Wie eines zum anderen kommt

An diesem Artikel sitze ich schon einige Tage, unschlüssig, ob ich ihn abbrechen oder beenden soll, aber das „Wort des Tages“ bei Frau Wildgans, „Aufbruch“, nehme ich nun als Zeichen.
Auslöser für den Beitrag war ein anderes Wort, nämlich „Krasselkiste“, von mir verwendet in einem Blogkommentar, und das Nachdenken über dessen Woher. Meine Familiengeschichte bietet viel Raum für Möglichkeiten, und womöglich bereiteten die allgemeinen Novemberfeiertage sowie die aktuellen Wortspenden der ABC-Etüden (Himmelsleuchten, recycelbar, ausreisen) > hier einen Stimmungs-Nährboden – so kommt eins zum anderen.

Das Fraktalprogramm Apophysis lieferte die abstrakt aus dem Dunkeln heranschwebenden Teilchen, um meinen Wortschatz zu verbildlichen, ein Konglomerat aus Hochdeutsch mit selbstgesammelten Dialektworten und vererbten Familien-Ausdrücken, eine sprachliche Krasselkiste, aus der oft auch Beinahevergessenes oder Wunderliches auftaucht.
Auch „Krasselkiste“ ist so ein Wort!
In unserer Familie meint es offene Kisten, in dem man unsortierten Kleinkram aufbewahrt: Chaos mit System, ob Spielzeug oder Kleinteile im Werkzeugschrank, was man eben so aufbewahrt.
Krasselkisten werden lärmend durchsucht, das Darinkrasseln wird zum heimeligen Geräusch, an dessen Such-Rythmus ich sogar vertraute Personen erkennen konnte, ohne sie dabei sehen zu müssen, ob Vater, Bruder die eigenen Kinder, der Ehemann … das mag den lautmalerisch wirkenden Namen begründen.
„Krassel“ selbst kenne ich als ein Wort für Herumliegendes, das aufgeräumt gehört.

Passend dazu fand ich in einer Mundartliste des Ostpreussischen „krasseln“ als „aufräumen“ definiert. Woher es in die korrekt > Niederpreussisch genannte Mundartgruppe gekommen ist, wurde leider nicht erklärt. Niederpreussisch ist wie ein sprachlicher Eintopf aus Zuwandererdialekten der Siedler im damals preussischen Osten, worein sich aber auch weitere Sprachen des Baltikums, Polnisch, Jiddisch und gelegentlich Französisch mischten.
Mein Vater und seine Mutter haben als Ostpreussen- bzw. Pommernflüchtlinge viele Ausdrücke mitgebracht und mit Selbstverständnis im ansonsten hochdeutschen Alltagsgebrauch bewahrt. Siegfrid Lenz‘ masurische Kurzgeschichten „So zärtlich war Suleyken“ las ich früh, ganz so, als wäre es eine Art Kinderbuch: sogar Lakritz kommt darin vor.

Kinderreichtum und Mangel an Wohlstand sorgten vielfach dafür, dass sich die Nachkommen einer Familie weit verstreuen musste, um ein Auskommen zu finden, so fand ich das in verschiedenen Familienunterlagen wiedergespiegelt. Beim väterlichen Zweig wurde quer durch sämtliche Landschaften des östlichen Königreichs Preussen gelebt, gearbeitet und geheiratet, sowohl in Küstennähe als auch im Binnenland von Pommern, West- und Ostpreussen. Deutsche und polnische Familiennamen fanden zusammen und gesprochen wurden beide Sprachen, in den ländlichen Gutshofumgebungen lebte man mit Deutsch als Hauptsprache, aber mit Polnisch nebenbei, und für die auf einem Gut Tätigen oder Beamte waren gelegentliche Ortswechsel üblich.
Mit solchem Wortgepäck und biografischen Erfahrungen kamen mein Vater und seine Mutter nach dem Krieg in die Altmark, dem westlichen Teil der Mark Brandenburg. Dort lernte mein Vater meine halb altmärkisch-, halb thüringischstämmige Mutter kennen und ihr verwandtschaftlicher Hintergrund ist nicht weniger bunt.

