Zimmerreisen 04/2021: H wie Hocker

2021-04-09 Zimmerreise 04-2021 H+IFür die seit dem vergangenen Freitag angelaufenen > Zimmerreisen 04/2021 habe ich mir diesmal ein Möbelstück ausgesucht:
H wie Hocker!
Hocker braucht man. Ob aus Holz oder Metall, einer Kombination von beidem, Kunststoff mit Metall, Korbgeflecht, Rattan, Textil oder Leder mit Metall- oder Holzgestell, gepolstert oder ungepolstert, für die Benutzung an den verschiedensten Plätzen in Wohnung und Garten geeignet, auf dem Balkon oder zum Mitnehmen, in privaten Haushalten wie in Räumlichkeiten verschiedenster Institutionen, in klein oder hoch, zum Sitzen, Draufsteigen und als Tischchen …

2021-04-12 LüchowSss Hocker f. Zimmerreise (2) (Filter Topaz CaveDweller I)Wer in eine Web-Suchmaschine für Bilder das Stichwort „Hocker“ eingibt, bekommt die ganze Vielfalt serviert. Manche der Abbildungen wecken Begehrlichkeiten, weil man eigentlich fast immer noch ein Plätzchen dafür hätte, andere Exemplare bescheren einem sofort verschiedenste Erinnerungen an Räumlichkeiten und Erlebnisse in der Vergangenheit. Hocker geben sich nämlich zwar oft unauffällig, sind aber überall im Spiel!

Gibt es jemanden, der keinen Hocker in seinem Haushalt hat? Nicht mal einen kleinen? Manchmal sind die Grenzen zwischen Hocker und Fussbank verwischt. Auf meinem Bild sind dafür zwei Beispiele zu sehen, die bei mir im Zimmer stehen. Beiden ist das Nadelholz gemeinsam und dass keine Metallteile daran sichtbar sind, obwohl man davon ausgehen kann, dass die Sitzfläche des Drehhockers verdeckt mit Metallschrauben befestigt ist. Das kleine, lediglich aus Holzteilen zusammengesteckte Exemplar gehört nach Ansicht vieler bestimmt zu den Fussbänken, aber wenn man „Hocker + Kinder“ sucht, wird man schnell eines Besseren belehrt.

Der durch die hölzerne Schraube variable, höhere Hocker, der gerade mit dem > Nicht-Weihnachtskaktus-Topf darauf die Aufgabe eines Tischchens erfüllt, hat sich über knapp zwei Jahrzehnte schon in verschiedenen Räumen als Ersatz-Sitzplatz nützlich gemacht. Er ist bei Bedarf zur Hand, bei Nichtbedarf unauffällig und ausserdem ein Andenken an das Haus, für das er ursprünglich angeschafft wurde, um in der Kiefernholzküche meiner Eltern zu den vorhandenen Stühlen doch noch einen Notsitz bereit zu halten. Später stand er in den Kinderzimmern, für Gelegenheiten, bei denen jemand mit am Schreibtisch sitzen wollte.

Ausserdem erinnert er mich an ein verschwundenes Lüchower Möbelhaus, wo ich ihn in der Abteilung „Kleinmöbel“ kaufte. So nennt man diese Art Möbel nämlich, und somit ist auch geklärt, ob Hocker überhaupt zu den Möbeln zählen, gerade wenn man an solche kleinen Dinger denkt, wie mein zweites Exemlar. Das brauche ich, um beispielsweise das obere Fach in meinem Kleiderschrank oder etwas in den oberen Küchenregionen zu erreichen, Tritthocker nennt man so einen auch.
Beide kann man auch als Schemel bezeichnen, und unter diesem Wort endlich findet man den > Wikipedia-Artikel voller Beispiele, die ich für den Hocker vergeblich gesucht habe. Zu meiner beträchtlichen Verwunderung scheint der Begriff Hocker gegenüber dem Schemel der schwächere zu sein. Erst Vergleiche im Web führten mir das vor Augen, dabei hätte ich vielmehr den „Schemel“ für eine Art Dialektwort gehalten, südlich vielleicht, mit Ausnahme vom Melkschemel, der hiess auch in hiesigen Kuhställen so. Irgendwie ist das typisch für diese vielseitigen Möbel: sie bleiben unauffällig irgendwo am Rande des Blickwinkels, bis man sie braucht und hervorholt – egal wofür.

