F wie Frösche (Zimmerreise 03/2021)

Für meine vierte > Zimmerreise 03/2021 habe ich mir vorgenommen, von meinen Fröschen zu erzählen, zumal ich schon nach dem Artikel > Zimmerreise 02/2021: D wie Daumenklavier in den Kommentaren darunter versprochen hatte, mehr über den hölzernen Klangfrosch zu schreiben, der neben dem Daumenklavier auf dem Foto zu sehen war.

Das holzgeschnitzte, einfache Musikinstrument in der Form eines sitzenden Frosches (Bild 2) ist thailändischen, bzw. ostasiatischen Ursprungs, und wenn man mit einem Holzstab über den gezahnten Rückenkamm schrapt, erinnert der Klang an das Quaken eines Frosches. Durch den innenliegenden Hohlraum klingt er recht laut und kann auch als Schlaginstrument dienen. Beliebt ist der Klangfrosch als Kinderspielzeug, und als solches habe ich es auch mal vor etwa zwanzig Jahren für meine Kinder gekauft. Wobei ich mit meinem Hingezogensein zu haptisch angenehmen Holzgegenständen dabei nicht ausschliesslich an das Vergnügen meiner Kinder dachte: In früheren Jahren hatte ich solche Frösche schon in geselliger, spontan musizierender Erwachsenenrunde kennengelernt.

Manchmal erinnere ich mich nicht mehr genau daran, wann und wie die Frösche zu mir kamen. Bei dem Klangfrosch ist es einfach, denn den kaufte ich in einem kleinen Kunstgewerbe- und Geschenkeartikelladen in Bad Bevensen, als ich mit den Kindern einige Sommertage dort in einem Hotel verbrachte, um meine Mutter im Herz- und Gefäßzentrum besuchen zu können, und, wie sich später herausstellte, das letzte Mal zu sehen. Den Balance-Akt, es den Kindern zwischen den Besuchen in der Klinik trotzdem ferienähnlich schön zu machen, mit ihnen im Kurpark und im Laubwald spazieren zu gehen und zu spielen, wo immer es ging, vergesse ich wohl kaum.

Weniger schwermütig verhält es sich mit den nächsten beiden Frosch-Kandidaten: Den Frosch-Anhänger (Bild 3) an einer dünnen, schwarzen Lederschnur, aus irgendeinem dunkelroten, schimmernden Halbedelstein geschnitten, rotem Hämatit vielleicht, habe ich von einem Stand, der mit Mineralien und Schmuckgegenständen gehandelt hat. Das mag vor vielen Jahren auf dem Tollwood-Festival in München gewesen sein, oder etwas später auf einer Mineralienmesse in Neusiedl am See, oder vielleicht auch auf dem Kouter, einem Markt in Gent: ich habe es schlicht vergessen, und das ist kein Wunder, denn solche Frösche sind Massenware. Meiner Sympathie tut das keinen Abbruch, denn ich liebe seine Farbe und er ist ein absoluter Hand- bzw. Daumenschmeichler.

Der dritte Frosch (Bild 4) aus brauner, grüngesprenkelter Keramik ist um ein Vielfaches grösser, ein Gartendeko-Stück. Er bewohnt schon den zweiten Garten, denn ihn habe ich beim Umzug aus Neusiedl am See mitgebracht, wo ich ihn Anfang der 2000er Jahre in einem kleinen Haushaltswarenladen an der Unteren Hauptstrasse in der Nähe vom Hauptplatz entdeckte. Das Geschäft gibt es schon lange nicht mehr, doch bleiben mir solche kleinen Läden viel mehr im Gedächtnis als grosse Supermärkte und Kaufhäuser.
Ausnahmen davon sind die grossen Geschäfte und Märkte auf Urlaubsreisen, in denen ich gern Stunden damit verbringe, mir in den Reihen und Gefriertruhen die Sortimente anzugucken und Dinge in den Einkaufswagen zu legen, die ich nicht von zuhause kenne. Dabei bin ich nach heutigen Kriterien keine grosse Reisende, höchstens eine gründliche. Auf meine Weise bin ich über Europa nie hinausgekommen.

Darum ist auch meine „Pachamama“ (Bild 5), eine etwa 13 cm hohe, schwarze Keramik-Figur im präkolumbianische Stil, mit herausgeschnittenen und eingeritzen und eingedrückten Motiven, kein selbst mitgebrachtes Souvenir, sondern kommt ganz unspektakulär vom Stadtfest-Flohmarkt in Lüchow. Mich hatte das Thema Lateinamerika mit seiner Musik und Kultur zwar früher, vor allem in den 70er Jahren, sehr interessiert, aber hingekommen bin ich nie.
Die Darstellung einer Mutter mit Kind auf dem Rücken hat drei Symboltiere an sich: ein Frosch oder vielleicht auch eine Kröte, eine Schildkröte und eine Schlange, und geht auf die Vorstellungen der indigenen Andenvölkern als Prinzip für das universale kosmische Gefüge zurück, eine „Mutter Erde“-Figur, bei > Wikipedia kann man mehr darüber erfahren.
Die Völker dieser Welt haben seit der Frühzeit mythologisch keinen grossen Unterschied zwischen Fröschen und Kröten gemacht, sie gelten traditionell beide als Symbole für Glück, Geduld, Fruchtbarkeit, Warten und Wandel, Fortbestand des Lebens, Wiedergeburt und Auferstehung.