Die Eltern ihrer Mutter fanden Ende des 19. Jhs. durch ihre Anstellungsverhältnisse in Erfurt zusammen, beide stammten aus je mehreren Handwerker-Generationen im Thüringer Becken einersseits, im Thüringer Wald andererseits. Mitsamt ihrer ersten Tochter zogen sie als Hausangestellte im Gefolge einer Herrschaft für einige Jahre nach London, England. Die Kleine spielte „in einem Haus am Fluss“ und bekam dort zwei Geschwister.
Kurz bevor Queen Victoria starb, ging die Familie nach Hamburg, um darauf zu warten, sich vom in England verdienten Geld Schiffsplätze erwerben zu können und schliesslich nach Ohio in Amerika auszuwandern, wie schon Verwandtschaft meiner Urgrossmutter aus Friedrichroda im Thüringer Wald.
Stattdessen wurde in Altona ein weiteres Kind geboren und anstelle einer inzwischen viel zu teuer gewordenen Auswanderung mit vier kleinen Kindern kauften die Eltern vom Ersparten ein schmales Haus mit einem kleinen Laden in Buxtehude. Dort heiratete meine Grossmutter Anfang der 20er Jahre einen jungen Mann von der Baugewerkschule und zog mit ihm in seinen Herkunftsort, in die Altmark.
Auch diese angeheiratete Handwerkerfamilie war nicht nur sesshaft, einer meiner Ururgrossväter kam im zu seiner Zeit noch hannoverschen Dahlenburg an der Elbe zur Welt und gelangte durch Eheschliessung mit einer Altmärkerin wieder in die Altmark zurück, woher sein Vater oder Grossvater Ende des 17. oder zu Beginn des 18. Jhs. gekommen war, da sind die Angaben ungenau, aber Handwerker aus Baugewerken zogen oft in andere Ortschaften, um beispielsweise nach Stadtbränden dort Arbeit zu finden, vor allem, wenn in ihrer damals noch von Zünften reglementierten Heimatstadt für weitere Handwerker kein Platz mehr war.

Zurück zu meinen Eltern, die zu Beginn der 50er Jahre aus der gerade gegründeten DDR in den Westen gegangen sind. Mein Vater musste seine komplette, in der SBZ absolvierte Ausbildung wiederholen, während meine Mutter aus demselben Grund nur den ersten ihrer erlernten Berufe ausüben konnte. Mein in Worms geborener, älterer Bruder konnte „babbeln“ wie seine pfälzischen Sandkastenfreunde, ich dagegen wurde nach einem erneuten Umzug in einem Dorf in der Lüneburger Heide ins niedersächsische Hochdeutsch hineingeboren. Vielleicht hatten wir auch deshalb später das Gefühl, zwei verschiedene Kindheiten gehabt zu haben.
Nach einem weiteren Umzug ins Wendland, wenige Jahre später, war ich alt genug, um zunächst vor dem Radio – „Hör mal’n beten to“ im NDR hörte ich gern – und später auch direkt ’n beten Plattdüütsch aufzuschnappen. Wollte man die Eltern- und Grosselterngeneration der umliegenden Dörfer verstehen, mit denen man auch als Zugezogene immer wieder in Kontakt kam, musste man sich auch als Nichtlandwirtskind wohl oder übel hineinhören.

Im Erwachsenenleben wurde es noch exotischer. Vom ersten längerjährigen Partner bekam ich eine grundlegende Einweisung ins Allgäu-Alemannische, erweiterte es später durch meinen heutigen Ehemann um das Badische und lernte in vielen Münchner Jahren Baierisch. Im österreichische Burgenland sammelten wir burgenländische und wienerische Redewendungen. Sogar einige Wort-Souvenirs aus Ungarn finden sich gelegentlich in Gesprächen wieder, wenn wir über die Zeiten dort sprechen. Kurioserweise beinhaltet auch die Familiengeschichte meines Mannes dieses gewisse Hin und Her. Ein Grossteil der Vorfahrenschaften väterlicher- und mütterlicherseits bewegte sich zwischen Schwarzwald, Pfalz und Bodensee, aber zudem hat er auch eine Grossmutter mit mehrere Generationen langer Herkunft aus Eisenberg in Thüringen, von den Hauptherkunftsorten meiner thüringischen Verwandtschaft nur rund hundert Kilometer entfernt, sowie aus der Umgebung von Schwarzenberg im Erzgebirge.

