Bendeleben – St. Pankratii mit dem schiefen Turm

Bendeleben hatte ich ausdrücklich auf dem Zettel. Zusammen mit Steinthaleben und sechs weitere Dörfer wurde 2012 eine verwaltungswirtschaftliche Großgemeinde namens Kyffhäuserland im thüringischen Kyffhäuserkreis gebildet. Weil Bendeleben benachbart liegt zu Steinthaleben, erreichte ich es nur zehn Minuten später, gegen 9 Uhr morgens:

2014-08-14 Bendeleben_Kyffhäuserkreis 01 Kirchturm

Bendleben mit dem Turm der St.Pankratius-Kirche aus rötlichem Bruchstein, beim Ankommen aus dem Auto fotografiert. Im Hintergrund sieht man die Hänge der Hainleite, ein Höhenzug in den Landkreisen Kyffhäuser, Nordhausen und Sömmerda im Norden von Thüringen. Die Getreideernte war in vollem Gange und viele Rundballen lagen schon auf den Feldern.

2014-08-14 Bendeleben_Kyffhäuserkreis 02 St.Pankratii-Kirche

Mit dem Bau der Kirche St. Pankratii wurde 1588 begonnen, der Turm wurde zuletzt hinzugefügt, nämlich 1621 bis 1623, unter Einbeziehung älterer Bauelemente der vorigen, viel älteren, romanisch / frühgotischen Kirche. Ob dies auch mit dazu beitrug, dass der Turm schief geraten ist? Die Abweichung fällt schon von weitem auf und sieht etwas besorgniserregend aus, denn mehr als einen Meter zehn weicht er vom Lot ab, der Kirchturm von Bendeleben:

2014-08-14 Bendeleben_Kyffhäuserkreis 05 St.Pankratii-Kirche

Dass es immer wieder bauliche Probleme mit dem Turm gegeben hatte, so fand ich es in einer Chronik aus dem Jahre 1899 durch Pfarrer H. Wedemann beschrieben. Schon gut einhundert Jahre nach Fertigstellung, waren 1725 Nachbesserungen notwendig, zwischen 1760 und 1770 war er wieder reparaturbedürftig, und als im Juni 1811 ein Blitz hineinfuhr und großen Schaden an Turm und Kirche anrichtete, wußte Pfarrer Wedemann in seiner Chronik von einem schon bestehenden Riss im Turm, der das Ausmaß des Schadens größer hat entstehen lassen.

2014-08-14 Bendeleben_Kyffhäuserkreis 10 St.Pankratii-Kirche

Schäden zu beheben, kostete Geld, aber der Dreißigjährige Krieg hatte Bendeleben mit Zerstörung, Hunger und Pest zugesetzt; kaum vorbei, folgten die Nordischen Kriege: die Beteiligung Sachsens brachte wieder Einquartierungen und Kontributionen, der Siebenjährige Krieg schloss bald auf. Dass der Turm einen Riss hatte oder schief stand, war im Oktober 1790, als mein Ur-[+ 3x ur-]großvater Johann Friedrich Wilhelm Steineck in der St. Pankratius-Kirche getauft wurde, sicher die geringste Sorge seiner Eltern. Ob der Täufling als junger Mann von bald einundzwanzig Jahren den Blitzeinschlag von 1811 miterlebt hat, weiß ich nicht; seine nächste mir bekannte Spur hinterließ er erst als Fünfunddreißigjähriger, im zu Fuß sechseinhalb Stunden und dreißig Kilometer entfernten Tunzenhausen bei Sömmerda, bei seiner Hochzeit.

Die als Informationsquelle zur Geschichte des Kirchturms herangezogene Chronik wurde herausgegeben vom Denkmalschutzverein „Barockes Bendeleben“ e.V. und ist im Web zu finden > hier.

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2 Gedanken zu “Bendeleben – St. Pankratii mit dem schiefen Turm

  1. … so korrekt Lateinisch muss man doch nicht sein, dass man die Ecclesia Santi Pankratii auch im Deutschen St. Pankratii nennt – da heißt er doch Pankratius, der Heilige. —

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    • Sie tun’s halt auf Webseiten mit Informationen zur Kirche und an der Kirche selbst auch – ich glaube, das ist so ähnlich wie über die korrekte Schreibweise von beliebten Vornamen internationaler Herkunft diskutieren zu wollen. ^^

      Kirche St.Pankratii Bendeleben

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