Scheinbar zart

Als besonders zart empfand ich die hellen Pilzmücken Mycetophilida spec., bis ich endlich erkennbare Bilder fotografieren konnte, auf der Oberfläche von Austern-Seitlingen Pleurotus ostreatus sitzend. Mit dem blossen Auge gesehen wirken sie in der schwirrenden, aber geräuschlosen Bewegung mit ihren hellen Körpern im Licht geisterhaft und fast konturlos, erst die 1×10-Vorsatzlinse hat mir ein Bild beschert, auf dem Details wie die dunklen Augen oder die typischen „Häkchen“ an den Beinen zu erkennen sind, und auf einmal wird auch erkennbar, dass sie eigentlich einen sehr kräftigen Thorax haben, mit einem beachtlichen Buckel obendrauf.

2019-12-21 LüchowSss Garten 1x10 Pilzmücke (Mycetophila spec.) auf Austern-Seitling (Pleurotus ostreatus) (3)

Während die Flügel der oben auf dem Einzelbild sichtbaren Pilzmücke keine auffälligen Marken tragen, ist hierunter, auf dem weniger deutlichen Bild links, eine Pilzmücke mit je einem dunklen Punkt auf jedem Flügel zu sehen, demnach vermutlich eine andere Art und von denen gibt es in Europa etwa 1000 verschiedene, mit Unterarten. Beim Nachlesen zum Thema fand ich > hier auch endlich eine Erklärung für die vermeintlichen Spinn-Fäden, die einzeln und ohne Netze zu formen, von den Schirmen der Austernpilze hängen – zu sehen auf dem Bild rechts daneben. Diese Fäden werden höchtswahrscheinlich gar nicht von Spinnen produziert, sondern von Pilzmückenlarven.

Larven dreier Unterfamilien (Mycomyinae, Sciophilinae u. Leiinae) erzeugen aus Schleim oder aus Seide meist zusätzlich mit klebrigen oder giftigen Tröpfchen besetzte Fäden, um damit Beute zu fangen. Die Larven erwarten das Ereignis in der Nähe ihrer Fäden, in einem Unterschlupf und fressen dort ihre Beute. Nach etwa zwei Wochen ist die Larvenentwicklung abgeschlossen, eine Verpuppung findet nahebei statt. Pilzmücken überwintern vorwiegend im Larvenstadium, aber auch als Imagos mit einer Lebenserwartung von 10 bis 20 Tagen, während derer sie sich in der Nähe der Eiablageplätze paaren. Die Eier werden, je nach Art, auf Pilzen oder im Boden abgelegt.
Fotos vom 18. und. 21. Dezember 2019 an der abgestorbenen Eiche im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen. Zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder anklicken.

6 Gedanken zu “Scheinbar zart

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