Romantik am Wasser und Apokalyptische Reiter im Park (Brügge)

Auf der Groeninge genannten Gasse gelangte ich über eine kleine Brücke ganz nebenbei vom Magdalenenkwartier zurück ins Onze-Lieve-Vrouwkwartier. Dabei hatte ich von der kleinen Groeningebrug einen malerischen Blick über das Wasser der Eekhoutrei, einem in unseren Tagen zur Wassersackgasse verkürzten Kanal, der westlich der Groeninge von der am Zusammenfluss eine Kurve beschreibenden Bakkersrei abzweigt. Man steht dort auch schon wieder im Schatten der grossen Onze-Lieve-Vrouwkerk, der Liebfrauenkirche. Von diesem Standort konnte ich die Mariabrug und durch das Laub der Zweige auch Puzzleblicke von Oud Sint-Jans entdecken.

Da erst wurde mir bewusst, wie nah ich dem wieder gekommen war: eine halbe Stunde, > etwa eineinhalb gelaufene Kilometer und vier Blogeinträge zuvor > Fotos gemacht hatte. Über die Backsteingebäude, an denen der Blick von der Brücke entlang geht, weiss ich leider nichts. Bald darauf erreicht man den Torbogen zum Arentshof , mit seinem Gedenkstein, der die Aufschrift trägt „SPQB / 1857“, was soviel bedeutet wie: „Senatus Populus Que Brugensis“, also „Dem Brügger Senat und dem Brügger Volk“, für das auch der bronzene Schwan mit den halb ausgestellten Schwingen als legendäres Symboltier steht. Bei dem Schwan handelt es sich eigentlich um eine Armpumpe, einen Brunnen. Der neoklassische Schwan war vom Brüsseler Bildhauer (Louis) Eugène Simonis im Jahr 1857 geschaffen worden, in einer seit der belgischen Unabhängigkeit sehr euphorisch-denkmalfreudigen Phase der Stadtgestaltung. Ursprünglich stand der Schwan auf dem Platz an der Ecke des Nieuwe Gentweg mit der Stalijzerstraat in der Nähe der Magdalenenkirche, aber 1951 wurde er zum Tor am Arentshof versetzt, in die Nähe von Museum und Kunst.

Bei dem kleinen Park handelt es sich um einen abgetrennten Hof, der bis ins 17. Jh. zum Stadtpalais der Herren van Gruuthuse gehört hatte, dann zunächst einer Familie Vander Zijpe; ab dem 19. Jh. bis zu einer prozessreichen Enteignung durch die Stadt Brügge zu Beginn des 20. Jhs., die 1910 daraus ein Kunstmuseum machte, war eine Familie Arent im Besitz von ‘t Arentshuus. Das Arentshaus ist ein neoklassizistisches Herrenhaus aus dem 18. Jh., eine Beschreibung des Garten aus dem früheren 19. Jh. nennt ihn einen „Englischen Garten“ mit 32 Bäumen und 235 Sträuchern, ausserdem mit Gewächshäusern für Melonen und Ananas. Ob der Monopteros-Pavillon aus dem 18. oder 19. Jh. stammt, ist unklar. Beim zweiten Besitzerwechsel soll der neue Eigentümer A. Arent das Romantisch-Klassizistische favorisiert haben.
Bei den miteinander rangelnden Putti handelt es sich um eine Kunststeinnachbildung durch den Brügger Bildhauer André Standaert von 1972, nach dem Vorbild einer Skulptur aus dem Jahr 1781 die Pieter Pepers zugeschrieben wird, dem bekanntesten Brügger Bildhauer des 18. Jahrhunderts. Von ihm sind auch die beiden Apostel Petrus und Paulus vor der St. Salvatorskathedrale (> Fotos davon). Die Stadt Brügge hat sie anlässlich des Reiefestes 1974 gekauft und aufgestellt. Gut, dass jemand sie im Gartentempel gesichert hat, denn zwischen den vier Reitern der Apokalypse des belgischen Bildhauers Rik Poot aus dem Jahre 1987 hätten sie auch zu merkwürdig ausgesehen.

Am Westrand des Arentshofes befindet sich die steinerne Bonifaziusbrücke, deren Name auf den angeblichen Gründer der Onze-Lieve-Vrouwkerk verweisen soll, den Hl. Bonifazius. Wegen der Verwendung von Steinen aus der ehemaligen Stadtmauer und alten Grabsteinen vom Kirchhof wirkt ihr Erscheinungsbild beeindruckend historisch. Obwohl es einen mit 1634 datierten Stein am Fuss der Brücke gibt und das mit der Brücke verbundene Haus ganz sicher aus dem 17. Jh. stammt, ist die Bonifatiusbrug dennoch ein Vorbild historisierender Romantik. Der Wasserlauf, den sie überquert, wird Suikerrei genannt, wahrscheinlich nach einer darangelegenen ehemaligen Zuckerfabrik. Die Brücke wurde von dem Architekten Jos Viérin zwischen 1911 und 1912, nach der Enteignung des Arentshauses, durch die Stadt Brügge beauftragt, als Bindeglied zwischen der Onze-Lieve-Vrouwkerk und dem Gruuthuse-Palais gebaut. Der Stein aus dem 17. Jh. suggeriert zwar nun das Alter der Brücke, ursprünglich datiert er aber nur sich selbst als Teil von einem steinernen Gestell einer Parkbank (> hier lesen).
Am Nordende des Arendhofs gelangt man über die an der Parkmauer entlang laufende Gasse, die immer noch Groeninge heisst, am Arentshuis vorbei zur Gruuthusebrug. die über den Dijver führt. „Dijver“ ist zugleich der Name eines Kanals und der südseits daran entlangführenden Strasse zugleich. An dieser Stelle hatte mich auch der Tourismus so richtig wieder, wie sich auf dem letzten Foto bereits andeutet. Auch dass es noch immer regnet kann an sehen. Von beidem wird im kommenden Eintrag noch mehr zu sehen sein. – Diese Fotos sind vom Mittag des 24. August 2015, in Brügge. Zum Vergrössern bitte die kleinen Bilder in der Galerie anklicken.

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4 Gedanken zu “Romantik am Wasser und Apokalyptische Reiter im Park (Brügge)

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