Ein weiterer Spaziergang, grau umwölkt

Fotos von gestern Vormittag, wegen des Regenwetters grau umwölkt, aber auch gedanklich, denn neben den Berichten um den Amokläufer in Hanau gab es eine weitere beunruhigende Zeitungsnotiz, die mich vor allem beim Blick in die Weite der Landschaft – siehe Bild 1 – besorgt stimmte. Die Windräder im Hintergrund stehen weniger als 1,5 km entfernt, im Windpark Lübbow-Bösel, jedes einzelne mit einer Turmhöhe von 64 m. Nun ist geplant, in ca. 3 Jahren eine Erweiterung westlich der Bundesstrasse B 248 zu bauen, mit sechs 4x so hohen Windrad-Giganten, jedes 246 m hoch, näher als 1km > siehe GoogleMaps.

 

Die Graugänse marschierten arglos auf dem grünen Feld umher. Nicht nur, dass diese Windradmonster einen erheblichen Einfluss auf Licht- und Geräuschverhältnisse ausüben werden, sie stehen auch sehr nah an den Feldflächen, die ich so oft schon in meinen Blogs als Rastflächen verschiedener Zugvögel gezeigt habe, wie nordische Gänse, Kiebitze und verschiedene Singvögel. Die halten sich, wenn sie aufgescheucht werden, schliesslich nicht an bestimmte Feldgrenzen und landen auch gern mal auf den nun für den Windpark vorgesehenen Flächen. Wie sich solche Riesenwindräder in der ansonsten flachen Landschaft optisch ausmachen, vermag ich mir kaum auszumalen, denn ein „viermal so hoch wie die anderen, aber doppelt so nah“ auf der sogenannten Potenzialfläche PF 4 übersteigt selbst mein sonst so lebhaftes Vorstellungsvermögen.

 

„Kein Haus werde mehr als 8 Stunden im Jahr und mehr als 20 Minuten am Tag im Schlagschatten liegen“ habe der Geschäftsführer der Windanlagenbau-Firma versprochen, heisst es in der Pressemeldung der EJZ vom Freitag.
Wie mag das berechnet worden sein? Zwischen Herbst und Frühjahr sind die Schatten wegen der niedrig stehenden Sonne doch länger und die Tage kürzer, also ist die Reichweite von 246 m hohen, mit 163 m Durchmesser ausgestatteten Rotoren entsprechend länger als im Sommer, das Tageslicht wirkt kostbarer. Die Schatten der nächststehenden Turbine könnten bis dorthin reichen, wo ich zum Fotografieren gestanden habe.

 

Die Pläne könnten an der Baugenehmigung für das Umspannwerk scheitern, das die Energie ins Netz speisen soll. Die Menge entspricht dem durchschnittlichen Jahres-Verbrauch 25.000 dt. Haushalte – nur welcher? Lüchow-Dannenberg erzeugt seit 2012 mit Wind, Sonne und Biogas 15% mehr Energie, als vorort verbraucht wird. Vielleicht läuft das alles so vorüber wie der Autobahnbau der A 25 von Hamburg nach Berlin oder wie der nächtlich-heimlich den Weg nehmende Dachs, der zwar seine Spuren im weichen Rand des Feldweges hinterlassen hat, aber von dem wohl keiner weiss, wo er hergekommen ist und wohin er gelaufen sein mag. Nicht nur den Vögeln zuliebe wäre das sehr zu wünschen.
Fotos sind vom 22. Februar 2020, in der Feldmark bei Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

6 Gedanken zu “Ein weiterer Spaziergang, grau umwölkt

  1. Man kann den Schattenwurf berechnen.
    Lüchow liegt etwa auf dem 53. Breitengrad, das bedeutet im Winter einen mittäglichen Einfallswinkel von etwa 14°, so dass ein Objekt das Vierfache seiner Höhe als Schatten wirft, das heisst bei über 250 m Höhe (Windradhöhe + überragende Rotorflügel beträgt die Reichweite des Schattens über 1 Kilometer.
    Für die aufsummierte Endhöhe ist die Rede von der des Hamburger Fernsehturms (Heinrich-Hertz-Turm), etwa 279 m, das wären über hundert Meter mehr, und das mittwintermittags, danach werden die Schatten mit der sinkenden Sonne natürlich noch länger.

    http://www.geoastro.de/astro/mittag/index.htm
    https://rechneronline.de/sehwinkel/schattenwurf.php

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  2. Was ist aus den Plänen fürs Windradprojekt (inkl. Umspannwerk) mittlerweile geworden?

