Fische von Friebe (Zimmerreise 03/2021)

2021-03-11 Zimmerreise 03-2021 F+G | Veröffentlicht 2021/02/12 in 'Einladung zu den Zimmerreisen 03/2021'„Fische“ lautet das nächste Wort mit dem Anfangsbuchstaben F für meine zweite > Zimmerreise 03/2021. Es steht für zwei Bilder mit Fischmotiven, die mich seit vier Jahrzehnten von Bad zu Bad meiner jeweiligen Wohnung begleiten, und dort an der Wand hängen. Mit diesen Fischen ist noch ein weiteres F-Wort untrennbar verbunden: „Friebe“.
Häh? – ja, Friebe: Während unter der linken Ecke der Druckgrafik die mit Bleistift geschriebene Abkürzung „Orig. Rad.“ sie als Original-Radierung ausweist, steht dies als Namenssignatur unter der rechten Ecke des schmalen Hochformats in den hellen Holzrahmen im Stil der 50er oder 60er Jahre.

Die beiden colorierten Radierungen von tropischen Fischen, die aussehen wie in einer Art Aquariums-Atmosphäre betrachtet, kaufte ich Anfang Mai 1980 an einem der vielen Stände des Antiquitätenmarktes mit alten Büchern und Druckgrafiken in der sogenannten Raritätengasse auf der Auer Dult in München.
Die Auer Dult ist ein traditioneller Markt, der mehrmals im Jahr auf dem Mariahilfplatz stattfindet, im Münchner Stadtviertel Au, östlich bzw. rechts der Isar. Über eineinhalb Wochen hinweg werden dort Geschirr und Kochutensilien, aber auch Naturheilmittel, Antiquitäten und Trödel verkauft; angeschlossen ist dem ein Jahrmarkts- bzw. Volksfestvergnügen mit Karussells, Bierzelten und Fress-Standln.

 

Weil Rahmen und Papier der Bilder schon starke Spuren von langen, unbeachteten Jahren im Keller aufwiesen, sprach nichts dagegen, die für kleines Geld erstandenen Bilder im Bad aufzuhängen, und so schenkte ich sie meinem damaligen, tauchbegeisterten Partner zum Geburtstag. Als wir uns trennten, bekam ich sie zurück, und seitdem begleiteten mich die Fische bei jedem Umzug ins nächste und wieder nächste Badezimmer, auch in das gegenwärtige. Nur zum Fotografieren für diese Zimmerreise habe ich sie an einen anderen Platz gebracht, weil sie sonst gegenlichtig hängen, rechts und links vom Fenster, und so sehen sie besser aus.

Lange Zeit war mir gleichgültig, über den Künstler namens Friebe nichts zu wissen. Doch seit man im Web vieles bequem und einfach recherchieren kann, suchte ich mit den Stichworten „Original-Radierung + Friebe“ und fand zahlreiche Bilder in ähnlichem Stil, Format und Rahmen auf ebay und anderen Webseiten zum Verkauf angeboten, die genau wie meine mit demselben Kürzel und Namen signiert waren: Hunderte Bilder von Blumen und blühenden Zweigen, von Wildpflanzen mit und ohne Schmetterlingen oder Vögeln, die ich auf Verkaufsplattformen ansah: „Friebe“ war fleissig, aber als Künstlerpersönlichkeit nirgends erwähnt.

Dagegen war es leicht, die abgebildeten Fische zu bestimmen: auf dem erste Bild sieht man zwei Kaiserfische, auf dem zweiten einen Picasso-Drückerfisch und einen Blauen bzw. Rotzahn-Drückerfisch. Fotos von weiteren Friebe-Fischbildern fand ich nicht, lediglich eine Notiz auf der Webseite eines Berliner Auktionshauses: „FRIEBE (20. Jh.): Tropische Fische. Farbradierung. Bleistift sign. 25Χ8 cm. R.“, zusammen mit zwei weiteren Artikeln als eine Position aufgeführt – und das war auch schon alles.

