Zwischen Korenlei und Bijloke ( am 5. Tag in Gent )

Nach meinem Ausflug nach Brügge hatte ich mir am 25. August 2015 wieder etwas in Gent vorgenommen. Weil das Wetter schön und sonnig war, machte ich mich zu Fuß auf zum Stadsmuseum Gent, kurz STAM genannt, oder auch Bijloke-Museum. Der Weg war zwar schon bekannt, aber dieses gewisse Gefühl einer erfreuten Vertrautheit auf einem Fussweg bei schönem Wetter ist ebenso schön wie eine Neuentdeckung.

Das erste Foto von diesem Fussmarsch ist von der Graslei zur Korenlei über die Boote auf der Leie hinweg fotografiert, mit dem Gildehuis van de Onvrije Schippers, dem Gildehaus der Unfreien Schiffer links im Bild, mit dem Segelschiffe als Wetterfahne – wenn man das Bild zum Vergrössern anklickt, kann man es erkennen. Auch die Burg Gravensteen ist darauf zu sehen, rechts im Hintergrund. Die zweite Aufnahme zeigt das Steinrelief eines grossen Handelschiffes auf dem Gildehuis van de Vrije Schippers, dem Gildehaus der Freien Schiffer auf der Graslei, denn auf diesem Ufer ging ich weiter zur Sint-Michielsbrug.

Michaelsbrücke und -Kirche habe ich ja schon ausgiebig fotografiert, aber es gibt immer wieder Kleinigkeiten, die erst beim nächsten und wieder nächsten Mal auffallen, und bei diesem Spaziergang war es das Schiffsthema, das mich begleitete: es gab noch ein weiteres Segelschiff, am Brückenpfeiler, und hinter der Brücke, unterhalb der Sint-Michielskerk lag ein kleines Boot auf dem Wasser, nur halb zu sehen, aber dafür passt sein roter Rand zum ebensolchen unter dem Dach der Kirche – so hatte ich es von der Predikherenlei aus gesehen, über die es weiter ging.

An der Predikherenbrug wechselte ich das Flussufer und fotografierte zuerst das reich verzierte grüne Haus aus dem 19. Jh. zu Beginn der Recollettenlei, dann auf dem Ufer gegenüber das ‚Gute-Laune-Bild‘, das mir trotz seiner Grösse und Farbigkeit bei meinem Besuch des Büchermarkts zwei Tage zuvor gar nicht aufgefallen war. Nur wenige hundert Meter weiter, kurz hinter der Recollettenbrug passten das rosa Kleid der Galionsfigur der Gentse Barge und die grünen Streifen auf dem weissen Schiffsrumpf, als wäre es ein beabsichtigter Effekt, dazu:

Das einem Prunkboot des 18. Jhs. nachempfundene Festschiff hat dort am Koophandelsplein seinen Liegeplatz unterhalb des Berufungsgerichtshofs, des Hof van Beroep.
Aber auch auf der Lindenlei genannten Seite gab es noch zwei weitere außergewöhnlich geschmückte Fahrzeuge zu Wasser und zu Lande zu sehen, ein mit roten Plastik-Anemonen geschmücktes Fahrrad und ein Gorilla, in Lebensgrösse, aber ebenfalls nicht echt, hockte im Bug eines angelegten Bootes, etwa auf Höhe der Einmündung der Ketelvaart :

Darüber hinaus gab es noch zwei weitere lebensgrosse Kunst-Figuren, eine Frau und einen Mann, beide im Begriff, ins Wasser zu springen. Die Frau steht auf Augenhöhe auf dem Balkon eines modernen 5-etagigen Hauses am Ketelpoort, als wollte sich von dort aus ins Wasser springen; um die Skulptur des im Sprung begriffenen Mannes auf einem Dach oberhalb der Lindenlei entdecken, muss man den Kopf richtig heben, um ihn zu sehen.

Beide Figuren scheinen in Beziehung zueinander zu stehen, als wären sie eine Installation zum Thema „Liebespaar – Mann und Frau auf dem Weg zueinander“, sei es nur vordergründig-sportlich, romantisch oder psychologischen Überlegungen darstellend … Dazu könnte man einiges erfinden, doch das männliche Pendant soll seine Startposition dort oben schon vor der Lady eingenommen haben, und während > Philippe Timmermans der Name des belgischen Künstler ist, der den Polyester-Mann geschaffen hat, stammt die Skulptur der „Diving Lady“vom britischen Künstler > Ronald Cameron .

Nach dem Überqueren der Coupure gab es am Albert Baertsoenkaai wieder ein Schiff zu sehen, sowie alte und moderne Architektur auf dem Ufer gegenüber des von knubbeligen Platanen gesäumten Bijlokekaais bzw. des ehemaligen grossen Kloster- und Krankenhausgeländes De Bijloke mit seinem orangebraunen Backsteingebäudekomplex im neogotischen Stil, der lange Zeit ein wichtiges Krankenhaus Gents gedient hatte, heute ist es zu einer Stätte für Kunst und Kultur geworden.

