Gras-Rasen ist überschätzt

Die Erfahrungen des Dürresjahr 2018 und die bei uns auch wieder fast ebenso trocken vergangenen Sommermonate 2019 zeigen anhand der grünbleibenden Stellen: Gras-Rasen ist einfach überschätzt.
Im Gegensatz zu konventionellen Rasen-Gräsern sind Flächen mit Kräuterrasen, die Schafgarben, Mausohr-Habichtskraut und andere mehr enthalten, im Vergleich mit den immerdurstigen, braun vertrocknenden Gräsern ohne grossen Aufwand an Wasser und Mühe gut gediehen.

2019-08-30 LüchowSssGarten Kleine Habichtskraut (Hieracium pilosella), auch Mausohr-Habichtskraut + Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium)+ Kriechendes Fingerkraut (Potentilla reptans)

Sie erfreuen das Auge mit Grün und das Insektenleben mit kleinen Blüten, wie zum Beispiel auf dem ersten Foto oben mit einem Gemenge aus Kleinem Habichtskraut Hieracium pilosella, auch Mausohr-Habichtskraut genannt, Wiesen-Schafgarbe Achillea millefolium und Kriechendem Fingerkraut Potentilla reptans, das hier auch gerade blüht, oder auf dem zweiten mit einem weichen Teppich mit einem beinahe vollständigen Schafgarben-Solo:

2019-08-30 LüchowSss Garten Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium)

Eine solche Rasen-Alternative spart nicht nur Wasser, sondern auch Arbeit. Meine rasenbewässernden Nachbarn werfen zweimal wöchentlich den Rasenmäher an, von anderen Arbeiten wie vertekutieren, Düngen, „Unkraut“- und Moosvernichten etc. und der zu behütenden Nachsaat bei entstandenen Löchern ganz zu schweigen. Die Mäh-Intervalle auf den kurzgehaltenen Flächen betragen dagegen in meinem Garten zwei bis drei Wochen, weil Kräuter wie Mausohr-Habichtskraut, Kriechendes Fingerkraut und weitere nicht oder kaum in die Höhe wachsen, sondern Teppiche bilden, während andere wie Schafgarbe, Echtes Eisenkraut, Feldthymian, Oregano und mehr sich dem Mähen, der Trockenheit und dem Weglassen von Dümgemittel anpassen, indem sie langsam- und zwergwüchsig werden. Sogar die manchmal himmelhohe Wegwarte lässt sich mähen und blüht dann an niedrigen Stängeln knapp über dem Boden.

Und überhaupt: Wieso eigentlich nicht auch die trockenheitsverträglichen Rosettenpflanzen wie Ferkelkraut, Wegeriche, Pippau und sogar Löwenzahn mit einbeziehen, statt sie weiter zu bekämpfen? Sie sind dauerhafter als Gras, bleiben ohne zusätzliche Bewässerung grün und blühen, wenn immer wieder gemäht, bald an kurzen Stängeln genauso insektenfreundlich wie eine Wildwiese, für die nicht jeder Platz im Garten hat, oder Lust auf eine solche – warum nicht umdenken?

Die beiden Fotos vom 30. August 2019 im Garten, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen, zum Vergrössern kann man sie noch anklicken.

27 Gedanken zu “Gras-Rasen ist überschätzt

    • Mit der einsetzenden Abkühlung und aufgrund der kühleren Nächte stärkeren Taubildung zeigen sich hier auch hier und da ein paar neue Spitzchen, und ich nutze die Gelegenheit, Samen mancher Pflanzen einfach aufs Geratewohl auszustreuen. Die wärmere Jahreszeit vor dem ersten Frost dauert ja noch lang genug.

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  1. Eine tolle Idee. Noch dazu gefällt mir so eine Wiese besser.
    Es klingt vielleicht makaber aber wir haben das Grab meiner Mutter mit unterschiedlichen Wildthymian Sorten bepflanzt. Dazu steht in der Mitte eine große und tiefe blaulasierte Schüssel, in der Pflanzen der Saison blühen.

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  2. Auf jeden Fall eine Alternative!
    In unserem Rasen breiten sich mehr und mehr Veilchen aus. Erst habe ich gegenangearbeitet, ausgestochen, rausgezogen… Jetzt lass ich sie. Die Blätter sind ganzjährig grün und im Frühjahr sind die vielen, vielen lila Blüten ein echter Hingucker auf dem etwas öden Winterrasen.

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  3. Solange es mir nicht in die nackten Füße schneidet, darf bei uns auch alles in unserem Mini-Rasen wachsen 😊 er ist so klein, dass wir gar keinen Rasenmäher habe, sondern ich ihn, wenn er zu hoch wird, mit so einem Fadenschneider absäbel. Aber ich lasse den Schnitt sogar drauf liegen, und er war den Sommer über viel grüner und vitaler als der der Nachbarn, der regelmäßig gemäht wird.
    Kannst du etwas empfehlen, was gut in Fügen zwischen Trittsteinen wächst und robust und vielleicht sogar duftend ist?

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  4. Ferkelkraut, was für ein Name!
    Mal sehen, was im Buch vom antiautoritären Garten über den Rasen Eures Nachbarn steht!
    Weißt ja, ich brauch für alles mindestens ein Buch…
    Gruß von Sonja

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    • Dann gefällt dir bestimmt auch der Kriechende Gänserich als weiterer Name für das Kriechende Fingerkraut! Diese Namen beschreiben vermutlich die Weidetauglichkeit. Wer Schildkröten oder kindergeliebte kleine Pelztieren im Garten ein Gehege gönnt, muss das ja wissen, damit sich den Ahnungslosen nicht problematischer Hahnenfuss vors Mäulchen schiebt.
      Der Garten des Nachbarn – ein mit Schneid- und Hackwerkzeugen aller Art regementiertes Bild des Drangsals.

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    • So ist es, und es wird hohe Zeit, das endlich als positives Zeichen zu sehen, dass es Pflanzen gibt auch die unter schwierigeren Bedingungen dem Bedürfnis nach Grün entgegenkommen. Diesen Sommer sind wir noch gerade eben daran vorbeigeschrammt, mit Wasserrationierungen leben zu müssen wie in Frankreich, aber weshalb darauf warten?
      Besser, man denkt vorher darüber nach, wie man die Wasserverschwendung einschränkt.

      Der teuer erkaufte Rasenschnitt ist an sich nichts wert, mulcht nur bei genug anhaltender Feuchtigkeit oder fliegt andernfalls trocken davon, oder ist beim Kompostieren ein schwieriger Kandidat, der nur mit Know-How, Tricks und Mittelchen den Kompost nicht überhitzt und seine Nützlinge tötet, oder das Ganze versäuert.

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      • Hätte ich einen Garten, würde ich a) mir nie die Mühe machen, den Klee, die Gänseblümchen und all die schönen Pflanzen zu bekämpfen, und b) nie den Rasen sprengen, denn das halte ich nicht für eine clevere Art der Bewässerung und das Wasser wäre den Pflanzen vorbehalten, von denen ich ernten möchte oder die für die Insekten blühen.
        Wir sind ja eh mit Regen nicht verwöhnt, daher wurde irgendwann verboten, Wasser aus den Gewässern zu entnehmen, mancherorts war sprengen ganz verboten. Ich hoffe, das überprüft auch jemand.

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        • Letzteres ist sehr zu hoffen. Bei uns war es bisher soweit noch nicht, und man kann seit Monaten zusehen, wie überall abgepumpt wird und auf die Felder niedergeregnet, oder direkt aus einem Loch unweit des einzigen Baumes auf einem Feld …

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