Zimmerreisen 01/2021: als Andenken ein Bild von Caba

Für meine 5. Zimmerreise 01/2021 habe ich die Buchstaben A, B und sogar ein C beieinander, denn das Andenken, in Gestalt eines Bildes, das mich an meine zurückliegenden Spanienreisen und meine Mutter erinnnert, stammt von einem Künstler, dessen Familienname Caba lautet, Xavier Caba.

Immer, wenn ich aus meiner Zimmertür trete, kann ich das Bild ansehen. Es besteht aus hellbrauner, handbemalter, glasierter Keramik. Weil es nur 14,5 x 12,5 cm gross ist, wurde es auf einen grösseren Hintergrund aus grobem, ungebleichtem Leinen in einem dunkelbraunen, quadratischen Holzrahmen gesetzt. Für’s Foto habe ich mich auf die „Fliese“ beschränkt. Das Keramikbild war ein Geburtstagsgeschenk für meine nur wenig über Deutschland hinausgereiste Mutter, die gern an eine Spanienreise mit ihrer Schwester zurückdachte, ihren einzigen kleinen Urlaub ohne meinen Vater. Sie mochte die kleinen abgelegenen Dörfer im hügeligen Hinterland mehr als die trubeligen Küstenorte, deshalb brachte ich ihr diese idealisierte Darstellung eines solchen Dörfchens mit, nachdem ich das Bild im Frühsommer 1983 in der Kunst- und Keramikabteilung eines Geschäfts in Valencia sah:

2021-02-02 LüchowSss handgem. Keramikbild v. Xavier Caba (1928-1996 Castellar de Vallès)

Es zeigt eng beieinander stehende, weisse Häuser, denen man ansieht, dass sie alt sein müssen und unter der weissen Farbe mit Naturstein gebaut, unten breiter verstärkt, wie es an Hanglagen in bergigen Regionen oft der Fall ist. Die Farblinien der rotbraunen Dächer deuten den Verlauf von Reihen halbschalenförmiger Dachziegel an. Es gibt nur wenige, kleine Fenster in den südlich-weissen Mauern. Im Vordergrund führt ein Weg zwischen strauchigem, graugrünem Bewuchs zu den Häusern hinauf, denen einen Mann in blauem Hend und dunkler Hose zustrebt; sein Schatten fällt etwa gleich gross wie er selbst rechts neben ihm auf den hellbraunen Weg, ähnlich der Farbe des Himmels über den Häusern. Die Signatur in der Ecke unten links ist eingeprägt: „X. Caba“.

Caba ist nur der halbe Nachname des Künstlers, denn in Spanien setzt sich der Nachname eines Kindes oder Mannes immer aus dem Vater- und Mutternamen zusammen, und so heisst der Künstler mit vollem Namen Xavier Caba i Company. Mit i und nicht y für „und“, weil er aus Catalunya stammt, zu deutsch: aus Katalonien im spanischen Nordosten, mit der inzwischen anerkannten eigenen Sprache, dem Català.
Caba wurde am 27. Juli 1928 in Castellar del Vallès geboren, einer Stadt in der Provinz Barcelona, nahe bei Sabadell. Er malte schon als Kind gern, ergriff aber zunächst einen kaufmännischen Beruf, den er einige Jahre ausübte und nur nebenbei malte, bevor er sich gänzlich der Kunst zuwandte. Die 60er Jahre verbrachte er beruflich als Illustrator in Paris und fing an, sich mit Fotografie zu befassen. Als er nach 8 Jahren in sein katalonische Heimat zurückkehrte, widmete er sich zunächst der Malerei, aber entdeckte Anfang der 70er Jahre seine Liebe zur Keramik und beschäftigte sich nur noch mit ihr und der Malerei. Xavier Caba starb am 16. Juli 1996 in Castellar del Vallès.

1983 Spanien Prov. Jaén, Umgebung v. Úbeda bzw. Torreperogil in den CerrosWeil ich weiss, dass auch meine Mutter damals durch dieselbe Hügellandschaft der Cerros nahe der Stadt Úbeda in der andalusischen Provinz Jaén gefahren ist, wo sich auf hellbrauner Erde endlose Olivenhaine über den Hügeln ausbreiten, habe ich ein altes Foto von 1983 hervorgekramt, das zum Thema des Keramikbildes und seinen hellbraunen und bei der Vegetation ins Graublau spielenden Farbtönen gut passt, ganz gleich, wo der Künstler sein eigenes Motiv gefunden hat. Sogar ein Fussgänger lässt sich darauf entdecken, so dass es vorstellbar ist, wie er um die Windungen des Weges weitergeht, sich den Häusern nähert, und sogar ein blaues Hemd trägt. Nur der Sonnenstand stimmte nicht.

Meine Mutter hängte ihr Geburtstaggeschenk in der Küche auf, nicht etwa aus Geringschätzung, sondern um es von ihrem Platz am Esstisch und beim Verlassen des Raumes oft anzusehen. War ich zu Besuch, hatte ich ebenfalls meinen alten Platz neben ihr inne und das Bild im Blick. Nach ihrem Tod ist das strukturreiche Keramikbild zu mir zurückgekommen, erinnert mich auf vervielfachte Weise an Reisen und Menschen, und Erinnerungen sind wohl die intensivsten „Zimmerreisen“ über die Grenzen von Räumen und der Gegenwart hinweg, die es gibt.

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