    Danke übrigens für den hochinteressanten Astro-Sonnenstands-usw.-Link
    und Lob für dein neues Blog-Design!

    Viele Grüße,
    Christoph

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    • Bisher hat sich da nichts weiter getan, soweit ich weiss, denn seitens der Gemeinde, auf deren Verwaltungsbereich ein grosser Teil davon stehen sollte, gab es Einspruch bezüglich der Höhe, und daraufhin so eine Art schmollenden Druck seitens des Investors, der offenbar glaubt, wenn man damit droht, das Projekt dann gar nicht umzusetzen und somit die in Aussicht stehenden Einkünfte zu entziehen, würde da schon nachgegeben werden. Bisher ist davon nichts wieder gehört worden.
      Mag allerdings sein, dass da jemand einfach darauf wartet, dass die Linie der Grünen, die inzwischen in Sachen Windenergie sehr nach vorne gehen und vorher als schutzwürdig Angesehenes inzwischen als nicht haltbar aufgeben, um nicht doch der Atomlobby in die Hände zu arbeiten, später die Sachlage ändert, ohne Zugeständnisse machen zu müssen. Man wird sehen.
      Danke für das Lob. Es gibt bei den Designs so viele Dinge, die eigentlich passen und dann in Kleinigkeiten nicht, dass ich da noch mal ein weiteres probiert habe. Eine Rückkehr zum alten Fontfolio ist nämlich nicht mehr möglich.

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      • Danke für die höchst informative Antwort!
        Ich erkenne bei den Grünen auch eine Tendenz zum Auseinanderfallen von Naturschutz (Landschaft, Flora, Fauna) und Umweltschutz (Klima, Energie u. a.), weiß allerdings auch keinen Ausweg …

        Ich muss/will mich spätestens im Winter auch mit grundlegenden Änderungen meiner „äußerlichen“ Blog-Rahmenbedingungen kümmern, worum ich mich bisher immer gedrückt habe …

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        • So ist es, und an der Erkenntnis, dass einzelne Standorte von Arten mit ihren Nistplätzen zugunsten der Energieversorgung aufgegeben werden müssen, weil es zu spät ist für „Luxus-Bedenken“, ist eine extrem bittere Pille.
          Dennoch, oder gerade deshalb sehe ich keine andere Partei auf Bundesebene, der ich das Thema Klimaschutz sonst anvertrauen würde. Die weiteren sehe ich aufgrund ihrer Parteiprogramme anderen Schwerpunkten stärker verpflichtet.
          🙈🙉🙊
          Das Problem bei der Bloggestaltung ist, dass unsereiner immer davon ausgeht, dass die individuelle Optik des Blogs potentiellen Lesern ebenso wichtig sein könnte, was zumindest bei WordPress-Lesern und Abonennten anderer Reader- und Feed-Systeme inzwischen völlig irrelevant ist.
          Wenn sich Leser allen Ernstes darüber beschweren, dass „weisse Schrift auf den Bilder der Galerien“ die Bilder verdeckt, wird man es müde, wieder und wieder darauf hinzuweisen, dass sie lediglich vom Reader in den Blog zu wechseln bräuchten, um alles perfekt zu sehen – oder wenigstens sich die Mühe machen könnten, die kleinen Galeriebildchen anzuklicken.
          Du glaubst nicht, wie oft ich schon wegen solcher voll Überzeugung angebrachten Beschwerden in die Tischkante beissen wollte, oder wenn jemand zu faul ist überhaupt den Artikel zu öffnen und dann unsinnig über „das Bild“ kommentiert, ohne die anderen gesehen und den Text gelesen zu haben.
          Da hilft manchmal nur der Gedanke, dass man seine Beiträge eben nicht nur für eine lediglich imaginäre WordPress -„Community“ verfasst, sondern auch für andere, immerhin mögliche und unerkannt bleibende Web-Suchende, die dann den Blog so sehen, wie wir ihn gestaltet haben (mit oder ohne Werbung) und uns selbst damit am zufriedensten fühlen.

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