzens zum Wertstoffhof brachten, wurde er von einer Mitarbeiterin gerettet. Seither steht er im Flur vor dem Büro der Deponie. :-)
    Nähzeug sind mit vielen Erinnerungen verbunden. Von den Utensilien meiner Mutter habe ich noch ein Stück Schneiderkreide. Sie hat viel genäht, als wir kleine Kinder waren, ich kann mich daran erinnern. Deshalb bleibt diese platzsparende Erinnerung auch da. :-)

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    • Es stammt aus den 60er Jahren und ist nicht so wertvoll gemacht, nur praktisch und so, dass es in einem Wohnraum nicht aussieht wie ein Werkzeugkasten. Meine Mutter gehörte auch in den 70er Jahren noch zu den Frauen, die jeden ihrer Abende, während der Fernseher lief, mit dem Nähkasten verbrachte, um nur ja alles zu schaffen, was auszubessern war. Das „Wurzelholz“ ist der ausgeprochen hässlich, aber zum Glück in dunklen Farben gemusterte Stoff der „Schublade“. Das ist eher ein Beutel an einem Holzrahmen.

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      • Trotzdem passt das Ding in so manche „Designer-Wohnung“ – die gucke ich mir immer auf Instagram an, so 60er-Jahre Möbel erleben da offenbar gerade ein Revival. —-
        Handarbeit beim Fernsehen – gut, ich bin, was Textilarbeiten angeht, eher ein Versager, aber kann, wenn es langweilig wird, auch schlecht die Hände still halten. In Zeiten, wo man statt TV noch Radio konsumiert hat, konnte man ja wirklich gut dabei die Strümpfe stopfen – hat meine Mutter auch gerne gemacht.

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        • Begeistert dabei bin ich auch nicht, würde ich mir nie als Hobby aussuchen. Aber es ist gut, wenn man ein paar einfache Sachen zustandebekommt. Meine Söhne hatten übrigens in der österreichischen Grundschule jeder drei Jahre Werken und Textiles Gestalten im halbjährlichen Wechsel, da gab es keine Geschlechtertrennung, die Mädchen hatten genauso Werken. Meine Jungs kommen gut allein zurecht und haben keine falschen Hemmungen, sich einen Knopf anzunähen oder ein japanischen Häkelpüppchen selbst zu machen, um es zu verschenken.
          Die 60er Jahtre-Einrichtungen sehe ich mir auch manchmal ganz gerne an, wundere mich nur oft über das, was tatsächlich grosses Design war, denn so etwas bekam ich nie zu Gesicht. In meinem Umfeld wurde nur normal gewohnt, nicht grossräumig repräsentiert. Es gefällt mir aber oftmals in den Formen, wenn ich auch mehr die Begeisterung für Teakholz als für Plastik teile.

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