Meine Idee ist, dass es sich über lange Zeit in der Familie vererbt und tradiert, ein festverankertes Heimat-Gefühl nicht als erstrebenswert zu vermitteln, sondern stattdessen, dass Aufbruch und Neuanfang zum Leben gehören. Ich sah schon mehrfach Partnerschaften an gegensätzlichen Auffassungen von Aufbruch oder Bleiben scheitern. Andererseits kommt mir nach verschiedenen Begebenheiten inzwischen vor, als sammelten sich eigene und vererbte Lebenserfahrungen nicht nur im Wortschatz, sondern auch in einem wirklich Ungreifbaren, als gäbe es eine Anziehungskraft zwischen Menschen mit ähnlichen Geschichten.

Wie verhält es sich bei mir mit „Heimat“? Ich empfinde mich als viel zu distanziert zu etwas, das sich wandelt und halte darum, wie erlernt, nichts fest genug, um nicht nach etwas Neuem zu greifen, wenn es notwendig wäre, statt mich dem zu verweigern. In eher allgemeinen Typen von Landschaften oder Umgebungen fühle ich mich wohnlich-wohl oder nur für Urlaub interessiert. Licht, Gerüche, Sprachklänge können mir sofort liegen oder ohne bewussten Grund widerstreben. Hier, wohin ich zurückkehren wollte, als vor einigen Jahren alles offen war, habe ich eine Geschichte mit meiner Umgebung, auch wenn es nicht einmal eine längere ist als anderswo, aber meine Wahl war eher rational als im eigentlichen Sinne heimatverbunden, und meine Identität hängt nicht davon ab, unbedingt hier sein und bleiben zu müssen. Momentan bin ich allerdings froh, dass es keinen Grund für Veränderungen gibt.
Unsere Kinder sind nicht anders aufgewachsen, es ist wahrscheinlich, dass auch ihre Geschichten davon geprägt werden. Sollte ein Schlusswort erwartet werden, ist es eine Vermutung: „Fortsetzung folgt“.

30 Gedanken zu “Wie eines zum anderen kommt

  1. Ich bin sehr froh, dass Du den Artikel nicht abgebrochen sondern hier lesbar gemacht hast. Danke. Ich erkenne vieles wieder. Wenn auch familiär westlicher, in Eifel und am Niederrhein, geprägt und angewurzelt, nie so ganz verwurzelt… beheimatet wohlmöglich immer erst dann irgendwo wenn von dort fortgegangen… Heimat nicht als Ort sondern als Gefühl… Viel zum Nachdenken gibt mir Dein Erzählen. Nochmals: Danke!

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  2. Sehr interessante Hintergrundgeschichte zu einem schönen Begriff.

    Das mit der Heimat geht mir ähnlich. Ich kann auch nicht den einen Ort ausmachen. Es gibt Orte, die mit meiner Lebensgeschichte verbunden sind und wo ich mich heimatlich fühlen kann.

    Ich kenn die Begriffe ‚Kruscht‘, ‚Kruschtelkiste‘, ‚kruschteln‘. Wo ich das genau her hab, kann ich gar nicht sagen.
    Aus dem Fränkischen gibt es noch ‚Graffel‘. Das ist aber eher negativ konotiert.
    Ich jab auch schon ‚Krabbelkiste‘ gehört.

    Von einem Professor der Uni Augsburg gibt es den Deutschen Sprachatlas. Der sammelt solche regionalen Varianten. Das ist sehr spannend.

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    • Ja, so ist das von dir auch gut beschrieben, das erkenne ich für mich wieder.
      Kruscht und G’raffl (eigentlich würde ich es am liebste mit „i“ hinten schreiben) kenne ich aus Bayern, in etwa gleichwertig, das Kruschteln als Herumsuchen, Kramen, etwas positiver, aber mehr selbstvergessend als zielstrebig.
      Den Sprachatlas kenne ich, der birgt eine Menge interessanter Überraschungen.

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      • Dann hab ich Kruscht vermutlich auch von meinen Eltern geerbt. ☺

        Das stimmt. Einige Varianten sind doch sehr speziell. 😊 Auch wenn ich an dem Lehrstuhl studiert hab, konnte ich leider nie an dem Projekt mitwirken.

