Der ‚Grote Markt‘ in Brügge

Zurück zu meinen Belgienbildern, zurück nach Brügge, genauer gesagt: in die Altstadt zum Grote Markt, zu dem mich die Wollestraat geführt hatte. Als grosser Marktplatz wurde er bereits im 10. Jh. der Brügger Stadtgeschichte erwähnt, mit seiner heutigen Ausdehnung und rechteckigen Form von über etwa einen Hektar gilt er als beschrieben seit dem 16. Jh., und so wirkt er nach all den schmalen Strassen sehr überraschend. Brügge hatte seit dem 12. Jh. direkt Teil am internationalen Handel, nachdem 1134 in Folge einer Sturmflut eine direkte Verbindung zur Nordsee entstanden war, und zu diesem Markt sogar eine direkter Wasserweg führte, so dass Brügge im 13. Jh. ein blühender Handelsort für Waren aus allen erdenklichen Ländern wurde. Im 13. Jh. wurde am südlichen Rand des Grote Markt mit dem Bau des Stadtturms begonnen, dem Belfried, bis zur Fertigstellung brauchte es allerdings, durch wiederholte und längerwährende Kriegsereignisse aufgehalten, ungefähr zweihundert Jahre.

Im Zusammenhang mit diesen kriegerischen Auseinandersetzungen steht auch das Denkmal auf dem Platz, das zwei städtische Heldenfiguren zeigt, Jan Breydel und Pieter de Coninck, denen man massgebliche Rollen in jener Zeit in der geschichtlichen Entwicklung Flanderns zuschreibt.
Ein weiteres grosses Kunstwerk auf dem Platz ist erst in diesem Jahr anlässlich der Brügger Triennale erstellt worden: das Diamondscope, von dessen Spiegeleffekten sich fast jeder Besucher des Platzes überrascht unterhalten fühlt. Mit vollem Namen heisst es 1:1 Connect DiamondScope und wurde vom norwegischen Künstler Vibeke Jensen gestaltet. Die Pferde der Touristenkutschen sollen anfangs damit Probleme gehabt haben, aber anscheinend haben sie sich mittlerweile daran gewöhnt, genau wie an herumfliegende Drohnen.
Bleibt noch das auffallend grosse, reich verzierte Gebäude am östlichen Rand des Platzes zu erklären: es ist der neugotische, zwischen 1887 und 1920 nach Entwurf der Architekten Louis Delacenserie und René Buyck errichtete Provinciaal Hof, bis 1999 Regierungssitz der Provinz Westflandern, jetzt ein Veranstaltungsgebäude. Es nimmt den Platz des Vorgängerbaus ein, der auf die Waterhalle gefolgt war, die nach dem Verlanden der im 12. Jh. entstandenen Meeresverbindung im 18. Jh. abgerissen wurde. 1887 wurde auch das Standbild mit der Bronzeplastik von Jan Breydel und Pieter de Coninck auf dem Platz aufgestellt, es stammt vom Bildhauer Paul de Vigne. Um diese Zeit wurde damit begonnen, rund um den Grossen Markt ein neugotisches, neobarockes und neoklassizistisches Gebäudeensemble in Gesamtheit (wieder-)herzustellen, das man als ahnungsloser Besucher gern für älter hält. Zum Glück, möchte ich sagen, denn so war die Versuchung sicherlich geringer, sie in der Phase der Modernisierung, der so viele alte Innenstädte zum Opfer gefallen sind, mit modernen Bauten zu verschandeln.
Fotos vom frühen Nachmittag des 24. August 2015 in Brügge, Westflandern in Belgien – zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder in der Galerie anklicken.

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5 Gedanken zu “Der ‚Grote Markt‘ in Brügge

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