Klein und haarig

Vermutlich, weil sie so haarig war, fiel mir beim Gartenrundgang diese kleine Raupe vom Goldafter Euproctis chrysorrhoea auf den glänzenden, dunkelroten Blättern der Blutpflaume ins Auge. Früher waren lichte Laubmischwälder das Biotop des weissen Nachtfalters mit dem goldbraunen Hinterteil, heute findet man ihn in Obstgärten und Parks. Weil er nur eine Flügelspannweite bis zu 35 mm hat, fällt er dennoch kaum auf.

2020-05-27 LüchowSss Garten Blutpflaume (Prunus cerasifera 'Nigra') + Goldafter-Raupe (Euproctis chrysorrhoea) (2)

Das Besondere an den Goldafter-Raupen ist, dass sie zu den überwinternden Schmetterlingsraupen gehören. Man kann sie von September bis Juni finden an verschiedenen Gehölzen wie Weissdorn, Schlehe, Rose, Kirsche, Eiche, gelegentlich auch an Ahorn finden, und manchmal sogar massenhaft. In dem Fall können sie grosse Frassschäden verursachen. An meiner Blutpflaume fand ich aber in dem Moment keine weiteren.

2020-05-27 LüchowSss Garten Blutpflaume (Prunus cerasifera 'Nigra') + Goldafter-Raupe (Euproctis chrysorrhoea) (3)

Sie werden kaum 40 mm lang, sind aber wehrhaft, denn sie besitzen Brennhaare, die bei Kontakt allergische Reaktionen und Juckreiz hervorrufen können. Zum Glück fressen Kohlmeisen, Blaumeisen und andere Vögel die Raupen, solange sie noch jung sind. Kohlmeisen sollen inzwischen sogar – wie man 2017 im Zusammenhang mit Eichenprozessionsspinnern an der Universität Wageningen (NL) beobachtete – gelernt haben, auch die älteren Raupen von den Brennhaaren zu befreien und sie dann zu fressen.

Die Fotos sind vom 27. Mai 2020 im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

6 Gedanken zu “Klein und haarig

  1. Diese Lernprozesse der Kohlmeisen sind schon besonders. Und andererseits nicht, wenn man sieht, was auch eine black wasp so alles vorsichtshalber tut, um eine Spinne als Futtervorrat ins Nest zu bringen.

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  2. Diese Raupen habe ich lange nicht mehr gesehen. Früher erzählte man uns Kindern wahre Gruseldinge, was einem beim Kontakt mit ihnen passieren kann. Wir sollten die Tiere nich immer so unterschätzen, klar, dass sie auch lernen und sich anpassen können. Warum soll es Entwicklung nur in der Vergangenheit gegeben haben?

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