Perleberg, Prignitz

Auf der Rückfahrt von Berlin ins Wendland ging es wieder überland und durch die Prignitz, nur diese Mal nicht, wie auf der Hinfahrt, wieder über > Havelberg, sondern durch das nordwestlich davon gelegene Perleberg.
Die Stadt ist zwar schon alt, aber mit heute ca. 12.000 Einwohnern klein. Trotzdem wird auch Perleberg, genau wie Havelberg, als eine der 72 Hansestädte genannt; der Zugang zu Wasserwegen und günstige Weglage für Landverbindungen waren im 14. Jh. ganz entscheidend für die wirtschaftliche Blüte einer Stadt. Der historische Kern liegt, auch das hat Perleberg mit Havelberg gemeinsam, auf einer vom hier geteilten Flüsschen Stepenitz umflossenen Insel. Die Stepenitz ist, wie die Havel, ein Nebenfluss der Elbe.
Perleberg wird insbesondere im Zusammenhang mit Tuchhandel, Gewandschneiderei und Schuhmacherei genannt. Der Dreissigjährige Krieg setze dieser Erfolgsgeschichte ein Ende, er dezimierte die Einwohnerzahl von 3.500 auf 300, die Zahl der bewohnbaren Häuser von 300 auf 127. Erst Mitte des 19. Jh. war die Bevölkerungszahl wieder auf dem damaligen Stand. Das heutige Stadtbild zeigt auch deshalb nicht mehr viel gut Erhaltenes von der lang zurückliegenden Blütezeit, dazu hat es auch in späteren Jahren allzu oft gebrannt. Der Marktplatz, die St. Jacobi-Kirche und das Rathaus markieren aber heute noch anschaulich das alte Zentrum, und die vielen Fachwerkhäuser aus dem 19. Jahrhundert geben der Altstadt genug Atmosphäre, die einen von der Bundesstrasse herunterlocken kann:

Der leichte Regen hat Grau über die bildlichen Eindrücke gelegt, manche Fotos sind mir auch wegen der Lichtverhältnisse oder nicht bemerkter Tropfen auf dem Objektiv misslungen. Ohne das Regenwetter wäre ich andererseits wahrscheinlich nicht in die backsteinrote > St. Jacobi-Kirche hineingegangen, und das wäre wirklich schade gewesen. Die ältesten Beurkundungen der Kirche stammen aus dem 13. Jh., danach hat man teils aus Geschmack, teils aus Notwendigkeit immer wieder bauliche Veränderungen vorgenommen.
Die zur Kirche gewandte Seite des ebenfalls mit Backsteinen errichteten Rathauses ist zwar nicht die Vorderseite, aber der ältere und eindrucksvollere Teil, der auf der alten ‚Ratslaube‘ aus dem 15. Jh. basiert. Rechts davon steht ein kleines Haus mit einer grünen Tür und im Giebel diagonal angeordnetem Fachwerk: das Knaggenhaus ist das älteste erhaltene Fachwerkhaus Perlebergs, um 1525 errichtet. Auf der anderen Seite zeigt sich das Rathaus im neugotischen Stil und der Grosse Markt mit der Rolandsfigur, aber davon habe ich leider wetterbedingt keine Bilder. > Hier zu Google-Maps verlinkt hatte jemand mehr Glück, und eine schöne Rundumsicht angefertigt. (Street View hat nach Perleberg noch nicht hingefunden.)
Der Schuhmarkt, auf dem das Auto geparkt war, ist oben auf dem ersten Foto zu sehen, und die Gebäudemischung von Fachwerk mit klassizistischem Stil kann man auch auf den weiteren Bildern aus der Bäckerstrasse erkennen, die ich ein Stück hinuntergegangen bin, bis ich eine Bäckerei mit einfachem kleinen Café nach meinen Vorstellungen gefunden hatte: so eine „wie früher“, ohne stylischem Schnickschnack, mit richtig Hausgebackenem. Biskuitrolle mit echter Butterkrem – wo gibt es so etwas noch? – mit einem Pott Kaffee das pure Glück!
Danach ging es wieder zum Auto und weiter mit der Rückreise. – Diese Fotos sind vom 30. Juli 2015; zum Vergrößern bitte anklicken.

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13 Gedanken zu “Perleberg, Prignitz

  1. Am Bettelarmband aus meiner Kindheit hängt das Wappen von Perleberg. Ein Mitbringsel von Verwandten aus der damaligen DDR, die mir etwas aus Heimat meines Vaters schenken wollten. Meine Oma hat immer vom Roland in Perleberg gesprochen, als Zeichen der Bedeutung, die die Stadt einmal hatte. Den nächsten Roland (abgesehen von Bremen) habe ich dann in Stendal gesehen.

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    • So ein Bettelarmand habe ich auch, Ich trage es zwar nicht, aber sehe es recht gern im Schmuckkasten liegen, als Kindheitserinnerung.
      Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass man im Schulunterricht im Zusammenhang mit den Hansestädten von einer so großen Städte-Anzahl gesprochen hat und war vor Jahren sehr darüber erstaunt, als ich davon zum ersten Mal in einer Chronik über die Altmark las, wo es allein schon sieben gibt.

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      • In meiner Jugend waren mir nur die großen drei norddeutschen Hansestädte, sowie Brügge, Bergen, Novgorod und Köln bekannt. Im Salzmuseum Lüneburg bekommt man die weitreichenden Handelsbeziehungen zu Zeiten der Hanse gut vermittelt. In Lübeck ist in diesem Jahr das Europäische Hansemuseum eröffnet worden. Das wäre ein Ausflugsziel für die Herbstferien.

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    • Es lohnt sich als Radfahrer ganz bestimmt, sich die Region Prignitz mal für einen mehrtägigen Ausflug vorzunehmen, landschaftlich und wegen der Eigenart der Ortschaften. Die Landstrassen,also die Ordnung unterhalb der Bundesstrassen, sind dort noch verkehrsärmer als im Wendland.

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