Ein kleines Rudel Rehe

Während früher kaum ein Spaziergang ohne Rehsichtung verstrich, und ich deshalb die Kamera nicht jedes Mal bemühte, fotografiere ich nun, sobald ich in heranzoombaren Ferne Rehe entdecke, und vorgestern sah ich wieder ein kleines Rudel mit ungefähr einem knappen Dutzend, von dem aber nicht alle auf den Bildern zu sehen sind:

Vor wenigen Tagen schrieb ich auf einen Kommentar zum Beitrag > Aus der Ferne gesehen, dass sich bei uns die Rehe seltener zeigten als in früheren Jahren. In der Lokalzeitung wurde kürzlich und bestimmt zutreffend gemutmasst, es läge am Rückgang der Schutzgehölze und an der noch relativ jungen, aber zunehmenden Gegenwart des Wolfs in der Umgebung, dass die Rehe sich zu grösseren Rudeln sammelten und nicht mehr so offen zeigten.

Es ist nachvollziehbar für Jagdpächter ärgerlich, wenn ausgerechnet „ihre“ Rehe in das Revier des Nachbarn abwandern und somit unerreichbar werden. Aber dann sollte auch die eine Erkenntnis mit der anderen in Zusammenhang gesetzt und die Schutzgehölze in der Agrar-Landschaft mehr gewertschätzt werden.
Stattdessen geht derzeit unbeirrbar das Säge- und Schredder-Unwesen um, als wäre öffentlich nie über verändertes Tierverhalten, Artenschutz, Klimaveränderungen, Bodenerosion nachgedacht worden.
Es liegt ganz offensichtlich nicht „am bösen Wolf“, wenn Rehe und andere Tiere aus der Landschaft verschwinden.

Fotos vom 16. Januar 2020 in der Feldmark bei Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

20 Gedanken zu “Ein kleines Rudel Rehe

  1. Die Wahrheiten liegen bei diesem Fall wie so oft irgendwo in der Mitte. Das die Rehe sich im Winter zu größeren Gruppen sammeln und über die Felder ziehen ist ganz normal. Das sie dabei auch Jagdreviere verlassen, sollte dann auch normal sen. Und der Wolf würde sich auch nicht so ausbreiten, wenn es reichlich Nahrung geben würde. Und die besteht zum Großteil aus Wild. Mich interessiert das Thema Hecken sehr, die sind unheimlich wichtig. Aber die Rehe sind sehr Anpassungsfähig. Denen reichen selbst minimale Restbestände von Hecken. Da sind 80% der anderen Tierarten schon verschwunden und das Reh kommt immer noch klar.

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    • Den Rehen mangelt es tatsächlich an nichts, schon gar nicht in diesem saftiggrünen Winter. Es geht mir um das Gejammer der Jagdbetreibenden, die hier in der Gegend nicht wohlhabende Fremde von Sonstwo sind , sondern vorwiegenddieselben, die auch Landschaft bewirtschaften, und dennoch 1 + 1 nicht zusammengezählt bekommen, nicht einmal da, wo ihre umfassenden Interessen eigentlich genau deshalb dazu geeignet wären.

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  2. Landwirte sind Landräuber. Bei uns im Kreis sind über 200 ha Stück für Stück von Wegen und Rändern umgepflügt worden. Bei Google gibt es neben den aktuellen Karten auch Bider aus vergangenen Jahren: Da können einem die Tränen kommen. Bauern handeln nach der Regel, dass jeder Busch Schatten wirft und damit den Ertrag mindert… Übrigens: Rehe sind eigentlich Einzelgänger. Nur im Winter schließen sie sich zu kleinen Gruppen zusammen (in der Jägersprache heißt eine Gruppe Rehe nicht „Rudel“, sondern „Sprung“).

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  3. Bei uns nimmt landwirtschaftliche Nutzfläche stetig ab, sowohl durch Überbauung aller Art einerseits als auch durch Aufforstung oder durch Umwandlung in ökologische Ausgleichsflächen o. ä. andererseits.
    Das Problem der ausgeräumten Landschaft aufgrund landwirtschaftlicher Aktivität ist dagegen bzw. teils auch deswegen hier derzeit nicht (mehr) so dramatisch.

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      • Bin mir gar nicht so sicher, was schlimmer ist: der „Flächenfraß“ durch Bebauung/Versiegelung (mit – auch längst nicht vollständigem – Ausgleich durch teilweise Aufgabe/Extensivierung von Äckern, Wiesen und Weiden) oder Ausräumung der wenigstens noch weiten/offenen/unversiegelten Landschaft bei euch.
        Ein guter Mittelweg wäre am besten ..

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        • Den gibt es nur auf dem Papier. Im Grunde bestätigst du dies sogar mit deinem Beitrag: Die sogenannten Ausgleichsflächen, die beispielsweise beim Errichten von Windkraftanlagen oder neuen Gewerbeflächen wie z.B. eine Gross-Stallanlage oder einen Hühnermastbetrieb vorgeschrieben werden, sind nicht in der unmittelbaren Umgebung der – ich nenne es mal neutral – beanspruchten Fläche vorgeschrieben, sondern werden irgendwo im gleichen, grossflächigen Verwaltungsbezirk vorgenommen, etliche Kilometer weit entfernt, so dass die Natur und die Bevölkerung vorort, die durch die Neuanlagen eines Stücks Natur beraubt wird, diesen Augleich gar nicht bekommt, sondern irgendeine andere Gemeinde.

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