Der bunte Rest – meine letzten Bilder von Brügge

Mittlerweile war es früher Nachmittag geworden und ich war, bis auf eine kleine Waffelpause im Café auf der Wollestraat, seit elf Uhr vormittags in der Altstadt von Brügge unterwegs. Mein nächstes Ziel war, von der Moerstraat nahe der Speelmansrei zum Auto am Zilversteeg zurück zu finden, wenn auch nicht geradewegs so schnell wie möglich, denn nun war das Wetter endlich schöner.

Gleich auf der Ecke der Moerstraat mit der Ontvangersstraat habe ich die sitzende Madonna mit Kind im Stil des 18. Jhs. an einem Haus namens ‚t Onze Vrouwtje entdeckt, das im vorigen Jahrhundert nach dem Vorbild von 1626 rekonstruiert wurde. Die meisten anderen Häuser in der Strasse stammen ganz und gar aus dem 19. Jh.; geradeaus hatte ich einen Blick auf das eklektizistische „Grand Hotel du Sablon“ in der Noordzandstraat mit fünf Terracotta-Türmchen über dem obersten Fenster. Das Haus ist ein Entwurf des Architekten Louis Delacenserie von 1886.

Beim Haus Den Grooten Anckere mit Ursprung im 17. Jh. lag dessen Seite der Noordzandstraat für meine Fotos im ungünstigen Licht, aber es war zu bemerkenswert, um es wegzulassen, gerade weil hier wieder die runden „Bullaugen“ zu sehen sind, in diesem Fall nicht mit Mauerwerk und schmückenden Bildern ausgefüllt,sondern mit runden, bleiverglasten Fenstern. Das steinerne Bild vom buchhaltenden Engelchen ist eines von den Tafeln, mit denen bei der Wiederherstellung 1907 die ursprünglichen Kartuschen des Treppengiebels in der barockisierenden Fassade ersetzt worden sind.

Die nächsten beiden Fotos zeigen drei unscheinbar kleine „Treppchen“ aus dem 17. Jh., ebenfalls in der Noordzandstraat. Das Häuschen direkt an der Noordzandbrug über die Smedenrei, in dem sich heute ein Imbiss befindet, enthielt auch um die Jahrhundertwende ein Geschäft. Auf einer alten Ansichtskarte habe ich es zufällig bei der Suche nach der Brücke mit einer anderen Adresse gefunden. Vor der Umgestaltung des ehemaligen ‚Vrijdagmarkts‘ in den Platz ‚t Zand, lautete sie zwischen 1838 und 1948 Place de la Station Nr. 4, weil es auf dieser Seite einen Bahnhof gegeben hatte. Der Laden der Fabrique de Poterie Flamande von G. Slootmans-Houvenaeghel ist > hier unverkennbar.

Über die kleine Brücke beim kleinen Haus kam ich wieder auf den grossen Platz, dessen bronzenen > Brunnenskulpturen und das ziegelrote > Concertgebouw ich vormittags schon einmal ausgiebig fotografiert hatte: ‚t Zand. Bei freundlichem Wetter war der Charme der daran aufgereihten Strassenterrassen der Cafés und Restaurants hinter der Allee deutlich, die Bäume schirmen sie von der etwas ungemütlichen Weite des Platzes ab. Hier stand auch noch ein alter roter Briefkasten.

Zum Schluss erreichte ich eine vertraute Stelle, an der ich, mit umgekehrter Blickrichtung, schon einmal gestanden hatte und sah vom Zand in die Einmündung der Zuidzandstraat hinein, wo hinter den drei spätgotischen Treppengiebeln aus dem 16. Jh., der eine mit gelblichem, die anderen beiden aus rotem Backstein gebaut, der graue Turm der Sint-Salvatorskathedraal wieder sichtbar wurde, wo mein Rund- und Zickzackweg durch Brügge seinen Ausgang genommen hatte.
Fotos vom Nachmittag des 24. August 2015 in Brügge, Belgien – zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder anklicken!

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7 Gedanken zu “Der bunte Rest – meine letzten Bilder von Brügge

  1. „…kleine Waffelpause…“ klingt schön und ist treffend. An diese Art von Pausen erinnere ich mich auch gern zurück. Zudem ein gelungenes Ende einer interessanten wie informativen Reise- und Bildreportage. Kompliment und Dankeschön für die Arbeit, die in der Aufarbeitung und den vielen Bildbeschreibungen nicht ohne war, wie ich vermute. Ich freue mich auf neue Ziele und auf den heimischen Garten samt Foto-Blüten und hoffe, das es Bongo auch gut geht.

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  2. Auch noch mal sehr schöne Detailaufnahmen zum Abschluß von Brügge. So ein kleines Giebelhaus würde ich glatt nehmen. Die sehen zu niedlich aus. Ich hab mal von Bekannten aus den Niederlanden gehört, die ja zum Teil auch sehr kleine Häuser haben, daß das Sofa gerade so ins Wohnzimmer ging. Ein Gast paßte auch noch rein. Beim zweiten Gast mußten sie sich dann vor die Tür setzen 😉
    Bei der Hausgröße muß man sich aufs Wesentliche konzentrieren. Vielleicht gar nicht mal so schlecht.

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    • Diese kleinen Häuschen sind bestimmt eine grosse gestalterische Herausforderung, weil einige als normal geltende Möbel und Geräte nicht hineinzubringen sind, weil oft auch die Treppen und Türrahmen zu schmal sind.

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