Über das Kleine zum Grossen

Normalerweise fotografiere ich Details aus meiner Erlebensumgebung und beschäftige mich im Blog nicht mit Erörterungen weit ausgreifender Themen: möge jeder Einzelne doch selbst über das Kleine zum Grossen kommen.

Heute aber will ich einen Stein des Denk-Anstosses in das hier sonst so ruhige Blogwasser werfen, denn ich vermisse in der aktuellen, um Corvid-19 kreisenden Medienlandschaft ein Thema, von dem ich glaube, dass es mit den Rahmenbedingungen zu tun hat, unter denen man die gegenwärtigen Ereignisse betrachten sollte, nämlich dem Klimaschutz und insbesondere den Permafrostböden.
Wer bei der Websuche die Stichworte „Permafrost“ mit „Seuchen“ kombiniert, versteht schnell, woher meine Intention für diesen Beitrag gerade jetzt kommt, obwohl manche der weniger aktuellen Beiträge schon nahezu 20 Jahre alt sind, das Thema selbst schon rund 30 Jahre.

Kohlenstoff-Emissionen werden im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung häufiger thematisiert, vielleicht auch, weil es dem eigenen Lebensbereich „näher“ liegt, und durch eigene Aktionen zur Verringerung ein leistbarer Beitrag besser vorstellbar ist.
Weniger häufig liest man über das Treibhausgas, das rund 30 Mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid, das Methan. Durch Auftauen von Resten fossiler Tiere und Pflanzen werden diese wieder zur Nahrung von Mikroorganismen, die sie zersetzen, so dass aus dem in Verwesung übergehenden organischen Material Methan in grossen Mengen aufsteigt.
Noch seltener werden aber diese und andere, z.T. fossile Organismen im Hinlick auf ihre direkte Wirksamkeit hin betrachtet.
Das Wort „fossil“ verführt zur Annahme, man habe es mit einem absoluten Tod zu tun, wie man es sich eben bei Versteinerungen von Pflanzen und Tieren oder von Dinosaurierknochen vorstellt.
Dem ist nicht so. Viele der „Eismumien“ von Säugetieren sind so erstaunlich gut erhalten, dass sie noch heute von Füchsen, Wölfen und anderen gefressen werden können, und mit ihnen auch uralte, „schlafende“ Bakterien und Viren: einige, mit denen der Mensch in früheren Zeiten schon Bekanntschaft gemacht hat, aber auch andere, viel ältere.

Von grossflächigen Waldbränden in den sogenannten borealen Zonen werden alljährlich nicht nur zahllose Tiere vernichtet, es gelingt vielen auch die Flucht. Insekten, Vögel, Säugetiere. So gelangen solche Tiere in Regionen, in denen sie von Menschen gejagt und verzehrt, aber auch weiterverkauft werden können.
China liegt beispielsweise bis zu 20 % in der Permafrost-Zone. Der “wet market” von Wuhan ist als wahrscheinlicher Ausgangspunkt für COVID-19 bekannt geworden, aber er ist nur einer von vielen, auf denen sowohl tote als auch lebendige Tiere verkauft werden, die nicht nur aus der Umgebung stammen, sondern auch von weither herangeschafft wurden, auch international, ob sie nun zum kulinarischen Verzehr bestimmt sind oder analogien-gläubig „medizinische“ Verwendung finden. Dabei nur an die oft erwähnten Fledermäuse zu denken, ist zu klein gedacht.

Auch der Handel mit Elfenbein von Mammuts und Wollnashörnern aus dem Permafrost ist nicht nur ein gewerblicher Alltag, sondern auch ein ständiger Umgang mit solchen zum Teil noch mumifizierten Fossilien. Moderne Mammutjäger sind Menschen, die unter primitiven Bedingungen Skelette und Kadaver mit Wasser aus dem aufgetauten Boden spülen und ausgraben, ausschliesslich um der verkäuflichen Knochen und Zähne willen: alles andere, das Jahrtausende alte, aufgetaute „Gammelfleisch“, bleibt zur Verwesung und für Insekten oder grössere Aasfresser offen liegen. Etwa 60 Tonnen Elfenbein bergen allein die sibirischen „Jäger“ auf diese primitive Weise pro Jahr, fast alles davon wird nach China gehandelt, wo man zu Elfenbein eine besondere Affinität hat.

Die gefährdeten und somit Gefahren bergenden Zonen finden sich in Grönland mit 99 % , in Alaska zu 80 %, in Russland zu 50 % und in Kanada zu 40 bis 50 % . Weniger denkt man dabei an verstreute, kleinere Flecken auf der Landkarte, wie die abtauenden Gebirgsregionen der Alpen in Europa, oder der Anden in Südamerika. Zudem sind da bisher 50.000 km2 gletscherfreie Flächen der Antarktis und submariner Permafrost unter den Meeresspiegeln, Flächen, die vor Jahrmillionen zutage lagen und ebenfalls schlummernde organische Überreste beinhalten.

Wer sich heute noch über grüne Idealisten lustig macht, hat immernoch nicht erkannt, dass auch er unrealistischen Träumen nachhängt, denn man muss nicht ein Umweltschützer im klassischen Sinne sein, um aus den bestehenden Gegebenheiten grosse Bedrohungen herauszuinterpretieren: für die Natur, aber über den Umweg der Gesundheit von Mensch und Tier auch für Wirtschaft, Politik und die zivilisierte Gesellschaft, wie wir sie bisher kennen, und das weltweit. Hier stossen alle Ideologien an ihre natürlichen Grenzen.