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  3. Habe ich sehr gern gelesen, Puzzleblume, wie jedes Thema so behandelst du auch dieses so sorgsam-systematisch, mit geradezu wissenschaftlichem Geist, und doch auch sehr persönlich, dass es eine Freude ist zu lesen. Es regt mich an die eigene Biografie parallel dazu zu lesen.
    Natürlich freue ich mich, dass mein „Krimskrams“ Pate stand bei deiner von Sonjas Aufbruch-Wort angeregten Geschichte.
    Inhaltlich machte es bei mir vor allem Klick bei: “ … als gäbe es eine Anziehungskraft zwischen Menschen mit ähnlichen Geschichten.“ Das habe ich nämlich auch schon oft empfunden, ganz unabhängig vom Wortschatz. Ganz grob über mich selbst: sowohl mein Mann als auch ich stammen aus Familien mit je drei Kindern, mit früh verwitweten Müttern, deren Leben als junge Frauen von Kriegs- und Nachkriegserfahrungen geprägt wurden. Dass die eine Geschichte in Griechenland, die andere in Deutschland ablief (wobei die beiden Länder miteinander im Krieg lagen), war anscheinend nicht so erheblich wie der geheime Gleichklang zwischen uns, der natürlich nicht nur darin bestand, sondern sich auf viele Gegenstände bezog und bezieht…..

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  4. Ich fange einmal am Anfang deiner faszinierenden Geschichte an, mit der „Krasselkiste“, die bei uns „Kruschkiste“ hieß und das Verb dazu war kruscheln, es gab das ganze auch als Kramkiste und kramen, woher welches Wort stammte weiss ich nicht, ich habe wenig Möglichkeiten zu recherchieren, da die meisten nicht mehr leben und wenig bis gar nichts Geschriebenes hinterlassen haben.
    Gestaunt habe ich über „Lakritz“ – ja, gibt es denn ein anderes Wort dafür?
    Gemeinsam haben wir die Zugvogelmentalität, auch meine Großeltern und Eltern zogen von hier nach dort, fanden sich, separierten sich und mein Bruder und ich machten es nicht anders und unsere Kinder folgen diesem System der nicht wirklichen Sesshaftigkeit. Vielleicht ist es so, wie du schreibst, dass „man“ sich findet, ich kenne nur sehr wenige „Sesshafte“. Selbst habe ich mittlerweile schon Sehnsucht nach einem Ort an dem ich bleibe, aber bislang ist er nicht in Sicht. So bleibe ich eben ein Zugvogel.
    Danke für diese Geschichte von dir, die ich sehr gerne gelesen habe, die Erinnerungen wach ruft und gleichzeitig verbindend wirkt.
    Herzliche Grüße
    Ulli

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    • Der Satz „klickt“ (wie Gerda es zuvor nannte) nun bei mir: „… ich kenne nur sehr wenige „Sesshafte“ – den würde ich meinerseits im Sinne von „wenige, bei denen Nähe entstanden wäre“ ergänzen.
      Es scheint sich schnell zu offenbaren, das für die Festverwurzelten befremdlich Zugvogelhafte, man versteht sich nicht.
      Mir scheint, dass selbst ein gefundener Wunschort letztendlich zwar befrieden kann, aber die Persönlichkeit nicht mehr ändern wird. Vielen Dank, Ulli!

      p.s: zum Lakritz / zur Lakritze hätte ich noch den südlichen „Bärendreck“ anzubieten, da merkt man gleich, das es in der Beliebtheit her eine nördliche Angelegenheit ist 🙂

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      • Bärendreck ist immer noch sehr gebräuchlich, im Allgäu wie im Bayrischen Wald und auch in Österreich, wo man sie im Burgenland um das Jahr 2000 herum in der Kleinstadt nicht einmal zu kaufen bekam. Meine Mutter musste mir ein Care-Paket schicken, weil sich mein Schwangerschaftsgelüst nicht auf Gurken, sondern Lakritz kaprizierte. 😀

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  5. Äußerst interessanter Beitrag, den ich sehr gern gelesen habe und der dabei andockt an vieles, das mir seit langem, aber dieser Tage besonders, im Kopfe herumgeht.
    Krasselkiste ist mir übrigens neu, aber ich mag den Begriff. Vielleicht hält er demnächst auch mal Einzug in Berlin.
    Liebe Grüße
    Ines

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    • Es sind offenbar gerade solche Tage. Vielen Dank, Ines!
      Könnte übrigens gut sein, dass es in Berlin eine ungeahnte Menge von Krasselkisten-Kennern gibt. Wie ich im Rahmen meiner Familienforschung fand, gab es schon früher viele pommern- und ostpreussenstämmige Familien dort, weil das schon im frühen 20. Jh. „die“ Stadt war, in die man wollte, wenn man vom Land weg wollte. Die Zug- und Postverbindungen selbst in den hintersten Zipfel waren grossartig, man fuhr ganz selbstverständlich und sogar die Post mit Briefen, Karten und Tageszeitungen verkehrte tagesaktuell, weil zweimal am Tag, man konnte sogar am selben Tag hin- und herantworten – heute für die Post unvorstellbar.

