Nebulose Muster

Die abgestorbene Eiche stellt sich immer mehr als wunderbar lebendiger Ort heraus, vor allem in Bodennähe ist einiges los, wenn der Bereich von der Sonne erwärmt wurde. Gestern war ein sonniger und nahezu windstiller Tag, so dass ich wieder hervorgelockte kleine Lebewesen fotografieren konnte. Die Schönheit der Muster in Erd- und Rindenfarben ist mir beim Fotografieren gestern noch gar nicht aufgefallen, denn durch die Bewegungen des Insekts verwischten alle Konturen tarnfarbig mit dem Untergrund. Ich folgte nur knipsend den Bewegungen eines Wesens, das ich später hoffte, in Ruhe bestimmen zu können, was vor mir über die Flechten auf der Eichenrinde krabbelte:

2019-12-21 LüchowSss Garten 1x10 Sphragisticus nebulosus an der Eiche (1x3)

Einen lateinischen Namen kann ich nach einigem Herumsuchen nennen: die Wanze heisst Sphragisticus nebulosus, einen deutschen Namen gibt es anscheinend nicht, aber immerhin einen Wikipedia-Artikel zur Art > hier und einen noch besseren, auch wegen der Fotos, auf einer Seite, die sich eigentlich den Wanzen im Ruhrgebiet widmet > hier, aber der passt, weil die Art viel weiter verbreitet ist. Sie kommt sowohl in Nord-als auch in Mitteleuropa vor, Innerasien und Sibirien, aber auch in Nordamerika. In West- und Südeuropa fehlt sie zum Teil. Auch innerhalb Deutschlands ist Sphragisticus nebulosus nicht gleichmässig vertreten, sondern hauptsächlich im Norden und Osten, nach Südwesten hin weniger häufig. Nachdem Lüchow-Dannenberg in vielerlei Hinsicht beim Vorkommen von Arten sowohl zum Norden als auch zum Osten zählt, ist das kein sensationeller Fund, aber seit ich mit der 1×10-Vorsatzlinse auf dem Objektiv durch den Garten streife, entdecke ich einiges, was mir vorher entgangen ist.
Fotos vom 21. Dezember 2019 im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

5 Gedanken zu “Nebulose Muster

  1. Mimikry- nennt man diese Anpassungsfähigkeit nicht so? Ist hier perfekt!
    Manchmal treibt mich die Frage um, wozu all diese Geschöpfe auf der Welt sind (und immer mehr verschwinden…)?

    Gefällt 1 Person

    • Die Anpassungsfähigkeit an das Aussehen anderer, wehrhafterer Tiere wäre das, aber ganz gleich woran, es geschieht, um andere zu verwirren, und das erstaunt mich, wie Tierarten, denen man Absicht kaum zutrauen kann, so etwas gelingt.

      Eine Balance-Aufgabe, bei der im Laufe der verschiedenen Erdzeitalter immer mehr „Klötzchen“ zum Gleichgewicht beitragen, eine Art ökologisches, biologisches Jenga stelle ich mir vor.
      Hoffentlich zieht der Mensch im derzeitigen, erdgeschichtlichen Abschnitt nicht zuviele Klötzchen aus der Basis, nur weil er zu hoch hinaus will.

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