Brüssel – Sommerfest mit Aussicht

Schon auf der Place Royale war zu erkennen gewesen, dass ein Fest im Begriff war zu beginnen: das BFS abgekürzte Brussels Summer Festival bedeutete 10 Tage lang multikulti Musik und mehr im Quartier Royale.
Bei meiner Nachmittagstour bummelten zwar schon Neugierige herum, aber bis auf Speisen, Getränke, T-Shirts etc. gab es nachmittags um vier Uhr nur Vorbereitungen, das Ganze würde wohl erst am Abend richtig losgehen. In der Galerie sind einige Eindrücke zu sehen, die ich beim Hinunter- und Heraufschlendern fotografiert habe – zum Vergrößern bitte die kleinen Bilder anklicken:

Überall gab es weisse Zelte mit ess- und trinkbaren Leckereien und so typischen Festival-„Must-Haves“ wie T-Shirts, Sonnenbrillen. Sie zogen sich vom Rand des Parcs de Bruxelles den Rand des Königs-Platzes entlang und den gesamten Kunstberg genannten Bereich hinunter und über die geometrisch angelegte kleinen Parkanlage Jardin du Mont des Arts hinaus, immer den Koudenberg abwärts, und immer mit diesem wunderschönen Ausblick auf die Stadt um den spätgotischen, fast einhundert Meter hohen Belfried genannten Turm des Hôtel de Ville bzw. Stadhuis (Rathaus) herum, und wenn man von unten bergauf sieht, bildet die St. Jakobskirche auf dem Koudenberg den Gegenpunkt.
Diesen Kunstberg in seiner baulichen Gesamtheit zu gestalten war ein ehrgeiziges Projekt, das aus dem ehemaligen ganz normalen und lebhaften Stadtviertel Saint Roches eine der Kunst und Ästhetik gewidmete Anlage formen sollte – es erinnerte mich an Barcelona – Weltausstellungen waren damals ein so starker Beweggrund für umwälzende Pläne wie heute Olympische Spiele. Nach dem Abriss des Bisherigen zog sich der Verlauf aber so lange hin, dass auf der Gedenktafel letztlich drei aufeinanderfolgende Könige als Schirmherren genannt wurden: Leopold II., der Ende des 19. Jhs. insgesamt große, repräsentative Gestaltungspläne hatte, Leopold III., der dort für die Weltausstellung von 1910 eine Zwischenlösung gestalten ließ, und Baudouin I., unter dessen Regentschaft die Gestaltung zur Weltausstellung von 1958 vollendet wurde.
Die großflächige, sonnengezackte Uhr mit beweglichen Figuren und Glockenspiel, deren „Jaquemart“ genannten Glockenschläger man über dem Dach der Verbindung des BOZAR – Palais des Beaux Arts mit dem Palais de la Dynastie schon von weitem stehen sieht, ist ein Entwurf des belgischen Architekten Jules Ghobert, die Skulptur des Jaquemart stammt vom belgischen Bildhauer Henri van Albada. Die zwölf Uhrenfiguren stellen für Belgien historisch bedeutsame Persönlichkeiten und symbolische Personen dar. Das Glockenspiel habe ich leider nicht in Aktion erlebt.
Die Gartenanlage, die von weitem wie ein auf einer Terrasse ausgebreiteter Teppich wirkt, wurde vom Landschaftsarchitekten René Péchère gestaltet. Sie endet am Place de L’Albertine, wo das Reitermonument zu Ehren des dritten belgischen Königs, König Albert I. steht. Die Tafel auf dem Kunstberg erwähnt ihn ebenfalls in Gedenken, der sich während seiner Regierungszeit dringlicher mit den Problemen des ersten Weltkriegs und den Folgen auseinanderzusetzen hatte, als sich den Künsten widmen zu können. Das Standbbild wurde 1951 vom Bildhauer Alfred Courtens geschaffen.
Auf den beiden Fotos in der unteren Reihe der Galerie von der Rue Montagne de la Court fallen besonders zwei vom selben Architekten entworfene, aber sehr verschieden aussehende Häuser auf: die Pharmacie Delacre im neogotischen oder Neo-Renaissance-Stil von 1895 links, in der Apotheker Charles Delacre auch Schokolade als Medizin verkaufte, und rechts auf demselben Foto, bzw. zusätzlich solo noch einmal daneben, das filigrane Stahl-, Gusseisen- und Glasgebäude im schönsten Art nouveau / Jugendstil von 1899, beide vom belgischen Architekten, Bauhistoriker und Schriftsteller Paul Saintenoy entworfen. Das jüngere der beiden Häuser mit dem Schriftzug „Old England“ war als Kaufhaus gebaut worden und beherbergt heute das belgische Musikinstrumente-Museum MiM mit über 8000 Musikinstrumenten aus aller Welt, eine Sammlung, die bereits im 19. Jh. begründet worden war.

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