Fassaden auf dem Weg durch die Sint-Michielsstraat ( 2. Tag in Gent )

Nachdem ich auf der > Burgstraat beim Anblick der Burg Gravensteen in Sichtweite beschlossen hatte, dass es noch viel zu früh war, um zum Sint-Veerleplein zurück zu gehen, entschied ich mich für den Stadtteil auf der dem Kapuzinerkloster gegenüber liegenden Strassenseite und ging ohne besondere Absicht und Ereignisse eine Strasse mit Namen Ramen hinunter und kam schliesslich über die Hoogstraat und den Poel, wo sich auch die Hochschule für Musik und Theater befindet, in die Sint-Michielsstraat. Die einen Löwenkopf verdeckende Guy-Fawkes-Maske habe ich oberhalb eines Gaubenfensters an einem Backsteinhaus mit runden Fensterbögen von 1886 entdeckt:

Das Café Bornhem mit seinen roten Vorhängen findet sich auf der Strassenecke, die von der Sint-Michielsstraat mit der Ingelandgat gebildet wird. Das Haus wurde 1784 von einem Konditor gebaut und 1880 um ein Café erweitert; die schöne hölzerne Verkleidung, die der Erscheinung des Cafés auch heute noch den Rahmen gibt, wird wohl auch um 1900 entstanden sein. Damals war es ein typisches „Studentencafé“, in dem politisch interessierte Akademiker, Künstler und Journalisten verkehrten, wie z.B. René de Clerq, der in Gent Medizin studierte, bevor er sich literarisch-journalistisch für die flämische Sprache einsetzte. Heute ist das Lokal ein Pub. Gegenüber davon steht ein anderes bemerkenswertes Eckhaus:

Das gelbe Haus mit der Schrottskulptur ist aus der Ingelandgat heraus fotografiert und es bildet die dem Café Bornhem gegenüber liegende Strassenecke der Sint-Michielsstraat mit der Ravensteenstraat. Das Bürgerhaus stammt aus dem 19. Jh., der rostige Gladiator mit Rundschild und Kurzschwert ist noch jung und wahrscheinlich eine Arbeit aus der Schlosserei im Erdgeschoss des Hauses – mir gefällt er.

Den geschwungenen weisse Rokoko-Schmuckgiebel des Hotel van Goethem, dem Stadthaus des Kaufherrn Jan Baptist van Goethem, Verwaltungsmitglied der > Oostendse Compagnie, entdeckte ich bei einem Blick in die Ingelandgat. Das imposante Haus wurde Mitte des 18. Jhs gebaut und später ergänzt. Das schlicht-klassizistische Bürgerhaus auf dem Bild rechts daneben steht am Sint-Michielsplein, seitlich rechts zum Kirchenportal; es stammt aus dem 19. Jh und war eigentlich nur wegen der vielen Porzellanvasen in den Fenstern bemerkenswert – ein Museum, glaube ich, aber der Blick links an der Kirche vorbei ist spektakulärer – 3. Bild in der Reihe – weil man über die Sint-Michielshelling und die Sint-Michielsbrug hinweg schon auf die weiter hinten liegende Sint-Niklaaskerk in der Cataloniëstraat auf der anderen Seite des Leie-Ufers sehen kann.

In diesem Beitrag bleibe ich aber auf dem Sint-Michielsplein und vor der Kirche des St. Michael, der auch in der Mitte zwischen den beiden Türen des Hauptportals zu sehen ist. Die Geschichte der Sint-Michielskerk ist langwierig und kompliziert.
An derselben Stelle am Leie-Ufer hatte um 1100 schon eine Kapelle gestanden, die abbrannte und durch einen größeren Kirchenbau ersetzt wurde, dieser 1440 wiederum durch den Baubeginn der heutigen Kirche abgelöst, der im 16. Jh. während der Zeit des Bildersturms unterbrochen wurde. Mitte des 17. Jh. wurde zwar der Bau mit grösseren Plänen fortgesetzt, aber erst im 19. Jh. unter der Leitung von Modeste de Noyette abgeschlossen, wobei man es mit dem Turmstumpf bewenden liess, statt ihn nach den ehrgeizigen Entwürfen des Livinus Cruyl von 1662 im Stil der Brabandter Gotik als 134 m hohen Turm fertigzustellen. Erst 1988 wurde der Platz vor der Kirche umfassend neu gestaltet, der Anlage eines neuen Abwassersystems wurde der jahrhundertealte Friedhof an der St. Michaelskirche geopfert. Bei der heutigen Ansicht von grauem Pflaster ahnt man nicht, dass dort viele Generationen menschlicher Skelette bestattet gewesen sind.
Die Fotos sind vom Vormittag des 22. August 2015 in Gent, Belgien; zum Vergrößern bitte die kleinen Bilder anklicken!

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5 Gedanken zu “Fassaden auf dem Weg durch die Sint-Michielsstraat ( 2. Tag in Gent )

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