33 Gedanken zu “Zimmerreisen 04/2021: H wie Hocker

        • Das meiste Mobiliar meiner Eltern stammte von dort, aber wie das wohl oft so ist, möchte man nicht unbedingt sein eigenes Leben in denen dann weiterführen, auch wenn die noch „gut“ waren. Ich habe fast nichts behalten, ausser Kleinkram. Hocker sind Überlebenskünstler. Meine Eltern hatten trotz vieler Umzüge ein Exemplar seit den 50er Jahren, der endete mit Farbe verfleckt und wackelig in der Garage und erst durch mich im Container.
          Aber solche kennst du sicher auch, mit einem braunen, grisselig gemusterten Belag obendrauf, wie ihn alte Küchenmöbel auch hatten. Keine Ahnung, welches Material das war, aber es war anscheinend unzerstörbar.

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          • 😆Ja, ich erinnere mich! Großelternmöbel……Von ihnen und meinen Eltern habe ich nur ein paar kleine Erinnerungsstücke übernommen. Einen Bücherschrank zum Beispiel, von dem ich später erfuhr, dass meine Großeltern ihn von Juden billig erstanden hatten. Am liebsten wollte ich den nicht mehr im Haus haben, aber auf der anderen Seite erfüllt er weiter seinen Zweck, erinnert mich an dunkle Familiengeheimnisse und auch an meine Oma, die ich sehr geliebt habe, und er mahnt, diese Tradition nicht fortzusetzen. Oh, ich merke, Möbel haben viel zu erzählen!

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            • Die dunklen oder zumindest zweifelhaften Flecken zu entdecken gehören auch zum Erwachsenwerden, selbst in den Lebensjahrzehnten, wo man es offiziell schon längst ist, aber die persönliche Positionierung zu Eltern, Grosseltern etc. trotzdem noch weitgehend die alte ist. Ich empfinde das als echte Arbeit, aber eine, die viele unerklärte Lücken füllt.
              Möglichst alles wegzuwerfen, was „schwierige Erinnerungen“ birgt, würde vielfach auch bedeuten, dass man aus Familienalben seitenweise Fotos von uniformtragenden Verwandten ausreissen und vernichten müsste, was vollkommen widersinnig wäre, wo es doch viel wichtiger ist, sich damit auseinander zu setzen, aus welchen Puzzlesteinchen sich die Entwicklung zusammengesetzt hat, in der man selbst dann auch auf die Bühne gekommen ist und seinerseits denkt und handelt, über dass sich später andere Gedanken machen … – ich hätte den Schrank auch behalten.

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  1. Schemel, kenne ich auch, habe ich aber ewig nicht mehr benutzt den Begriff. Wieder so ein Wort, was verloren geht. Hier wird es jedenfalls kaum benutzt. Mir fehlt ein Schemel oder eine Fußbank zum Draufsteigen. Ich muß mir doch mal einen besorgen. Eigentlich gehört das wirklich zu jedem Haushalt. Gute Idee für eine Geschichte!

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  2. Ich habe sowohl einen Hocker als auch einen Fußschemel, solche Möbel passen gut in kleine Wohnungen. :-) Mein Hocker ist allerdings nur ein einfacher Ikea-Hocker. Der Fußschemel dagegen ist ein Erbstück und er ist mit Intarsien verziert. Auf beiden stehen Zimmerpflanzen. :-)

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  3. Diesen Dreh-Hocker habe ich auch. Von Ikea, schwarz – weiß aber nicht, ob er schon immer schwarz war. Angeschafft als Klavierhocker für Töchterlein …. heute steht er irgendwo im Haus rum, aber wo noch mal?

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