Deshalb erwähne ich nun doch noch meine dänische Kröte aus Granit (Bild 6), die im Garten sitzt und Flechten ansetzt. Die habe ich im Sommer 2008 von einer Dänemark-Reise aus Skive am Limfjord mitgebracht. Der Steinmetz hatte sein Atelier und und die Werkstatt gleich neben dem Friedhof in der Søndergade, und einige sehr schöne kleine und richtig grosse Tierskulpturen zum Verkauf, im Schaufenster mit weissen Pappkärtchen versehen: hier stand neben dem Preis nicht Kröte tudse, sondern frø (=Frosch) – dass ich darin eine Kröte sehe ist demnach nur mein persönliches Besserwisser-Ding. Die Arbeiten des Steinmetz entdeckten wir auf dem Weg zum Einkaufen in einem nahen Supermarkt, wo auch die dänischen Süssigkeiten im Zeichen der Frösche standen, und die mussten probiert werden.

Auf der Suche nach der genauen Lage der Steinmetz-Werkstatt im Fotoarchiv auf dem PC fand ich auch diese beiden Fotos von minzkremgefüllten Schokoladenfröschen (Bild 7) und türkisblauen Bonbonfröschen (Bild 8), und die jetzt wegzulassen, nur weil ich sie nun nicht mehr habe, bringe ich nicht fertig! Die Mehrzahl der süssen Frösche haben wir selbstverständlich schon direkt im Ferienhaus bei Hostrup am Limfjord aufgegessen, d.h. ich die Schokominzefrösche zum Kaffee, die blauen Bonbos waren für die Kinder, aber Anisgeschmack war nicht so beliebt bei ihnen.
Von den Dropsfröschen kam vergangenen Herbst beim Auszug des jüngsten, aber inzwischen erwachsenen Sohnes beim Aussortieren und Ausräumen sogar noch einer zum Vorschein! Zwischen Glasmurmeln und Flummis hatte er in einem grossen Sammelglas verschiedene Umzüge überdauert, und wäre ich nicht auf den Gedanken gekommen, Murmeln und Flummis einmal gründlich durchzuspülen und auseinanderzusortieren, wäre er nie aufgeflogen. So aber wurde er nass, klebrig und endete im hohen Alter von 12 Jahren im Mülleimer.

15 Gedanken zu “F wie Frösche (Zimmerreise 03/2021)

  1. Was durch diese Zimmerreisen doch alles zu Tage kommt. Jetzt auch noch eine Froschsammlung. Bis Z ist da sicher noch einiges drin oder ;-) Es sind sehr hübsche Frösche und es ist schön, dich auf deinen Käufen noch mal zu begleiten, bei traurigen wie bei schönen Gelegenheiten! Sie gefallen mir alle ganz gut (das Holzinstrument würde ich gerne mal hören / spielen :-), der Keramikfrosch und der aus Granit mit den hübschen „Dekoflechten“ ;-) sind meine Favoriten. Die anderen sind aber auch interessant. Der aus Granit ist dazu farblich noch so toll. 12 Jahre – wer hätte gedacht, daß solche Frösche so alt werden können. Nu isser weg, sonst hätte ich gesagt, schieb mal einen rüber :-)

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    • Man überrascht sich dabei auch immer wieder selbst, will mir scheinen. Bei jedem Thema kommt immer noch etwas dazu, was mir erst beim Schreiben bewusst wird.
      Die Frösche machen ein recht schönes warmes Holzgeräusch, vielleicht triffst du mal irgendwo in einem Ethnoladen oder so einem Marktstand darauf.
      Meine Gartenfrösche liebe ich beide, so verschieden sie auch sind.
      Ja, Zucker wird nicht schlecht. Er hätte noch uralt werden können. Schade.^^

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  2. Ich bin beeindruckt! So viele Frösche, so viele Geschichten dazu. Der Klangfrosch ist der interessanteste, aus Holz habe ich das noch nicht gesehen. Ich kenne aus meiner Kindheit kleine, blecherne Frösche, mit denen man Klack-Geräusche machen konnte. Deine Geschichte dazu ist freilich traurig, und doch hat etwas von diesem Tag überlebt, das du heute noch gerne anschaust. Wir behalten unsere Lieben ja im Herzen, und kleine Erinnerungsstücke unterstreichen das ein bisschen.
    Die bunten essbaren Frösche erinnern mich an die grünen Frucht-Frösche, die meine Kinder liebten, als sie noch klein waren. Ich mag keinen Fruchtgummi, konnte es nie verstehen. ;-)

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    • Die Klack-klack-Frösche kenne ich auch, die konnte man sich auch in den Schuh legen :-)
      Es binden sich zum Glück an die meisten Dinge nicht nur negative, sondern auch positive Aspekte, zumindest bei denen, die ich im Erwachsenenleben selbst ausgewählt habe, empfinde ich das so.
      Die grünen Fruchtgummi-Frösche mit dem weissen Bauch waren auch nicht so richtig meins: der Geschmack war mir zu uninteressant. Weingummi mochte ich lieber, und da nur eine ganz bestimmte Sorte, denn ich finde manche Konsistenzen und Aromen anderer Hersteller einfach nur fies.

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