Und was, wenn doch?

Es war nicht leicht herauszufinden, welche seltsam geformten, kleine, weisse Tierchen sich am Stängel des Kandelaber-Ehrenpreis über grüne Blattläuse hermachen, aber schliesslich fand ich heraus: Es handelt sich bei ihnen um Larven des Australischen Marienkäfers Cryptolaemus montrouzieri.

Die Art wurde schon vor über hundert Jahren auf Zitrusplantagen in Kalifornien als Vertilger der Zitrusschmierlaus ausgebracht, und hierzulande ist sie im Handel für jedermann erhältlich, zum Einsatz in Gewächshäusern und anderen Innenräumen, und zwar als Vertilger von Woll- und Schmierläusen. In Ermangelung dieser Lieblingsnahrung fressen die Australischen Marienkäfer aber auch – wie von mir beobachtet – normale Blattläuse.
Bisher war man der Ansicht, dass der Australische Marienkäfer die kalten Temperaturen bei uns im Freiland nicht überlebe und sich im Gegensatz zum Asiatischen Marienkäfer im Freien nicht etablieren könne. Allerdings hat man die Geschwindigkeit der Klimaveränderungen wohl nicht ernst genug genommen: sie können es inzwischen!

Mehr über den Australischen Marienkäfer Cryptolaemus montrouzieri in deutscher Sprache lesen kann man auf der Seite des > www.oekolandbau.de zum Nützling, dort gibt es auch Temperaturangaben. In dem Beitrag von 2010 heisst es: „Aufgrund seiner hohen Temperaturansprüche stellt der Australische Marienkäfer sowohl die Nahrungssuche als auch die Nahrungsaufnahme unter 10 Grad ein; bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sterben alle Stadien ab.“
Weiteres Interessante findet man im > Wiki Hortipendium, hervorgegangen aus einer Idee des Fachausschuss Gartenbau im Verband der Landwirtschaftskammern.

Die Abwesenheit eines Wikipedia-Artikels zu dieser Marienkäfer-Art in deutscher Sprache verdeutlicht, wie wenig die Art bisher im deutschsprachigen Freiland aufgefallen ist bzw. diskutiert wird.
Beide Artikel enthalten keine Abbildungen der Larven, also ziehe ich den Wikipedia-Betrag auf Englisch auch noch heran > Wikipedia: Cryptolaemus montrouzieri, „Mealybug Ladybird“ oder „Mealybug Destroyer“ heisst er da und hier steht nun endlich auch zu lesen, dass er in den Ländern Südeuropas, in deren Zitrusfruchtplantagen Wolläuse eine Rolle spielen, sprich: Frankreich, Italien, Spanien, und Griechenland, schon längst zuhause ist.
Dann ist es ja nur noch eine Frage der Zeit und der günstigen Schlupfwinkel, wo der eine oder andere Australische Marienkäfer bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt überwintern kann, wie es all seine europäischen und asiatischen Verwandten auch tun.

Mein Foto ist vom 9. Juni 2019, im Garten aufgenommen, Lüchow im Wendland, Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.

13 Gedanken zu “Und was, wenn doch?

  1. Bald haben unsere heimischen Marienkäfer wohl keine Chance mehr, denn angeblich fressen die asiatischen Larven unsere Larven auf. Frisst aber unser Marienkäfer die asiatischen Larven, dann stirbt er.
    Ich werde noch ein wenig lesen…bei Wikipedia.
    Und wie kommen die Larven in deinen Garten ?

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  2. Der Käfer kann ja nix dafür, aber…. Internationale Austausche (Austäusche ? ;-) sind im Tier und Pflanzenreich echt problematisch. Und was, wenn die Blattläuse ausgehen? Da kommt sicher noch mehr auf uns zu. Gestern gabs so Nachrichten über eine Riesenzecke (bis zu 2cm), die hier jetzt vermutlich erstmalig überwintert hat. Brrr..

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  3. Ich erwähnte es gerade: die Blogsynchronizität! Die habe ich hier jetzt auch entdeckt. Da fällt mir ein, daß ich den Topf im Winter reingeholt hatte, weil die Pflanze, die eigentlich drin wächst, diese Japanische Scheinmyrrhe, nicht frostfest ist. So passierts! Ich hätte nicht gedacht, daß ich den Australischen Marienkäfer hierhabe. Früher habe ich lustigerweise den immer mit dem Asiatischen verwechselt. Na, jetzt paßts ja.

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    • Ich wusste bis vor kurzem überhaupt nichts von ihm und nicht, dass es den hier als Nützling zu kaufen gibt. Mir kamen nur diese Larven zu gross und zu beweglich vor für Wollläuse und googelte deswegen herum.

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      • Wie gesagt, ich hielt die Asiatischen für Australische. Einfach ein Wortdreher. Ich wußte auch nicht, daß die hier speziell gehandelt werden. Gut, daß du nachgesehen hast, ich hätte es für sonstwas gehalten.

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