Hinter den Masten und über die Dächer gesehen (5+5, Teil 4)

Hinter den Masten des Segelhafens sind von der Brüstung oberhalb der Plaça de l’Ictineo über den Dächer von Barcelona viele Türme, Erker, Verzierungen und Figuren von sakralen und weltlichen Gebäuden zu sehen.
Auf dem ersten Foto sind vor dem Hintergrund des Küstengebirges Serra de Collserola noch einmal die beiden Turmhüte der Escola de Nàutica de Barcelona zu erkennen, der Seefahrtschule am Pla del Palau, dem Gebäude aus dem Blogeintrag zuvor > Beim Palau de Mar. Allerdings wird den beiden unscheinbaren Halbkugeln die Schau von einem schimmernden Turm gestohlen:

2015-04-09 Barcelona IMG_1934 Hafenblick+Escola Nautica+Torre Agbar

Das Zoom meiner Kamera hat den seltsam geformten Torre Agbar viel näher herangeholt, als er tatsächlich von der Plaça de Pau Vila entfernt steht: Luftlinie liegen zwischen dort und seinem Standort auf der Avinguda Diagonal nahe der Plaça de les Glòries Catalanes knapp 3 km.
Der Torre Agbar wurde im Auftrag der Wasserwerke von Barcelona vom Architekten Jean Nouvel als Bürokomplex mit 32 Stockwerken und 142 m Höhe geplant und 2005 gebaut. Der Turm funkelt tagsüber mit Sonnenlicht- und nachts mit LED-Lichteffekten. 2014 wurde er von der Hyatt-Hotelgruppe erworben und nun zu einem 5-Sterne-Hotel umgestaltet.

2015-04-09 Barcelona IMG_1935A Hafenblick+Post

Zur Ansicht auf dem zweiten Bild kommt man, wenn der Blick vom der Escola de Nàutica etwas weiter nach links wandert. Nicht viel, auch zu Fuß nur wenige Hundert Meter. Der das Bild beherrschende Turm und die beiden kleineren, ähnlichen gehören zum Post- und Telegrafenamt an der Plaça d’Antonio López. Dies wurde entworfen von Josep Goday i Casals und gebaut zwischen 1914 und 1927, auch wenn das beeindruckende Gebäude älter wirkt. Die anderen beiden Türmchen gehören zu Erkern auf zwei Häusern in der Via Laietana ähnlichen Alters, mit Nationalwappen über den Portalen und unten mit vergitterten Fenstern.
Die > Via Laietana ist ein weiteres Beispiel für Barcelonas rigorose Stadtplanung: Um die neu entstehenden Stadtteile besser anzubinden, wurde nach fast fünfzig Jahren Für und Wider ab 1907 nach und nach ein altes Stadtviertel auf 80 m Breite und 900 m Länge vollständig und ausnahmslos abgetragen. Das waren fast 2200 Häuser, darunter gab es mittelalterliche Schlösser, barocke Fassaden, Kirchen und Klöster. Rund 10’000 Menschen mussten weichen, alte „wertlose“ Häuser wurden weggerissen, von bedeutenderen hat man Teile davon an anderer Stelle wieder aufgebaut.

2015-04-09 Barcelona IMG_1925 Hafen+antic convent de la Mercè+Basílica de la Mercè

Dieses gegenlichtige Bild ist übersichtlicher, aber die Geschichte ist ebenfalls unerwartet: Hinter den Reihen von Segelbootmasten und Palmen verbirgt sich die > Basilica de la Mercè . Links sieht man einen kleinen Turm und rechts die schön gemusterte, von einer Marienfigur gekrönte Kuppel. Sie liegt halb versteckt hinter ihrem ehemaligen Klostergebäude gleichen Namens (Convent de la Mercè), das seit 1835 anderen Zwecken diente. Die Kirche wurde während des Bürgerkriegs 1939 niedergebrannt, später wieder aufgebaut und mit der neuen Marienfigur auf der Kuppel 1959 endgültig hergestellt, was den Barcelonès wichtig war, denn die Jungfrau von Mercè gilt als Schutzpatronin der Stadt.

2015-04-09 Barcelona IMG_1926 Hafenblick+Mirador de Colom

Da ist er schon wieder, auf dem dritten Bild: Cristòfor Colom, der Mirador auf der Plaça del Portal de la Pau, die Kolumbus-Säule. Zwischen die Masten paßt er gut, wie ein Wegweiser, denn er zeigt in die Richtung, in welche die Segelboote den Hafen verlassen müssen, um auf das offene Meer zu gelangen. Links im Bild sieht man die Rückseite und zwei der vier grauen Dachtürmchen des ‚Port de Barcelona‘, der Hafenbehörde. Noch dahinter kann man die Adler und Sphinxen auf dem Dach des alten Zollamts erahnen, sowie die mit grünenden Bäumen bewachsene Steigung sehen, die zum Berg Montjuïc hinaufführt.

2015-04-09 Barcelona IMG_1927 Hafenblick+Kathedrale

Alt neben neu, oder nicht ganz so alt, wie es aussieht – das ist ganz typisch für Barcelona!
Um einen so geraden Blick auf die filigranen Turmspitzen der Kathedrale haben zu können, die an der Pla de la Seu im Stadtviertel Barri Gòtic steht, muß man weit weg davon stehen, so wie hier und auf dem letzten Bild, darunter, aber um so überraschter ist man später, wenn man direkt vor dem riesigen Gebäude steht, an dem seit der Grundsteinlegung im 13. Jh. bis in das vorige Jahrhundert noch ergänzend, verschönernd und reparierend herumgebaut worden ist. Kirchtürme mit solchen offenen, ornamentalen eisernen Glocken-Kronen kann man in ganz Spanien auf Dorfkirchen sehen, dieser hier entstand aber erst, modernistisch, im 19. Jahrhundert. Es ist klar, dass ich an einem späteren Tag auch Fotos aus größerer Nähe gemacht habe, aber falls jemand schon neugierig ist, empfehle ich, sich durch die wesentlich umfassendere katalanische Viquipèdia-Version ein Bild zu machen > hier.

2015-04-09 Barcelona IMG_1936 Hafenblick+El convent y Basilica de la Mercè+Catedral
Diese Fotos sind sämtlich am Abend des 9. April in Barcelona von der Plaça de l’Ictineo bzw. einer Terrasse des Maremagnum aufgenommen.


Heute ist Tag 4 der „5+5“-Blog-Challenge, die ich durch Einladung von Le Drake Noir aufgenommen habe:
Die Regeln der “Five Photos, Five Stories”-Challenge sind:
1) Poste an 5 aufeinanderfolgenden Tagen einen Artikel mit mindestens einem Foto.
2) Schreibe etwas Eigenes zum Foto / den Bildern, ganz gleich ob Fiktion, realistisch, Poesie oder nur eine Zeile.
3) Nominiere bei jedem Eintrag einen Blogger, an den du die Aufgabe weitergeben willst. Derjenige muss aber nicht, es soll ja nur eine Anregung sein.

Heute hoffe ich, einen ganz besonderen Kormoran motivieren zu können, den Ball aufzunehmen und über 5 Tage hinweg seinen Veröffentlichungen einige Worte hinzuzufügen (also einfach normal das zu tun, was ich an seinem Blog sowieso liebe) und nur am Ende einen weiteren Blogger zu empfehlen.

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5 Gedanken zu “Hinter den Masten und über die Dächer gesehen (5+5, Teil 4)

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