It-piece Regencape

Am Dijver, auf der Sint-Jan Nepomucenusbrug, der Nepomukbrücke in Brügge, Belgien, mittags am 24. August 2015 und immer noch im Regen. Das tat der Bildqualität zwar nicht gut, aber zum Ausgleich stieg durch die Vielzahl der in bunte Plastikponchos verpackten Touristen der Belustigungsfaktor: das „It-Piece“ des Tages war das Regencape*.
Mein Lieblingsbild ist darum auch das Foto № 4 von den beiden Personen in beinahe identischer Pose: dem Brückenheiligen St. Nepomuk und der Touristin in rosarotem Foliencape.


Vom 13. Jh. an hiess die Brücke über den Dijver genannten Lauf des Flusses Reie über 450 Jahre lang Eekhoutbrug, auch noch ihre 1642 vollständig erneuerte Version. Die Heiligen-Skulptur wurde erst 1767 vom Brügger Bildhauer Pieter Pepers (sr.) gestaltet, erst dann hat man diesem damals recht „frischgebackenen“ Heiligen zu Ehren die Brücke umbenannt: Johannes Welflin oder Wolfflin aus dem westböhmischen Pomuk lebte bereits im 14. Jahrhundert, war aber erst 1729 heiliggesprochen worden. Er war ein böhmischer Priester und wurde zum kirchenpolitischen Opfer des Grossen Abendländischen Schismas: laut Legende wurde er nach diversen anderen zugefügten Torturen von der Karlsbrücke in die Moldau gestürzt und ertränkt, darum zum Märtyrer und zum Heiligen erklärt und gilt seitdem als Patron der Priester, der (Beicht-)verschwiegenheit, als Beschützer vor Wassergefahren und somit auch der Brücken, weshalb seine Bildnisse auf vielen Brücken Europas zu finden sind, besonders, wenn diese unter österreichisch-katholischem Einfluss gestanden hatten.
Die Skulptur von Pieter Pepers ersetzte eine alte Kapelle der Lastenträger aus dem 15. Jh., aber auch sie blieb nicht bis heute unbehelligt dort stehen: Während der Zeit der französischen Revolution, eine Woche nach der Annektion der Österreichischen Niederlande durch Frankreich, wurde sie durch Unbekannte in der Nacht zum 7. Oktober 1795 ins Wasser gekippt. Am 1. Mai 1811 wurde das Standbild auf einem neuen Piedestal wieder eingestellt und der Kaplan Jan-Baptist Dienberghe hat zur Erinnerung an dieses Ereignis auf dem Sockel den Gedenkspruch anbringen lassen: „Sanctus Ioannes Nepomucenus / En pie mutus In os / non accusans / Reposit 1° Maij MDCCCXI“ – auf dem Foto oberhalb der plastikfolierten Schulter zu sehen. Die Laternen hat man 1930 hinzugefügt, 1980 wurde die Skulptur restauriert und die Strasse, auf der man darüberspaziert, wird Wollestraat genannt. Von der werden in kommenden Beiträgen noch mehr Fotos zu sehen sein.

* Beinahe hätte ich es vergessen – was ist denn nun ein „It-Piece“?
Beste Antwort: „Auf den ersten Blick ist ein It-Piece verrückt und untragbar, doch genau das macht es aus!“
(zitiert v.d. Startseite d. Webmagazins InStyle)

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7 Gedanken zu “It-piece Regencape

  1. Was für schöne, bunte, praktische Teile! Sie bringen Farbe in den Regen!
    Ich wünsche dir einen schönen Jahresausklang, einen feinen Silvestertag morgen und einen guten Start ins neue Jahr!
    Herzlichst,
    Marlis

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