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      • Das stimmt, Berlin war schon immer eine Stadt der Zuwanderung; es gibt sogar den Spruch, der „richtige“ Berliner sei nur der Zugereiste.
        Ich selbst stamme ursprünglich ja aus Halle, und ein Vorfahre wanderte aus Masuren aus, von wo aus wohl sehr viele Auswanderer auch ins Rheinland gelangten, weil da gerade Arbeiter gebraucht wurden.
        Aber jetzt bin ich ja doch ins Schwatzen gekommen 😉

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    • Auch ein herrliches Wort, ich bekomme sofort Bilder und Gerüche von Bindfäden, Schlüsseln, Gummibändern, Büroklammern, gestreiften Bleistiftstummeln und verirrten Knöpfen … Danke, Birgit.

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  6. Gerne weise ich Dich in diesem Zusammenhang auf ein sehr interesssantes und erhellendes Sachbuch hin.
    „Das bleibt in der Familie“ von Sandra Konrad.
    Sandra Konrad vermittelt in einfühlsamer und klarer Sprache Einsichten in verborgene familiäre Wirkmechanismen, generationenübergreifende emotionale Wechselwirkungen und Schicksalskreisläufe.
    Mit unserer Geburt betreten wir die Bühne unserer Familie, und wir werden Teil einer Familiengeschichte, die schon lange vor uns angefangen hat. Es gibt leichte und schwere Rollen, komische und tragische Ereignisse, Liebe und Haß, Gebote und Verbote, Geheimnisse, Konflikte, Scham und Schuld, Traditionen, Tabus, ausgesprochene und unausgesprochene Erwartungen, Enttäuschungen, Verletzungen, Heilungen, Träume und Hoffnungen – wir haben unsere familiäre emotionale Mitgift. Die Zeitschichten und Lebensläufe verschiedener Generationen überschneiden sich mit unserer Gegenwart und nehmen auf sie Einfluß. Der Fachbegriff dafür heißt transgenerationale Übertragung.
    Herzlich grüßt
    Ulrike von Leselebenszeichen

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  7. Ein sehr schöner und spannender Beitrag, der mit einem (für mich) lustigen Wort beginnt und so persönlich endet. Sprache ist ein so faszinierendes Gebiet, aber ich glaube, ich habe noch nie bewußt eine damit verknüpfte Familiengeschichte gelesen (ich hoffe, du verstehst, was ich damit meine). Deine letzten Worte erinnern mich an Hesses Gedicht von den „Stufen“ und ich finde es sehr positiv, daß du offen für „neue Orte“ bist. Gut, wenn man loslassen kann! Ich entdecke Ähnlichkeiten, auch in unserer Familie war viel Bewegung und dieser Geist wurde auch uns mitgegeben und ist zum Teil noch verbreitet. Nach meinen „Reisezeiten“ in jüngeren Jahren von Nord nach Süd nach Mitte freue ich mich heute an meiner Sesshaftigkeit und genieße das Netzwerk und die Vertrautheit, die nach so langer Zeit entstanden sind. Gleichzeitig sind viele meiner Freunde über die gesamte Republik verteilt. Deshalb würde ich es trotzdem nicht ausschließen, noch einmal woanders hinzugehen, wenn ich mich dort wohlfühlen würde. Ich muß allerdings auch an eine Freundin denken, deren Familie immer schon in einem begrenzteren Umkreis ansässig war, was ich irgendwie erstaunlich fand. Landwirtschaft kann natürlich dazu beitragen. – Was die Sprache angeht: ein herrliches Thema! Krasselkiste. Das klingt für mich fast nach Zuckergebäck, irgendwas das knistert oder so 🙂 Bei manchen Ausdrücken frage ich mich auch manchmal, von wem ich die wann und wo übernommen habe. Kruschteln kenne ich aus dem Schwäbischen. Klöterkram oder Tüdelkram fallen mir noch ein…Wahrscheinlich muß ich in Zukunft jetzt immer an Krasselkiste denken 😉 Dein apophysisches Bild paßt sehr gut zu deiner Erzählung!

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