Es geht beim Klimaschutz nicht mehr um idealistische Spinner, und bei der Besorgnis auch nicht um seltsame Prepper-Visionen, sondern um etwas unfassbar Grösseres, als Menschen willens sind, in Erwägung zu ziehen.
Aber man muss es sich vorstellen wollen! Die momentane Corvid-19-Massnahmen sind nämlich nichts anderes als ein Vorgeschmack auf die Zukunft, in der weitere Wellen “vergessener” oder noch unbekannter Krankheiten um die Welt ziehen werden, weil die global wirksame Menschheit ihnen die Wege ermöglicht. Leider ist es zu spät für die grammatische Form des Konditional, und die vermeintliche Zukunft ist bereits Gegenwart.

 

So. Das musste mal gesagt werden. Wer Quellenangaben vermisst, kritisiert das sachlich zwar zu Recht, aber ich finde, jeder sollte selbst im Web auf seine Weise nach den von mir angedeuteten Informationen suchen; das finde ich in diesem Fall sinnvoller als eine Liste, die niemand anklickt.

28 Gedanken zu “Über das Kleine zum Grossen

  1. Danke für Deinen Beitrag. Ich nehme inzwischen eine Tendenz wahr, den Umweltzerstörungsfaktor bei der Covid-19-Thematik als übertrieben oder gar unsinnig einzuordnen. Und nach dem, was ich einschätzen kann, ist das fatal…

    Gefällt 3 Personen

  2. ………….. und nach Corona werden wir weiterwurschteln und verdrängen, nicht wollen. Ich befürchte, dass „wir“ nicht lernen, Klimaschutz ernstzunehmen, bzw. nicht die notwendigen Änderungen im notwendigen Umfang umzusetzen.

    Gefällt 4 Personen

  3. Ich habe mir das nochmal durchgelesen – für eine vernünftrige Stellungsnahme war es gestern Nacht zu spät.

    „…Vorgeschmack auf die Zukunft, in der weitere Wellen “vergessener” oder noch unbekannter Krankheiten um die Welt ziehen werden, weil die global wirksame Menschheit ihnen die Wege ermöglicht.“

    So ist es. Die Globalisierung und der Klimawandel machen es möglich.
    Rein biologisch möchte ich mich schlau machen, wie genau Bakterien und Viren noch Millione Jahre später wirksam werden können. Da durch Kometen durchaus zumindest organische Vorstufen auf die Erde kommen, ist solches ein Fingerzeig, was alles möglich sein könnte.

    Ich erinnere mich an den Film „Silent running“, Lautlos im Weltall auf deutsch, mit Bruce Dern, aus 71.
    Der war für mich schon immer ein Fingerzeig.
    Silent runninmg, das passt genau jetzt, wobei es in dem Film um die Zerstörung der Erde durch einen Atomkrieg ging.

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  4. Bravo! Großartiger Beitrag über – je nachdem – unbekannte, verdrängte oder vernachlässigte größere Zusammenhänge!

    Aktuell bereitet mir zusätzlich Sorgen, wie der Krieg in der Ukraine neben allem kriegstypischen Leid, Zerstörung usw. auch dem Klimawandel und der Ausbreitung von Krankheiten weiter Vorschub leistet ..

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    • Es kommt gerade viel Bedrohliches zusammen und man muss sich schon aufmerksam selbst beobachten, welche Medienberichte man aus der Besorgnis heraus wie oft konsumiert.

      Mir drängt sich der Eindruck auf, dass kaum eine Berichterstattung darauf verzichtet, über die sachlichen Darstellungen hinaus starke Emotionen anzurühren, um die Kontinuität des Konsums zu fördern oder zu steigern, denn jede Zeitung und jeder Fernsehsender hat vor oder nach den Nachrichten etwas zu verkaufen.

      In dieser Hinsicht verhält sich ein grosser Teil der Menschen wie vom Überangebot geködert, statt sich bestimmte Tageszeiten, bestimmte Rationen selbst zu wählen.
      Denn ändern können „wir“ nur wenig, und das Wenige, was man in den eigenen Händen hätte zu tun, unterbleibt oft wegen der vom übermässigen und deprimierenden Konsum ausgehenden Lähmung.

      Es ist kontraproduktiv, sich im wohlgeheizten Wohnraum stundenlang Medienberichte reinzuziehen, während im Hintergrund der Wäschetrockner läuft, statt die Raumtemperatur zu senken, seine Reisepläne zu überdenken und überhaupt den Energiebedarf seiner bisherigen Lebensweise zu hinterfragen, auch hinsichtlich seiner Nahrungsmittelgewohnheiten.

      Würde jeder sich um seinen Anteil am Ganzen kümmern, statt vom Sessel aus nur passiv zuzusehen, wäre die Welt zwar immernoch nicht gerettet, aber die Besorgnis hätte eine andere Qualität .

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      • Ja, das stimmt. Im Grunde leben wir immer noch (zu) selbstsicher im (nicht nur, aber vor allem materiellen) Wohlstand. Mir z. B. hat es sehr lange für mein (Öko-)Gewissen gereicht, ziemlich wenig Auto zu fahren und noch viel seltener zu fliegen. Dabei habe ich Sparen auf anderen Feldern arg vernachlässigt, v. a. Stromverbrauch, z. B. für TV, Hifi und EDV, Wäschetrockner, sowie Fleisch-/Wurstverzehr, zu häufige Vollbäder statt Dusche u. a.
        Seit letzter Woche habe ich ein Stromverbrauchmessgerät, das mir schon einige – wenige gute, mehrere böse – Überraschungen beschert hat.

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