Vom Bisdomkaai über den Brabantdam zur Walpoortbrug ( 3. Tag in Gent )

Nach dem Besuch bei den Hühnern auf dem Oude Beestenmarkt ging ich in südwestliche Richtung, Bisdomkaai heisst die Strasse, obwohl es dort kein Wasser gibt, denn die alte Verbindung der Schelde mit der Leie und dem Portus Ganda zwischen Oude Beestenmarkt und Brabantdam ist (teilweise) unter das Strassenniveau verlegt worden.
Der Geeraard de Duivelsteen liegt allerdings wieder am Wasser, und darum gibt es an der Stelle nur eine Strassenseite, ebenfalls Reep genannt.
Die ehemalige gotische Burg aus dem 13. Jh. hatte ursprünglich dem Ritter Geeraard Vilain gehört. Der zweite Sohn des Burggrafen von Gent, Zeger III. wurde wegen seiner dunklen Hautfarbe Geeraard de Duivel (der Teufel) genannt, daher der Name Duivelsteen.

Nachdem die Stadt Gent den „Stein“ im 14. Jh. gekauft hatte, diente es nach seiner Zeit als Rittersitz über die Jahrhunderte, immer wieder seinen Zwecken entsprechend erweitert und angepasst, nacheinander als Waffenarsenal, Kloster, Schule, Bischöfliches Priesterseminar, Irrenanstalt, Arbeitshaus, Gefängnis, und Feuerwache. Ende des 19. Jhs. wurde es vom Staat erworben, um einen neuen Flügel erweitert und das Staatsarchiv darin untergebracht.
Unmittelbar davor (hier rechts daneben) steht ein markanter, einem Pavillon ähnelnder neoklassizistischer Anbau, von dieser Seite eingebettet in moderne Architektur. Wäre ich am Bisdomsplein abgebogen, wäre das gesamte Gebäude der ehemaligen Nationalen Bank aus dem Jahr 1905 sichtbar gewesen. Es wurde mit der Einführung des Euro zu gross und überflüssig und wurde schliesslich von der Genter Universität übernommen.
Auf dem ersten Foto sieht man auch etwas, das wie eine Brücke aussieht, aber dort „endet“ das oberirdische Wasser schon wieder am François Laurentplein (unten, links) bzw. dem Lieven Bauwensplein (rechts daneben):

Auf dem linken Foto sieht man ein Stück in die Vlanderenstraat hinein, rechts steht das Bronzedenkmal für Lieven Bauwens (1769-1822) ein in Gent am Garnmarkt geborener Bürgerssohn ( dem späteren Edward Anseeleplein ), maschineninteressiert ging er zur Ausbildung ins industriell bereits weiter entwickelten England, brachte Erkenntnisse (und auch Teile) mit zurück und wurde damit erst zum unternehmerischen Helden in seiner Heimat, dann zum international erfolgreichen Unternehmer.

Vom Lieven Bauwens-Denkmal bis zum nächsten interessanten Ausblick direkt am Brabantdam muss man ein bisschen an Baustellen zur Wiederherstellung der offenen Nederschelde und an neueren Gebäuden vorbeilaufen, aber interessante Details gibt es überall zu entdecken, wie das irgendwie „vergessen“ wirkende kleine Haus mit der reich verzierten Dachgaupe aus dem 19. Jh., oder das imposante grosse Bürgerhaus im eklektizistischen Stil mit Neorenaissance- und Barockelementen vom Architekten M. De Noyette von 1885 an der Ecke zum Brabantdam, bei dem mich aber auch die säulenverzierte Dachpartie am meisten fasziniert hatte, und schließlich – auf dem dritten Bild in der Reihe – die 2001 vom Genter Künstler Jan Van Imschoot aussergewöhnlich gestaltete Kriegsopfer-Gedenkstätte am weissen Hausgiebel unmittelbar vor dem Blick über das Wasser auf den nächsten beiden Fotos:

Der Blick vom Brabantdam auf die Vereinigung von Ketelvest mit Muinkschelde wird von einer Lücke zwischen zwei Gebäuden freigegeben und irgendwann soll von dort aus auch wieder die alte Wasserstrasse nach Nordosten freigelegt werden.
So bin ich erstmal zu Fuss über den Brabantdam gegangen, bis ich mich an einer Strassenkreuzung zwischen nördlich-rechts und in bekannte Gegend zurück zu gehen, oder südlich-links und für noch Unbekanntes entscheiden musste. Weil ich noch mehr vorhatte, wandte ich mich nach links. Das führte mich zum Kortedagsteeg, wo ich nahe der Walpoortbrug einige interessante Fenster und Fassadenmalereien – schon wieder Vögel! – fotografierte:

… alle drei auf der in meiner Gehrichtung rechten Seite der Brücke. Der Blick nach links ist hier drunter auf dem linken Foto zu sehen: die Brücke überquert das Gewässer, auf das ich vorher hinter einer Biegung des Ufers von der anderen Seite am Brabantdam fotografiert hatte. Die Ketelvest fliesst unter der Walpoortbrug durch und dann hinter dem Grote Huidevettershoek (der Strasse) mit der von rechts kommenden Muinkschelde zusammen. Die Boote erwecken deutlich den Eindruck, als gäbe es ein weiteres Verkehrsnetz zu Wasser, und das finde ich sehr spannend.

Auf dem letzten Bild schaut man am Brückengeländer der Walpoortbrug entlang in die Sint-Pietersnieuwstraat hinein, die ins Kunstenkwartier führt – dafür eröffne ich lieber wieder einen neuen Beitrag.
Die Fotos in diesem sind alle vom Vormittag des 23. August 2015 – zum Vergrößern bitte die kleinen Bilder anklicken.

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5 Gedanken zu “Vom Bisdomkaai über den Brabantdam zur Walpoortbrug ( 3. Tag in Gent )

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