Vermutlich wird sich nicht aufklären, wer diese Person namens Friebe war, die in den 60er Jahren viele deutsche Wohnzimmer mit Radierungen von Pflanzen und Tieren versorgt hat, aber dennoch damit nicht als Künstler*in bekannt wurde, sonder anonym blieb wie diejenigen, die Illustrationen für Schulbücher und naturkundliche Nachschlagewerke anfertigten. Nur dass hier jemand zusätzlich zu Können und Geduld beim handwerklichen Anfertigen der Platten für das Tiefdruckverfahren ausserdem noch bewundernswerte Ausdauer an den Tag legte, seine vielen Druckgrafiken zu signieren, immer mit „Orig. Rad.“ links und „Friebe“ rechts.

27 Gedanken zu “Fische von Friebe (Zimmerreise 03/2021)

  1. Es ist schon sehr merkwürdig, dass Frau oder Herr Friebe keinen Vornamen hat. Offenbar haben ja auch die Auktionshäuser, die die Radierungen angeboten haben, keinen Vornamen zu dem Künstler gefunden 🤔🤔🤔

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    • Ja, das war sozusagen meine Hoffnung, dass die als Profis vielleicht Zugang zu papiernen Verzeichnissen hätten, aber andererseits spielt diese Preisklasse vermutlich nicht die Rolle, bei der sich der Einsatz von Zeit für sie lohnt.

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      • Herr/Frau Friebe scheint in den dicken gedruckten Künstlerverzeichnissen nicht drin zu stehen, da reinzugucken ist für jedes Auktionshaus Routine, denn wenn einer drinsteht, dann hebt das ja den Preis. Wirklich merkwürdig, dass ein Künstler, von dem so viele Werke bei Ebay etc. gehandelt werden, keine Spuren hinterlassen haben soll, alte Kataloge z. B.

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          • Das weiß ich nicht. 🤔 Wenn ich zu der fraglichen Zeit mit meinen Eltern in Köln war – auf dem Dorf gab es ja sowas natürlich nicht – dann hat mich nur die Spielwarenabteilung interessiert, speziell die elektrischen Eisenbahnen …😀

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  2. Ich habe auch alte Fische im Badezimmer! Es sind zwei selbst gemachte Mosaikbilder aus klitzekleinen Steinchen, die ich als Kind meinen Großeltern schenkte. Meine Eltern haben sie geerbt und ich suchte sie mir aus ihrem Nachlass aus. So sind sie wieder bei mir gelandet und ich stelle fest, ich habe als kleines Mädchen schon gerne kleinteilig gearbeitet. So besitzen wir also beide zwei Fischbilder, die durch ihre Geschichte für uns recht wertvoll geworden sind.😆🐠🐡

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  3. Friebe hat tatsächlich den Geschmack der Zeit getroffen, denn solche Bilder (hab eben gegoogelt) hat sicher jeder schon mal irgendwo hängen gesehen. Dass der Künstler oder die Künstlerin nicht mehr als einen Namen von sich preisgibt, passt gar nicht dazu, dass so viele Werke unter dessen Händen entstanden sind. Interessante Geschichte! :-)

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    • Dankeschön!
      Diese hohen und schmalen Formate gab es wohl in fast jedem Wohnzimmer, auch andere Künstler bedienten den Bedarf mit ähnlichen Motiven, auch Birken mit ein bisschen Landschaft gab es öfters – Zeitgeschmack ist bestimmt genau zutreffend.

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  4. Sehen ganz interessant aus die Fische. Warum sollte sich jemand nicht einfach nur Friebe nennen? Vielleicht wollte er – oder sie – ein Stück weit anonym bleiben? Vermutlich steigen die Bilder jetzt im Preis, weil die halbe Bloggerwelt danach googelt ;-) Interessant auch das mit der Au und den Märkten, die jetzt wohl auch nicht stattfinden werden. Ist bestimmt ganz nett dort bummeln zu gehen.

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