Die Strasse namens Bijlokekaai mündet in eine Kreuzung mit dem mehrspurigen Stadtring, der Godshuizenlaan genannten Abschnitt. Dort befindet sich endlich der Eingangsbereich des STAM / Stadsmuseum Gent und auch des Musikzentrums. Das Stadtmuseum war mein Ziel für die kommenden Stunden. Die Mangoldpflanzen wuchsen neben anderen Gemüsen in grossen Pflanzkübeln am Eingangsbereich, um an den Klostergarten des Zisterzienserinnen-Klosters mittelalterlichen Ursprungs zu erinnern.

Ebenfalls am Eingangstor zieht das grosse Öko-Kunstprojekt > „The Cocoon“ von Will Beckers aus dem Jahr 2014 die Aufmerksamkeit auf sich, das aus vielen in der Luft schwebend in einem Rahmengestell aufgehängten Reisignestern besteht, die zusammen mit Kindern geflochten worden sind. Anschliessend wurden zahlreiche kleine Kärtchen mit den Namen der Kinder und ihren Wünschen für die Natur geschrieben und daran befestigt. Das Ganze wird von verschiedenen Pflanzen geschmückt, die ebenfalls in Körben zwischen den Nestern hängen.

Das Projekt soll noch mindestens bis 2016 dort bestehen bleiben, aber ich fände es schön, wenn es noch wesentlich länger von Bestand wäre, denn es ist doch ganz klar, dass es nicht nur Kunst ist, sondern auch ganz real Blüten für Insekten und Nistplätze für verschiedene Tiere zu bieten hat, und wenn man den Kindern solche Zusammenhänge schon nahebringen will, sollte man es auch zuende denken.

Die nächsten Aufnahmen kommen direkt aus dem Museum, in einem neuen Eintrag. Diese Fotos sind vom Vormittag des 25. August 2015 in Gent – zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder anklicken!

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11 Gedanken zu “Zwischen Korenlei und Bijloke ( am 5. Tag in Gent )

        • Deine Aufmerksamkeit freut mich, denn gerade bei den unteren Sätzen merkt man oft, wer nur mit dem Reader oberflächlich darüberpaddelt, sein Like stempelt und Teile der Beiträge gar nicht gesehen hat 😉
          Danke auch für das Bilder-post scriptum, das tut gut, denn, es war ein ziemlich langwieriges Gepuzzle, daraus einen Eintrag zu basteln, in dem sie zusammenpassen.

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            • Die finde ich auch viel schwerer zu ordnen, weil man auf dem PC in jedem Fall automatisch Datiertes hat, was beim Eingrenzen hilft.
              Trotzdem mag ich solche Maulwurfsprojekte, vor allem, wenn sie mit einem Tschakka-Effekt ausgehen.

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              • kann ich Dir ggf. mal meine Bilder aus den Neunzigern schicken? da stehe ich mit Leuten am Rande des Grand Canyon, die (also die Menschen neben mir in einträglicher Umarmung) ich gar nicht einmal kenne – und auch (ich schwöre) meine, noch nie gesehen zu haben; vielleicht könntest Du mir da mal helfen? 😉

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                • Klar, die heissen alle Hedu.
                  Aber solange nicht die „Bitte-melde-dich“-Tante bei dir vor der Tür steht, um dir einen jungen Menschen als Frucht deiner Umarmungen vorzustellen, ist das doch im Nachhinein genauso zu vernachlässigen wie damals.

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                  • gut, dann hake ich das unter -unknewn- auf alle Zeiten ab! ausser, es gibt da noch eine Erbtante in den Weiten des grossen Kontinents; dann liesse ich mit mir darüber reden – sie doch wieder zu erkennen! OK so?

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  1. Schöne Bilder und ein tolles Projekt. Ja, das wäre in der Tat sinnig, es länger oder sogar dauerhaft dort zu belassen und somit etwas zu erschaffen, was Tier und Mensch zu Gute kommt. Kunst mit Natur verbinden. Warum muß man das wieder auflösen ? Jedenfalls eine schöne Idee, auch das mit den Wünschen der Kinder. Fast ein Wunsch“baum“.
    Der Mangold sieht auch prächtig aus !
    Alles zusammen eine gelungene Detail-Mischung 🙂

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    • So dachte ich auch. Was sollte an der Stelle Besseres kommen? Ich meine auch, dass die Wunschbaumidee da mit eingeflossen sein könnte.

      Gemüse kann auch auf dem Balkon schmuck aussehen und interessant blühen 😉

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