Brügge, am Dijver

Als ich aus der Gasse neben dem Arentshof, der Groeninge, herauskam und mich den Figuren auf der gegenüberliegenden Strassenseite und mehrere Gruppen regenschirmbewehrter Touristen gegenübersah, brauchte ich erst einmal einige Minuten, um mich umzustellen. Mir fiel auf, dass ich einen grossen Schlenker gelaufen war, ohne Regenschirme und quietschbunte Regenponchos zu sehen. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite des Dijvers amüsierte mich zuerst die witzige Mischung von > Figuren mit tragenden Rollen zwischen den rotweissen Fensterläden des Trödel-Brocante-Ladens, die Blondine Marilyn Monroe, der Kellner, der Heilige Christophorus und der Golfspieler. Das Haus ist hinter dem in einen Metallrahmen gespannten, grossen Brügger Altstadt-Plan aus weisser Polyester-Spitze auf dem ersten Foto zu erahnen:

Vom Ufer des Dijvers unterhalb der Gruuthusebrug war der Turm der Onze-Lieve-Vrouwkerk hinter der neugotischen Fassade des Gruuthuse-Palais zu sehen, mit seiner heraldischen Dekoration und dem Motto „Plus est en vous“ über dem Portal, einer Aufforderung, über sich selbst hinauszuwachsen. Für die alte flämische Familie Gruuthuse und ihre Brügger Stamm-Gebäude lässt sich das rückwirkend als erfolgreich betrachten. Es steht für eine seit (mindestens) dem 13. Jahrhundert gewachsenen Vielfalt, historische Tradition und der im 15. Jh. lebende Lodewijk van Gruuthuse / Ludwig von Brügge, Prinz von Steenhuise und Herr von Gruuthuse, Statthalter von Holland und Seeland, Earl of Winchester, Vertrauter Karls des Kühnen und seiner Tochter Maria von Burgund, die ihn zum Kammerherrn ihres Sohnes, Philipps „des Schönen“ von Habsburg, bestellte, dem späteren Vater von Kaiser Karl V., ist wohl der bekannteste Vertreter der Familie. Theoretisch gäbe es das Gruuthusemuseum zu besichtigen, es ist wegen Bauarbeiten aber noch bis 2018 geschlossen.

Die Touristenboote auf dem Dijver-Kanal sahen mit den vielen Regenschirmen aus, wie die > „Schildkrötenpanzer“-Formation von Cäsars Legionären im Asterix-Heft. Dieses auf dem Foto fährt gerade auf die (Sint-Jan-)Nepomucenusbrug zu, über die ich später gegangen bin, aber erstmal musste ich ja auch in diese Richtung gehen, und dazwischen kommen noch einige weitere Fotos. Also ging ich am Wasser entlang und fotografierte z.B. die neogotische Backsteinrückseite vom Kartuizerinnenklooster, dem Karthäuserinnenkloster, dessen Vorderseite sich auf der anderen Uferseite in der Kartuizerinnenstraat befindet, auch wenn es dort schon lange keinen Klosterbetrieb mehr gibt, es war stattdessen zwischen Ende des 18. und Ende des 19. Jhs. Krankenhaus, danach beherbergte das über die Zeit ausgeweitete Gebäude Sozialeinrichtungen und Polizeistation – eigentlich unspektakulär, aber durch seiner Grösse fällt es an der Uferlinie zu sehr auf, um es zu ignorieren, auch wegen der kleinen Herde leuchtendroter, künstlicher Mohnblumen, die jemand hier wie auch an anderen Stellen weiterer Kanäle von Brügge ins Ufer gesteckt hat. Weitere künstliche Blumen gibt es auf der Wegseite zu betrachten, diesmal aus Bronze:


Der in ziemlich natürlicher Grösse gestaltete bronzene Blumenkorb auf einem rotbraunen Marmorsockel ist einem langjährigen, ökologisch engagierten Bürgermeister von Brügge gewidmet, der ausserdem auch Abgeordneter, Senator und Minister wurde, > Franck Van Acker; geschaffen wurde die Plastik von den Künstlern Stefaan Depuydt und Livia Canestraro . Auf dem letzten Foto sieht man noch einmal die Nepomukbrücke, und auch die Skulptur des Brückenheiligen von Pieter Pepers lässt sich schon erkennen und dahinter das Huis Perez de Malvenda, einem eindrucksvollen Renaissance- und Neorenaissance-Gebäude, an dem anscheinend seit seiner Gründung im 15. Jh. bis zum 20. Jh. viel herumgebaut worden ist, und in dem man heutzutage einkaufen kann.
Fotos vom Mittag des 24. August 2015 in Brügge, Belgien – zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder anklicken.

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2 Gedanken zu “Brügge, am Dijver

  1. Ich komme so langsam erst wieder zum Lesen und Gucken. Brügge ist offensichtlich genauso toll wie Gent 🙂
    Ich wünsche einen guten Start ins Neue Jahr und weiter so viele schöne kreative Bilder und Geschichten !!!!

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    • Hallo, schön, dass du Zeit hast 🙂
      Ja, es lohnt sich unbedingt auch zu besuchen, obwohl ich Gent einen kleinen Ticken mehr mochte, weil es auf mich irgendwie heimeliger und weniger touristisch wirkte.

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