Acker-Witwenblume und Wiesen-Flockenblume

Mai und August waren immer die Monate der Mahd: in früheren Jahrzehnten konnte man mit Selbstverständlichkeit davon ausgehen, dass eine im August gemähte Wiese noch einmal emporwächst und grosszügig blüht, aber in diesen beiden trockenen Jahren 2018 und ’19 ist das Tempo so deutlich gedrosselt, dass manche Pläne zur Versorgung von Wildbienen & Co. mit neuem Wildblütenflor von gewohnten Wiesenblumen nicht mehr funktionieren.

Auf meinen beiden grossen Wieseninseln, auf denen ich gerade zum zweiten Mal das Ausbleiben des Wachsens und nur vergleichsweise mickeriges Blühen beobachte, stellt es sich an den kümmerlichen Blüten der Acker-Witwenblumen Knautia arvensis – Bild 1 mit Grossem Kohlweissling , den spärlich nachblühenden Wiesen-Flockenblumen Centaurea jacea – Bild 2 mit Sandbiene oder evtl. Hosenbiene, und sogar an denen ganz banaler Kratzdisteln – ohne Abb., leider überdeutlich dar. Als unverwüstlich geltende Wiesenplanzen kommen nicht mehr hoch, ihnen fehlt das Wasser für den Antrieb.

So mit der Nase darauf zu stossen, dass man bisher existierende Ratgeber für die Kultur von Wiesen in unseren Breiten nicht länger als verlässlich betrachten kann, und das in einer Region, die bis in das 19. Jh. ihr begehrtes Heu per Kahntransport über Jeetzel und Elbe regelmässig bis nach Hamburg verkaufte, ist ohne Übertreibung erschreckend. Das böse Wort von der Versteppung* der Landschaft betrifft nicht nur die Agrar-Flächen ausserhalb der Gärten.

Auch wenn ich das Thema „Wiese“ nur zum privaten Vergnügen beobachte, um einen kleinen Beitrag zum Erhalt von Wildflora und -fauna zu leisten und die Herausforderung, nach anderen Wildpflanzen, auch aus anderen Regionen, zu suchen, die den Umständen besser gewachsen sind und diese wenigstens bei mir im Garten anzusiedeln, interessant finde – im vorigen Beitrag waren einige zu sehen, die „können“, immerhin – bereitet es nicht wirklich Vergnügen.

Heute Nacht war es kalt hier bei uns, sechs oder sieben Grad Celsius nur, und darüber bin ich froh, dann schlägt sich wenigstens Tau nieder.

Fotos vom 11. September 2019, von den Wieseninseln im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

*Was bedeutet … > Wikipedia-Artikel: Versteppung

11 Gedanken zu “Acker-Witwenblume und Wiesen-Flockenblume

    • Leider nicht. Aber lieber ein bisschen kältebedingter Niederschlag, als nur Verdunstung, die der Wind woanders hinträgt. Das ist unser Hauptproblem, während dieser fast regenlosen Wochen, dass darüberhinaus Hitze und Wind auch noch wegnehmen, was besser in Pflanzen und Boden bliebe.

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  1. Ich spreche ja schon länger von der brandenburgischen Steppe und fürchte, das trifft es ganz gut. Ich laufe morgens über eine Fläche, wo immer schon Trockenrasen war mit den typischen Pflanzen. Dieses Jahr sehen die auch schon total mickrig und mitgenommen aus. Unser Sandboden hält aber auch kein Wasser, das fräst da eine Schneise rein und ist weg.

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    • Von Brandenburg ist es auch schon so bestätigt. Die „Streubüchse“ ist ja nicht so weit weg, das Wendland grenzt ja oberhalb der Elbe an Meck-Pomm und Brandenburg und der nördliche Teil der sachsenanhaltinischen Altmark ist auch eine sandige Angelegenheit.
      Der Sandboden hält das Wasser nicht, und darunter liegt hier oft eine Tonschicht, die verhindert, dass die Pflanzen so tief wurzeln, wie sie eigentlich könnten.

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  2. Es ist wirklich erschreckend. Ich hoffe immer noch, daß sich das wieder dreht. Wir können auch wieder 5 Monate Regen bekommen, aber es kann auch so weitergehen. Hatte Californien nicht 7 Jahre Dürre? Ich mag mir gar nicht vorstellen, was noch mit unseren Wäldern passiert. Und deine Beschreibung macht mich auch unruhig, wenn nicht mal diese widerstandsfähigen Wildblumen noch richtig zum Zuge kommen. Trotz allem tippe ich wieder auf einen feuchten Winter, aber der gleicht das andere wohl nicht mehr aus. Die Natur wird uns schon zeigen, wo es hingeht. In die Steppe oder…

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