Orangen und Schatten

Mittags im Parc de la Ciutadella (6. Teil), eine kleine Orangenbaum-Allee leitet als Sichtachse den Blick über den Brunnen hinweg zum gestuften Giebel des Schattenhauses l’Umbracle :

Die schlanken Bäume sind sicherlich noch nicht so alt wie das Schattenhaus. 1883 von Josep Fontserè i Mestre gebaut, wurde es 1886 von Jaume Gustà i Bondia für Vorträge und Konzerte auf der Weltausstellung von 1888 umgestaltet und erst danach durch Josep Amargós i Samaranch wieder als Haus für sonnenempfindliche Pflanzen in den Originalzustand zurückversetzt. – Nach dem enttäuschenden Zustand des Wintergartens Hivernacle war ich zu wenig neugierig, um meinen vom Herumlaufen ermatteten inneren Schweinehund am Nackenfell zu packen und da hinein zu schleppen. An Fotos anderer Besucher sah ich später, wie viele schöne Licht- und Schatten-Motive mir unter dem gewölbten und ornamentverzierten gusseisernen Dach mit luftiger Holzlatten-Deckung entgangen sind.
Bei der Aesop-Fabel von Fuchs und Storch, die der Brunnen Font de la Guineu i la Cigonya darstellt, geht es um auch um den inneren Schweinehund, aber um andere Schattenseiten des menschlichen Charakters als die Bequemlichkeit, nämlich um Eigensucht und Schadenfreude:

2015-04-11 Barcelona IMG_2375A 13h06 Parc de la Ciutadella Fabelbrunnen

Man erkennt vorn rechts den flachen Teller, auf dem der Fuchs dem Storch die Mahlzeit serviert hatte, so dass der mit seinem langen Schnabel fast nichts essen konnte, obwohl er doch eingeladen worden war; daneben liegt der umgestürzte Krug, aus dem wiederum der Fuchs bei der Revanche-Einladung im Hause Storch nicht satt wurde. Aus dem Krug rinnt das Wasser in den Brunnen. Jemand hatte wohl Mitleid und hat den beiden als Kompromiss Orangen angeboten, aber die mögen sie augenscheinlich beide nicht. Sieht es nicht sogar aus, als wären sie sich darin einig?
Geschaffen wurde der fabelhafte Brunnen 1884 vom selben Bildhauer, der an der großen Kaskade auch die ‚Geburt der Venus‘ gestaltet hat, Eduard Alentorn. – Die Fotos sind vom 11. April 2015 mittags im Parc de la Ciutadella, Barcelona.

Zur Fabel von Fuchs und Storch habe ich ein (katalanisch) erzählendes Trickfilm-Video von Xavier Benguerel i Llobet (Musik) und Pere Puig (Animation) gefunden, in dem – sehr schön passend zum Thema Schatten – mit Schatten und Musik gespielt wird. Letztere spielt das Ensemble des Orquestra de Cadaqués unter der Leitung von Philippe Entremont. Erzählerin ist Rosa Gàmiz, der Originaltext der Fabel stammt natürlich von Jean de LaFontaine und ins Katalanische übersetzt hat ihn Xavier Benguerel i Llobet:

El Renard i la Cigonya | Pere Puig auf YouTube

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2 Gedanken zu “Orangen und Schatten

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