Färberkamille, späte Blüte

Hier und da leuchtet im Garten ein goldgelber Punkt aus sonst herbstlich Verblühtem. Ähnlich wie die Ringelblumen in den vergangenen Jahren zeigt sich auch die Färberkamille Anthemis tinctoria im Garten ungerührt von Jahreszeiten, benimmt sich inzwischen nicht mehr ein- bis zweijährig, sondern ausdauernd und blüht, wie es ihr passt. Das ist mir sehr sympathisch, und deshalb muss ich wieder einmal ein bisschen über sie schreiben.

2020-10-24 LüchowSss Garten Färberkamille (Anthemis tinctoria)

Ich bin gespannt, ob sie diesmal auch wieder bis durch den Winter blühen werden wie in den letzten beiden Jahren, wo sie bis ins Frühjahr durchgehalten haben, wie beispielsweise  > hier an einem frostigen Morgen Mitte März diesen Jahres zu sehen. Solch Widersetzlichkeit imponiert mir, und darum lasse ich sie gewähren, wo sie will.

Sie vermehrt sich hier, anders als sonst üblich, ohnehin nur sehr zurückhaltend, denn erstens liebt sie Kalk, von dem sie bei uns höchstens durch im Terrassenbereich im Boden enthaltenen Bauschutt bekommt,und ausserdem keimen die Samen nur in offenem Boden, ebenfalls hier im Garten selten geboten.

Obwohl die Blüten so schön gelb leuchten und Korbblütler eigentlich bei Insekten begehrt sein sollten, wird sie lediglich von kleineren Arten besucht, wie > hier auf Bildern vom Sommer zu sehen, kleine Wildbienen, kleine Wespen, kleine Schwebfliegen, aber die sind nicht minder wichtig wie die anderen.

Mit ihrem „unordentlichen“ Wildpflanzenwachstum passt die Färberkamille bzw. Färber-Hundkamille Anthemis tinctoria mit ihrer trotzigen Ausdauer gut in Gärten von Menschen, denen das Wohl seiner natürlichen tierischen und pflanzlichen Gäste mehr am Herzen liegt als eine streng frisierte, ordentlich gescheitelte und glattrasierte Gartenoptik.

Das Foto ist vom regnerischen 24. Oktober 2020, aufgenommen im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

8 Gedanken zu “Färberkamille, späte Blüte

  1. Echt ein leuchtend Pflänzchen…hat man damit früher was gefärbt?
    Zu diesen Gartenmenschen, im vorletzten Abschnittchen beschrieben, gehöre ich auch. Sogar die Frisur passt, auch wild geschüttelt ab und zu.

    Gefällt 1 Person

    • Bei Wikipedia steht es gut zusammengefasst: „… um Wolle und Leinen in einem kräftigen, warmen Gelb zu färben. Bei Proteinfasern (z. B: Wolle, Seide) ist die Färbung wenig licht- und waschecht, auf Baumwolle oder Hanf dagegen sind die intensiven gelben Farbtöne sehr lichtecht.“
      Ich bekomme aber kaum genug zusammen, um einen Versuch zu starten.
      Das vermutete ich so schon, das auch bei dir der Garten eher Schutzraum ist als Dressurmanege.
      Zur Frisur fällt mir Helge Schneider ein: „Wildes Mädchen, schüttel dein Haar….“ und so ist es gut: lieber Windsbraut sein, als dreiwettergetaftet der Lebendigkeit verklebt.

      Gefällt 1 Person

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