Weiter mit dem Korenmarkt

2015-08-22 2_Gent_10 Historischer Stadtkern (7A) Hooiaard+Pensmarkt+Vleeshuis

Immernoch ist es erstaunlicherweise erst der zweite Tag in Gent, Sonnabend der 22. August 2015, mittlerweile etwa mittags, halb eins. Nach einem Blick auf die Schinken im Vleeshuis, die älteste Bäckerei von Gent, den Senfladen und die zuckersüssen „Genter Nasen“ ging es durch die Strasse namens Kortemunt Richtung Korenmarkt. Auf dem oberen Bild habe ich aus der Kortemunt über den Pensmarkt zum von dort aus sichtbaren Teil der Fleischerhalle fotografiert. Geradeaus gesehen kam schon der Korenmarkt in Sicht:

2015-08-22 2_Gent_10 Historischer Stadtkern (6) am Korenmarkt

Das 1898-1910 gebaute > Oud Postkantoor, das von den Architekten Louis Cloquet und Stéphane Mortier im eklektizistischen Stil entworfene ‚Alte Post- und Telegrafenamt‘, dominiert mit seiner an spätgotischen und Renaissance-Gebäuden orientierten Vorderfront den Platz, und nicht nur das: zur Weltausstellung von 1913 hat man den Korenmarkt umgestaltet, zum Erweitern hat man Häuser abgerissen, versetzt und alte Hausfassaden kopiert – als ahnungsloser Tourist käme man nicht auf den Gedanken. Aber viele München-Besucher halten das Neue Rathaus am Marienplatz auch für jahrhundertealt, obwohl es etwa zur selben Zeit errichtet wurde, wie das Oud Postkantoor in Gent. Auf dem Korenmarkt wurde früher mit Getreide gehandelt, und im Klein Turkije genannten Schatten der Sint-Niklaaskerk wurden Konkursgegenstände versteigert.

2015-08-22 2_Gent_10 Historischer Stadtkern (10) Korenmarkt Altes Post-und Telegrafenamt

Es ist immer wieder faszinierend, mit welchem Einsatz die Stadt Gent auf das Ereignis hin gestalterisch geformt wurde. Hatte ich im April gedacht, > Barcelona sei in der Hinsicht extrem, wo für die Weltausstellungen von 1888 und 1929 grosse Anlagen geschaffen wurden. Gemessen an der Grösse und dass es sich in Gent nur um eine Weltausstellung handelt, empfinde ich die Veränderungen als noch verblüffender, weil man Altes nicht durch Modernes, sondern durch alt Aussehendes ersetzt hat.
Als ich dort im vergangenen August vorbeikam, herrschte im Inneren des Alten Postamts Baustellenbetrieb. Nach Einkaufszentrum und Wohnungen soll nun darin ein Luxushotel entstehen.
(Kleines Bild zum Vergrössern bitte anklicken!)

2015-08-22 2_Gent_10 Historischer Stadtkern (12) Korenmarkt

Trotz der Fussgänger und unter Sonnenschirmen an den Tischen der zahlreichen Restaurants sitzenden Gästen wirkte der Platz undefiniert, eigentlich hängen dort zwei Plätze ungegliedert aneinander: Der eigentliche Korenmarkt hängt übergangslos am noch weiteren Raum zwischen dem Alten Postamt, dem Portal der Sint-Niklaaskerk und der Sint-Michielshelling, und alles wirkte auf mich, als würde etwas fehlen. Dass ich – zumindest an diesem Tag – weder das Kirchenportal noch die angrenzenden Häuser der Klein Turkije fotografiert habe, wie ich beim Bearbeiten der Fotos festgestellte, bringt das Gefühl zum Ausdruck. Im Web habe ich ältere Bilder als Erklärung gesucht und > gesehen, dass mein Gefühl nicht getrogen hat. Es fehlen an verschiedenen Stellen begrenzende Häuser und die Linienführung mit Haltestellen von Strassen- bzw. Pferdebahn wurde aus der Mitte wegverlegt.

2015-08-22 2_Gent_10 Historischer Stadtkern (13) Korenmarkt+Sint-Michielshelling

Auch wenn ich die Argumente für Reinheit der architektonischen Linienführung und Verkehrsberuhigung nachvollziehen kann, finde ich, dass man dort zu eifrig aufgeräumt hat. – Gerade eben, beim Herumwerken an diesem Eintrag, nachdem ich unentschlossen war, ob ich tagebuchgemäß meine subjektive Kritik niederschreibe oder sie weglasse, habe ich mich sehr gefreut, nach den alten Bildern und dem verfassen der vorigen Sätze überraschend auf der Webseite der Stadt Gent folgenden Artikel vom 4. November 2015 zu finden: Es kommen Bäume auf den Korenmarkt, und das im kommenden Jahr. Ich hoffe sehr, mir das ansehen zu können, den Gent ist eine Stadt zum Wiederkommen.
Diese Fotos sind vom 22. August 2015, mittags zwischen Groentenmarkt und Sint-Michielshelling in Gent, Belgien.

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Ein Gedanke zu “Weiter mit dem Korenmarkt

  1. Ich teile Deinen Eindruck des Verlorenseins dieses „Doppelplatzes“, weil er einfach zu auf- bzw. gar ausgeräumt ist oder wirkt. Aber die angekündigte Auflockerung durch Stadtbäume finde ich toll; das wird die Atmosphäre dort (optisch, ökologisch, klimatisch) klar verbessern.

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